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Bad Schwartau Ellen Brümmer legt Ämter nieder
Lokales Bad Schwartau Ellen Brümmer legt Ämter nieder
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22:37 01.06.2017
„Die Entscheidungen von Frau Brümmer sind überraschend.“ Uwe Brinkmann (parteilos), Bürgermeister

Diese Nachricht ist ein Paukenschlag für die Bad Schwartauer Politik: Ellen Brümmer legt ihr Amt als Fraktionschefin der CDU nieder. Die 58-Jährige zieht damit ohne Wenn und Aber die Konsequenzen aus der jüngsten Mitgliederversammlung des CDU-Ortsverbands. Dort ist Ellen Brümmer im ersten Wahlgang zur stellvertretenden Vorsitzenden durchgefallen.

CDU-Politikerin gibt Fraktionsvorsitz und Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin ab.

„Für die Wahl hätte ich die absolute Mehrheit bekommen müssen“, sagt Brümmer, die einen zweiten Wahlgang (dort hätte die einfache Mehrheit gereicht) ablehnte. Ob dieses Ergebnisses zieht sie sich aus der allerersten Politikreihe zurück. „Wenn ich nicht den Rückhalt in der Partei habe, kann ich auch nicht den Fraktionsvorsitz behalten. Das passt nicht zusammen“, berichtet Brümmer, die trotz der parteiinternen Demontage keine schmutzige Wäsche waschen will. „Das habe ich in der Vergangenheit nicht gemacht. Und das werde ich auch jetzt nicht tun“, sagt Brümmer.

Die CDU-Mitgliederversammlung im Restaurant SüdWest stand unter keinem guten Stern. Lediglich 34 stimmberechtigte Mitglieder (aktuell gibt es 105 Mitglieder) kamen zur Sitzung. Dabei standen turnusmäßig Vorstandswahlen an. Mit über 90 Prozent der Stimmen wurde Frank Schumacher (51) erneut zum Vorsitzenden gewählt. Zu seinem Stellvertreter wählten die Mitglieder Carsten Dyck, als Schatzmeisterin Sabine Klüver und als Schriftführerin Brigitte Ohlsen. „Die Position des zweiten stellvertretenden Vorsitzenden blieb überraschend vakant, nachdem die Mitgliederversammlung der bisherigen Stellvertreterin Ellen Brümmer die Mehrheit versagte“, schreibt Schumacher in einer Pressemitteilung recht lapidar. Die Nicht-Wahl Brümmers hatte aber auch für den weiteren Wahlverlauf Konsequenzen. Vier von sechs Beisitzern zogen daraufhin ihre Kandidatur wieder zurück, so dass erst noch neue Beisitzer-Kandidaten gefunden werden mussten. Diese Positionen bekleiden nun Jürgen Habenicht, Alfred Klindwort, Bernd Kubsch, Alexander Schmuck, Regina Suckert und Torben Suhr.

Wer jetzt das Kommando in der Fraktion übernehmen wird, ist unklar. „Die Aufgaben müssen auf mehrere Schultern verteilt werden. Ellen Brümmer hat viele Jahre Großes geleistet und reißt schon ein Loch. Der Rückzug ist eine Zäsur“, sagt Schumacher. Brümmer wird auf alle Fälle ihr Mandat als Stadtverordnete behalten. „Ich möchte ja auch weiter für die Stadt etwas tun“, erklärt Brümmer. Ob sie zur Kommunalwahl 2018 noch einmal kandidieren oder anderweitig politisch aktiv werde, mag sie derzeit noch nicht entscheiden.

Entschieden hat Brümmer allerdings, ihr Amt als stellvertretende Bürgermeisterin niederzulegen. „Diese Entscheidung hat nichts mit der Mitgliederversammlung zu tun“, betont Brümmer. Sie fühlt sich schlichtweg vom Rathaus schlecht informiert. So sei sie im gesamten vergangenen Jahr lediglich zu Beginn der Amtszeit von Uwe Brinkmann als Urlaubsvertreterin angefragt worden. Aus Sicht des Verwaltungschefs Uwe Brinkmann (parteilos), der von den Konsequenzen Brümmers „sehr überrascht“ ist, gibt es für die Nicht-Anfragen Brümmers auch einen Grund: „Ich habe schlichtweg nicht mehr Urlaub gemacht.“

KOMMENTAR

Verraten und verkauft

Ellen Brümmer hat mehr als ein Jahrzehnt die Politik in Bad Schwartau mitbestimmt und gestaltet. Als CDU-Fraktionschefin musste sie nicht nur mit den politischen Mitbewerbern im Rathaus die Klingen kreuzen. Auch in den eigenen Reihen gab es stets viele Widerstände. Dabei hat sich Ellen Brümmer nicht nur Freunde gemacht. Das war beim Wahlkampf ums Bürgermeisteramt im vorigen Jahr deutlich zu spüren. Der Rückhalt in den eigenen Reihen war nicht bedingungslos. Bereits nach der Wahlniederlage wurden hinter vorgehaltener Hand schon Forderungen nach einem Rücktritt laut. Doch offen gesagt hat es niemand. Jetzt hat eine schlecht besuchte Mitgliederversammlung die CDU-Frontfrau verraten und verkauft. Mit diesem Veto hat sich der Ortsverband mitten im bundes- und landesweiten CDU-Hoch ohne Not in eine Krise katapultiert.

Nachfolger gesucht

Zwei Positionen muss die CDU jetzt neu besetzen. Wer den Vorsitz in der Fraktion übernimmt, darauf werden sich die 14 CDU-Stadtvertreter verständigen müssen. Als stärkste Fraktion hat die CDU auch das Vorschlagsrecht für das Amt des Stellvertretenden Bürgermeisters. Sollte der Bürgermeister-Vertretungsfall aktuell eintreten, steht Hans Tylinski (SPD) als zweiter stellvertretender Bürgermeister bereit.

 Sebastian Prey

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