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Bad Schwartau „Es ist noch lange nicht Abend“
Lokales Bad Schwartau „Es ist noch lange nicht Abend“
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19:13 09.08.2016
Gertrud Grützmacher, ihre langjährige Freundin Gudrun Rohlfs (l.) und Bürgervorsteherin Birgit Clemens (r.). Quelle: Irene Burow

„Mit 101, 102 und 103 habe ich aus meinem Leben erzählt, heute schweige ich mal“, schmunzelt Gertrud Grützmacher. Gestern hat sie in trauter Runde in der Seniorenresidenz Geertz ihren 104. Geburtstag gefeiert. Doch mit dem Schweigen lässt sie es dann doch, schließlich gibt es nicht mehr so oft so viel Besuch, wie an diesem Tag. Pflegekräfte, Freunde und Familienangehörige gratulieren. Die Bürgervorsteherin Birgit Clemens schaut vorbei und überbringt herzliche Grüße von der Stadt Bad Schwartau und eine Urkunde von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig. „Vielleicht sollten wir bald eine kleine Galerie damit anfertigen“, schlägt die Freundin von Gertrud Grützmacher, Gudrun Rohlfs, vor. Denn Urkunden vom Land gibt es im Alter von 90, 95 und 100 – und dann jedes Jahr. Ein Ende ist wohl noch nicht absehbar, sagt das Geburtstagskind selbst über sich: „Ich erinnere mich noch, dass ich vor Jahren die Bundestagswahlen als Ziel hatte, das war 2013. Mein Herz meint wohl, dass ich die nächsten im kommenden Jahr auch noch miterlebe“, sagt sie verschmitzt, mit der Hand auf der Brust.

Dabei ist es gar nicht so einfach, so alt zu sein. Im vergangenen Jahr wurde sie nach einer Lungenentzündung in die Pflegeabteilung verlegt, bis dahin hatte sie sich im Großen und Ganzen noch selbst in dem Heim versorgt. Auch jetzt ist sie froh, noch ein eigenes Zimmer zu haben. „Ich lebe still und ruhig. Morgens wird man hier um sieben aus dem Bett geholt“, witzelt sie. „Und der Tag ist dann manchmal sehr lang.“ Sehen und damit auch Lesen ist inzwischen kaum mehr möglich. Die Beine versagen. „Leider kann man nicht mehr tanzen gehen und sich von Männern ausführen lassen“, erklärt sie. Die Zuhörer lachen oft, wenn Gertrud Grützmacher etwas sagt. Geboren wurde sie in Antonswald bei Posen, damals Pommern. Mit sieben Jahren kam sie nach Templin in die Uckermark. „Wo unsere Bundeskanzlerin herkommt, das muss ich ja betonen“, so die zweitälteste Bad Schwartauerin. Nach dem Krieg kam sie nach Lübeck und hat Jahrzehnte in Sereetz gelebt. „Ich wüsste kein Rezept so alt zu werden“, sagt sie. „Ich grübele sehr viel. Aber mein Mund ist noch rege“, weiß sie genau. „Und es ist ja noch lange nicht Abend.“

ibu

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