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Bad Schwartau „Endlich nicht mehr nur als Deko dasitzen“
Lokales Bad Schwartau „Endlich nicht mehr nur als Deko dasitzen“
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19:12 16.09.2016
Clara mit ihrer Klasse in Estland. „Ich freue mich, bald wieder einige besuchen zu können“, so die Bad Schwartauerin.

Das Abenteuer Estland ist beendet. Ein Jahr lang habe ich dort gelebt und die Schulbank gedrückt. Das war nicht immer einfach. Auch wenn mein Jahr in Estland mir wirklich tolle Erfahrungen gebracht hat, bin ich froh, wieder hier zu sein. Denn hier weiß ich, „wie der Hase läuft“. Besonders in der Schule. Es ist echt toll wieder so viel im Unterricht zu verstehen und nicht nur als Deko dazusitzen. Die Rückkehr ans Gymnasium am Mühlenberg weckt bei mir aber auch Erinnerungen an eine außergewöhnliche Schulzeit in Estland.

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Clara Schulz (18) aus Bad Schwartau erinnert sich an ihr vergangenes Schuljahr in Estland.

Am ersten Abend vor meinem ersten Schultag in Estland beschäftigte mich zunächst die Kleiderfrage, denn am ersten Schultag wird sich traditionell nur in Schwarz und Weiß gekleidet oder einfach etwas schicker. Die erste Stunde war eine eher ganz normale Klassenlehrerstunde. Danach versammelte sich die ganze Schule in der Aula. Niemand aus meiner Klasse wusste, wie er mir auf Englisch erklären sollte, was gleich passieren würde. Deshalb saß ich gespannt da und wartete ab. Plötzlich standen alle auf und fingen an, die Schulhymne und später auch die estnische Nationalhymne zu singen. Die Zwölfklässler zogen paarweise ein und an der Spitze lief ein Junge mit unserer großen Schulflagge. Nicht nur der „Patriotismus“ zur Schule ist groß, Esten sind sehr stolz darauf, Esten zu sein und so findet man auch die estnische Flagge vor der Schule, was anfangs für mich etwas befremdlich war. Es sollte nicht die letzte große Zeremonie in meiner dortigen Schulzeit gewesen sein. Zum Unabhängigkeitstag, am 24. Februar, und auch zum Schuljahresende wurden Schulhymne und Nationalhymne gesungen und viele Reden gehalten.

Da ich anfangs so gut wie gar kein Estnisch gesprochen und verstanden habe, habe ich einen individuellen Stundenplan bekommen. Ich hatte bei meiner Schule durchgesetzt in die erste, dritte und vierte Klasse zu gehen, um dort Estnisch zu lernen. Es hat mir wirklich sehr geholfen mit den Erstklässler zusammen in ihren Erst-Lese-Büchern zu lesen oder mit der dritten Klasse über Wunschberufe zu sprechen. Bei meinem Wunschberuf hatte ich allerdings nicht zu große Auswahl, weil mein Wortschatz zu klein war. Ich wurde also Feuerwehrfrau, weil ich gern helfe.

So verbrachte ich fast das ganze Jahr meine ersten zwei oder drei Schulstunden bei den Kleinen und in den Pausen spielten wir zusammen.

Eines der wenigen Fächer, in dem ich Noten bekommen habe, war Englisch. Die Lehrerin hat auch strikt darauf geachtet, dass ich alle Tests mitschreibe. Zu meiner Freude hatte ich überwiegend Fünfen.

Als ich das meiner Mutter und meinen Freunden in Deutschland erzählte, waren sie alle geschockt und fragen: „Was? So schlecht? Und du freust dich darüber?“ Dann fiel mir auf einmal auf, dass ich mich schon so an das estnische Notensystem gewöhnt hatte; denn hier ist Fünf das Beste und Eins das Schlechteste. Positiv war in Estland, dass es keine stressige Klausurenzeiten gibt. Dort werden immer wieder kleinere Tests geschrieben, die auch wiederholt werden können, falls man doch nicht so gut abgeschnitten hat. Zwei weitere Sachen habe ich schätzen gelernt: Zum einen das kostenlose Schulessen und zum anderen „ekool“. „ekool“ ist ein System, wo die Lehrer Hausaufgaben, Tests und persönliche Nachrichten reinschreiben können. Jeder hat seinen persönlichen Account und sieht so auch alle Noten auf einen Blick.

Die ersten Schulwochen am GaM haben mir gezeigt, dass die nächsten Monate alles andere als einfach werden. In Estland habe ich zwar viel dazu- und vor allen Dingen auch kennengelernt, aber für das anstehende Abitur muss ich noch in einigen Fächern viel Stoff nachholen.

Clara Schulz

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