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Bad Schwartau Eva Stöckers Weisheit: Das Positive sehen
Lokales Bad Schwartau Eva Stöckers Weisheit: Das Positive sehen
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18:13 10.10.2016
„Welcher 75-Jährige hat noch eine Mutter?“, sagt Joachim Stöcker, der heute mit seiner Mutter Eva Stöcker ihren 102. Geburtstag feiert. Quelle: Doreen Dankert

Ihr Alter ist biblisch – da gibt es keine zwei Meinungen. Eva Stöcker ist etwas vergönnt, was nur sehr wenigen Menschen vergönnt ist: Ihre Zahl an Lebensjahren ist schon seit geraumer Zeit dreistellig. Und heute feiert die noch recht fitte Seniorin im Pflegeheim an der Georgskapelle in Bad Schwartau ihren 102. Geburtstag.

„Was auch immer im Leben passiert, alles hat immer auch sein Gutes. Das muss man wissen.“Eva Stöcker

Eva Stöckers Rezept für so ein langes Leben? „Na ja“, sagt sie und lächelt, „ich würde sagen, das liegt in meinem Naturell, das sind wohl gute Gene.“

Erst vor einem halben Jahr hat Eva Stöcker ihr komplett eigenständiges Leben in einer eigenen Wohnung aufgegeben und ist nach Bad Schwartau in die Residenz für Senioren gezogen. Bis dahin hat sie sich noch selbst verpflegt und jeden Tag selbst gekocht. Immer sehr viel Gemüse, immer sehr gesund. Und keine Zigaretten. Nie in ihrem Leben. Weil es nicht gesund ist. Aber auch, weil es die Geschmacksnerven beeinträchtigen würde.

Ihr Sohn Joachim Stöcker, das einzige Kind von Eva Stöcker, sagt über seine Mutter, sie sei eine sehr gute Köchin gewesen. Das Kochen wird jetzt von anderen übernommen, aber das ist so ziemlich die einzige Sache, die Eva Stöcker in ihrem neu strukturierten Leben nicht wirklich gefällt. Eva Stöcker beweist in ihrem hohen Alter Humor. „Den hatte sie schon immer“, sagt ihr Sohn. Aber Eva Stöcker hat in ihrem hohen Alter absolut nicht ihren Mut verloren, das zu sagen, was ihr missfällt. Und dabei sagt die betagte Dame das in auffallend ausgewählten Worten. In einer Mischung aus Poesie mit knallharter Pointe: „Es ist die Kochkunst in diesem Hause, mit der ich mich nur schwer anfreunden kann. Die Harmonie der Lebensmittel ist für meinen Geschmack zu spärlich.“

Am liebsten würde sie selbst am Herd stehen und den Kochlöffel schwingen, doch dafür reicht jetzt die Kraft nicht mehr.

Geboren wurde Eva Stöcker zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 in sehr behüteten Verhältnissen in Berlin. Aufgewachsen ist sie als Einzelkind. In den 1930er Jahren erlernte sie den Beruf der Schneidermeisterin. Dann kam der Zweite Weltkrieg, den Eva Stöcker in Berlin erlebte. Dort lebte Eva Stöcker auch mit ihrem Mann, einem Offizier. 1941 wurde der gemeinsame Sohn Joachim geboren. Seit 1945 war Eva Stöcker alleinerziehende Mutter, denn zu der Zeit erfolgte die Scheidung von ihrem Mann. Ein Jahr später kam die Dame mit den graublauen Augen von Berlin nach Lübeck, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. Hier hat Eva Stöcker seinerzeit für viele große Modehäuser in der Hansestadt gearbeitet – als selbstständige Schneidermeisterin. Das war mehr als ein Fulltime-Job. Und weil sie damals das Gefühl hatte, ihr Sohn könne zu kurz kommen, habe sie sich beruflich umorientiert und einen Job mit geregelteren Arbeitszeiten gesucht. Eva Stöcker arbeitete dann 20 Jahre lang in und für die Bahnhofsmission. Dort half sie Bedürftigen oder organisierte die Weiterreise von Kindern und Erwachsenen in den Erholungsurlaub.

Körperlich fit gehalten hat Eva Stöcker sich in den jungen und jüngeren Jahren mit Schwimmen und Schlittschuhlaufen. Inzwischen hat sie drei Enkel. Zwei davon leben im Ausland: Australien und Dänemark. Und zwei Urenkel gibt es auch schon.

Gefeiert wird der heutige Geburtstag im engen Familien- und Freundeskreis mit Schwarzwälder-Kirsch-Torte und Nuss-Marzipan-Torte. „Darauf freue ich mich schon“, verrät Eva Stöcker. Und dann sagt sie noch etwas, was vielleicht die wichtigste Zutat im Rezept für ihr langes Leben ist: „Egal, was im Leben passiert, auch wenn es schlecht ist, alles hat auch sein Gutes – und das muss man sehen. Man muss immer das Positive sehen, denn das ist da, auch in schweren Zeiten.“ Starke Worte einer weisen Frau!

Doreen Dankert

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