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Erfolgsgeschichte eines Kulturvereins vom Dorf

Stockelsdorf Erfolgsgeschichte eines Kulturvereins vom Dorf

Zwei Jahre gibt es den Verein Cultura Curau — In einem Interview zieht der zweite Vorsitzende Roman Röpstorff Bilanz und blickt in die Zukunft.

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Roman Röpstorff ist zweiter Vorsitzender im Verein Cultura Curau, der Kultur auf dem Land fördern will.

Quelle: DD

Stockelsdorf. Lübecker Nachrichten: Wie viele Veranstaltungen hat der Verein Cultura Curau seit seiner Gründung vor zwei Jahren denn inzwischen schon auf die Beine gestellt?

Roman Röpstorff: Man kann sagen, eine Veranstaltung pro Monat, außer in den Sommermonaten — also rund ein Dutzend pro Jahr.

Für so einen kleinen Verein, der nur 20 Mitglieder hat, ist das eine ganze Menge . . .

Röpstorff: Ja, das stimmt. Wir haben gleich von Anfang an richtig losgelegt. Und das soll auch in Zukunft so weitergehen.

Wie sieht Kultur auf dem Dorf aus?

Röpstorff: Ganz vielfältig, wir haben für jeden Geschmack was dabei, denn wir wollen alle ansprechen. Wir haben zum Beispiel eine Küchenlesung organisiert, also eine Lesung in einer privaten Küche in Curau mit zwölf Leuten. Wir haben aber auch schon zweimal zu einem Rockkonzert mit 300 Leuten geladen oder zu einem Jazz-Frühschoppen, zu dem 100 Besucher gekommen sind. Und eine Bilderausstellung gehört inzwischen auch auf unsere Liste. Also unser Programm ist bunt.

Und wie viele Besucher haben bisher insgesamt mit der Kultur auf dem Land erreicht?

Röpstorff: Über 1000.

Haben Sie das so erwartet?

Röpstorff: Die Frage ist doch, was versteht man unter Erfolg? Eigentlich haben wir damit gerechnet, dass die eine oder andere Veranstaltung ein Flop wird. Ein Flop heißt für uns, dass wie finanziell Miese machen. Aber das ist nicht passiert, wir haben bei keiner Veranstaltung draufgezahlt. Insofern hatten wir nicht einen einzigen Flop und waren bislang ziemlich erfolgreich.

An der Anzahl der Flops wird also der Erfolg gemessen?

Röpstorff: Für uns ist die Messlatte: Lasst uns machen, wir haben da einfach Bock drauf, was zu machen: Lasst uns einfach anfangen. Ob es dann angenommen wird und wie viele Veranstaltungen es dann werden, ist erst einmal unabhängig davon, ob es ein Erfolg wird. Und wenn eine Veranstaltung ein Flop wird, dann ist das eben so. Wir waren darauf eingestellt, dass es einen Flop gibt. Aber dass es bis jetzt noch keinen gab, das hat uns auch ein wenig überrascht.

Was genau ist der Erfolg — die über 1000 Besucher oder dass es bislang keinen Flop gab?

Röpstorff: Dass wir finanziell im Plus sind. Man darf nicht vergessen, wir sind ein kleiner Verein. Und wenn wir uns finanziell überhoben hätten, das wäre schlimm.

Der Verein hat 20 Mitglieder, der Jahresbeitrag beträgt 20 Euro. Selbst bei 100 neuen Mitgliedern reicht das nie, um ein finanzielles Polster aufzubauen.

Röpstorff: Richtig. Deswegen muss jede Veranstaltung, die wir machen, gut überlegt und gut geplant sein. Jede Veranstaltung hat einen langen Vorlauf. Und rechnen muss sich das — und tut es bis jetzt — über den Eintrittspreis.

Mit fünf Euro ist der aber sehr moderat.

Röpstorff: Wir wollen Kultur, die sich auch jeder leisten kann, vor allem auch die Jüngeren. Und wenn wir eine Veranstaltung haben wie zum Beispiel „Vergrillt und Zugenäht“ auf dem Spatzenhof in Kooperation mit der „Stoffwerkerin“, dann sprechen wir in dem Fall eher nicht die ganz Jungen an. Und die, die da sind, sind dann auch bereit für fair gehandelte Wildwurst vom Grill auch etwas mehr zu zahlen.

Wie kann man eigentlich solche „regionalen Stars“ wie die Band Die Otten für ein Rockkonzert aufs Dorf nach Curau locken?

Röpstorff: Das sind einfach die Kontakte, die wir haben. Davon haben wir im Vorstand viele, wir sind gut vernetzt, das nutzen wir. Wir spreche die Leuten einfach an.

Mussten Die Otten lange überlegen?

Röpstorff: Nee, das mussten die nicht. Die waren sehr angetan vom Ambiente hier in Curau und fanden das cool und sind sehr gerne gekommen.

Was ist der Unterschied zwischen Kultur in der Stadt und auf dem Land? Bon Jovi würde ganz sicher nicht hier herkommen.

Röpstorff: Also ausschließen würden wir das natürlich nicht, wir arbeiten dran (er lacht)! Wir wollen hier durchaus auch bekannte Künstler herholen, damit sie dann mal den Reiz des ländlichen Charmes kennenlernen. Der Zusammenhalt der Leute auf dem Dorf ist einfach ein anderer als in der Stadt. Aber es ist lange nicht mehr so, dass jeder jeden auf dem Dorf kennt. Also trifft man sich hier nicht nur wegen der Kunst, sondern auch wegen dem Miteinander.

Was sind die Zutaten für das Erfolgsrezept des Vereins Cultura Curau?

Röpstorff: Die guten Kontakte in die Kunst- und Kulturszene, eine gute Organisation, denn hinter den Kulissen wird alles vom Stühleschleppen bis Bühnenaufbau von Ehrenamtlern gestemmt und eine gute Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig.

Das klingt so, als hätte Cultura Curau alles im Griff und keine Probleme.

Röpstorff: Im Moment läuft alles gut. Das ist deshalb so, weil wir die Arbeit auf viele Schultern verteilen, damit nicht Einzelne über Gebühr strapaziert werden. Damit das so bleibt, brauchen wir besonders im Vorstand ab dem Frühjahr dringend tatkräftige Verstärkung.

Warum?

Röpstorff: Wir sind sieben Köpfe im Vorstand und jeder organisiert reihum federführend eine Veranstaltung. Viele aus dem Vorstand sind Studenten. Einer geht jetzt nach Ludwigsburg, einer für ein Jahr in die USA und ein anderer geht auch für ein Jahr weg nach London. Also drei von sieben Vorstandsmitgliedern sind vorübergehend nicht da. Wir wollen aber unbedingt die Arbeit so fortsetzen, deswegen brauchen wir Verstärkung.

Was ist das große Ziel?

Röpstorff: Die eigenen vier Wände und ein Dach. Eine Scheune, ein Stall, was auch immer. Etwas, das wir herrichten können als Veranstaltungsort mit Bühne für Konzerte, Theater, Lesungen und all sowas.

Und wo soll das sein?

Röpstorff: Curau natürlich. Wir können eine Kunstausstellung in Arfrade machen oder was anderes in einem anderen Dorf. Aber unser Raum kann nur in Curau sein, nirgendwo sonst.

Interview: Doreen Dankert

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