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Bad Schwartau Er versprüht Charme: Mit Airbrush-Pistolen
Lokales Bad Schwartau Er versprüht Charme: Mit Airbrush-Pistolen
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22:10 26.09.2017
Torsten Bahr fertigt Auftragsarbeiten, aber auch gern Airbrush-Paintings mit Wellen aus verschiedenen Blickwinkeln.
Bad Schwartau

Ein Bekannter zeigte ihm einst die Kunst – irgendwann zwischen Zivildienst und Australientrip. „Ich habe als Kind schon gern gezeichnet“, erzählt Torsten Bahr. Und seit er sich im Alter von 20 Jahren seine erste „Pistole“ gekauft hat, ist diese künstlerische Ausdrucksform die ihm liebste geblieben. „So wie ein Maler seinen Duktus mit dem Pinsel hat, habe ich meine Ausdrucksform“, sagt er. Seine Art der Linienführung kommt mit Druck zustande – mit Luftdruck. Beim Sprühen mit der Airbrushpistole wird mit nur einem Finger sowohl Luftzufuhr als auch Farbmenge reguliert. Oder wie der Künstler sagt: „Beim Drücken kommt Luft, beim Ziehen die Farbe.“ Durch das Bewegen des Hebels nach hinten wird aus einem feinen Farbnebel ein gröberer. Die Farben werden vorher verdünnt und gemischt. Und ohne Schutzbekleidung geht nichts: Atemschutz und Latexhandschuhe sind der stetige Begleiter von Torsten Bahr, um sich zu schützen vor der fein zerstäubten Farbe, dem Treibgas aus den Dosen oder auch dem Löse- und Reinigungsmittel Aceton.

Pffffft, pfffffft. Es ist das Geräusch seines Lebens: Torsten Bahr ist Airbrushkünstler. Sein kleines Atelier hat er im Gewerbepark Tremskamp. Airbrush heißt so viel wie Sprühmalerei: Die Farben, die der 47-Jährige aufträgt, kommen aus Sprühdosen oder der Airbrushpistole.

Infos im Netz

Seit 2014 gehört Torsten Bahr dem Förderverein Bildende Kunst Ostholstein an und gibt noch immer Kurse: für Anfänger und Fortgeschrittene in kleinen Gruppen. Mehr Infos gibt’s im Internet unter www.bilderbar.de oder www.torstenbahr.com.

Aufgetragen wird die Kunst auf unterschiedlichen Materialien. Das können Fahrzeuge sein, Motorräder oder Wände. Wie die Badezimmerwand einer Ferienwohnung, die ein Strandmotiv bekommen hat, oder die eines Beauty Salons, der auch malerisch zur Oase wurde. Bahr hat auch schon bröckelnde Hauseingänge malerisch saniert oder einen skandinavischen Fjord auf eine Garagenwand gebracht. Ein Kiosk in Travemünde ist mit einem gesprühten Latte Macchiato verziert. Die Auftragsarbeiten werden entweder nach Vorlagen umgesetzt oder eigens entworfen. „Da müssen die Kunden schon Vertrauen haben“, sagt Bahr. Denn die Vorlagen können immer nur grobe Entwürfe sein. Er sprüht fast alles; außer bei militärischen Motiven und nackten Frauen sei Schluss, sagt er lachend. Die Idee seiner Seite „bilderbar.de“ kam durch die vielen Anfragen von Kunden nach diesen individuellen Dingen. „Ich mag das Leuchten in den Augen der Betrachter, wenn sie von meiner Arbeit begeistert sind und sich für gute Arbeit bedanken.“ Besondere Leidenschaft hegt er jedoch für Wellenmotive, ausgelöst durch sein Hobby: das Wellenreiten. Eigene Eindrücke und Bilder aus Magazinen dienen ihm als Vorlage. Und das ist für ihn dann auch tatsächlich Kunst. Das Material wird vorher mit Schablonen beklebt, nur die Fläche, die farbig werden soll, bleibt frei. Gern verwertet er dafür altes Material: Seine Motive auf hundert Jahre alten Holzbohlen waren schnell verkauft. Seine großen besprühten Aluminiumplatten einer alten Fertigungsstraße waren im Sommer in der Bad Schwartauer Asklepios Klinik zu sehen. 250 Farben stehen in seinem Atelier, fast 20 davon sind Blautöne.

Bahr blickt auf über 25 Jahre Erfahrung zurück. Er erinnert sich gern an Studienzeiten, als die Fachschule für angewandte Kunst in Heiligendamm noch existierte. Sie war eine Enklave für Studenten, das Luxushotel noch in weiter Ferne. Persönliche Arbeitsplätze in Werkstätten, das Wohnen auf dem Fachschulgelände, Meer und Wald boten kreative Studienbedingungen. „Das war wie Anarchie, aber die Vertrauensbasis war groß“, erinnert sich Torsten Bahr, der fünf Jahre im Bauwagen lebte. Nach dem Studium im Fachbereich Innenarchitektur und Design, wo er bereits Kurse im Farblabor gab, arbeitete er als Grafik-Designer in Hamburg, Rostock und Lübeck.

 Irene Burow

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