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Exotische Panzertiere wildern im Kurparksee

Bad Schwartau Exotische Panzertiere wildern im Kurparksee

Aufmerksame Beobachter staunen im Bad Schwartauer Kurpark nicht schlecht: Vor allem bei gutem Wetter sonnen sich auf einer Plattform und am Ufer Schildkröten. „Sie haben schon mehrere Jahre überwintert. Wenn sie am Ufer liegen, kann man sie zählen“, erklärt Stadtjäger Gert Kayser. Er vermutet bis zu 30 Tiere in dem Gewässer.

Viele kennen den Anblick schon, Besucher sind überrascht: Schildkröten werden am Kurparksee von Bad Schwartau immer wieder beim Schwimmen und Sonnenbaden gesehen.

Quelle: Irene Burow

Bad Schwartau. Die Schmuckschildkröten müssen ausgesetzt worden sein, denn sie sind eigentlich in Nordamerika zu Hause. Tausende Tiere landen gerade in den Sommerferien in Tierauffangstationen – darunter viele Schildkröten, bestätigt Anna Gomberg von der Tierhilfe Ostholstein. „Wir kriegen Meldungen von überall.“ Die Kapazitäten würden nicht reichen. Die vergleichsweise harmlose Schmuckschildkröte könne zubeißen, warnt sie. Sie seien zwar zahnlos, hätten aber einen messerscharfen Kieferrand. „Ich habe selbst eine Narbe davon“, sagt sie. Wirklich gefährlich seien aber die als aggressiv geltende Schnappschildkröten. Und die leben im Eutiner Kellersee. 

LN-Bild

Bis zu 30 Schildkröten werden in Bad Schwartau gesichtet – Und nicht nur dort: Im Eutiner Kellersee lebt sogar die gefährliche Schnappschildkröte.

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„Dort haben wir mehrere große Exemplare“, sagt Gomberg. Sie habe Bauhofmitarbeiter der Stadt bereits gewarnt. Auch der Kreisangelfischerverband (KAFV) Ostholstein weiß davon. „Ich habe sie dort selbst schon gesehen“, so der Vorsitzende aus Pansdorf, Helmut Hagen. „Sie können ohne Probleme einen Finger oder Zeh abbeißen. Dafür schießen sie mit dem Kopf bis zu einem halben Meter nach vorn.“ Aus Sicht der Fischerei sei das zwar ein eher kleines Problem. Doch die Angler seien gewarnt. „Es ist besser, wenn man davon weiß, wenn man im Schilf hantiert“, sagt er. „Wir sagen unseren Jugendlichen, dass sie besonders aufmerksam sein müssen.“ Nach Bundesartenschutzverordnung ist es in Deutschland seit 1999 verboten, Schnappschildkröten einzuführen, zu verkaufen oder zu züchten.

Das Phänomen der ausgesetzten Panzertiere ist in Deutschland nicht unbekannt. Ob Berlin, Duisburg oder Stuttgart: „Stadt der ausgesetzten Schildkröten“, „Tierschützer im Einsatz: Hier fischen sie Schildkröten“, „Schildkröten-Invasion“ oder „Schwanenfamilie in Panik“ lauteten bundesweit Schlagzeilen in den vergangenen Jahren. 2013 sorgte eine Schnappschildkröte für Aufsehen, die in einem bayerischen Badesee einem Jungen die Achillessehne durchgebissen hatte.

„Die Tiere gehören generell nicht in dieses Biotop. Ist der Winter nicht kalt genug, überleben sie im Schlamm“, erklärt Hendrike Jordan, Vorsitzende des Naturschutzbundes Bad Schwartau. „Heimisch wäre hier nur die europäische Sumpfschildkröte. Weil es aber kaum noch Sümpfe und Moore gibt, ist sie nicht mehr zu finden.“

Zehn der archaischen Wesen beherbergt Anna Gomberg momentan in Stolpe (Gemeinde Altenkrempe). Darunter sogar ein Tier, das aus der Ostsee gerettet wurde. „Wir werden sie monatelang pflegen müssen. Im Salzwasser haben diese Schildkröten erst recht nichts zu suchen“, sagt sie und erklärt das Hauptproblem: „Im Handel gibt es Schmuckschildkröten relativ billig. Jung sind sie süß und klein; Kunden wird erzählt, dass sie nur langsam wachsen.“ Das stimme aber nicht: Nur vier bis fünf Jahre vergehen, und die Tiere seien stattliche 30 Zentimeter groß, mehrere Kilo schwer und könnten in Gefangenschaft 40 bis 50 Jahre alt werden. Der Aufwand in den Aquaterrarien wird entsprechend größer. Das Tier in einem öffentlichen Teich auszusetzen, scheint da wohl recht verlockend. Gesehen worden sind auch Tiere in der Schwartau und von Lübecker Fahrgastschiffen aus. In Bad Schwartau ist vor einigen Monaten auf Wunsch des Umweltbeirates von der Stadt auf dem Kurparksee eine kleine Plattform installiert worden, auf der die Tiere gern Platz nehmen.

Ob die Schildkröten dem ökologischen Gleichgewicht tatsächlich schaden, darüber gehen die Meinungen auseinander. Auf dem Speiseplan steht pflanzliche und fleischliche Nahrung (siehe Infokasten). Die Rotwangenschmuckschildkröte taucht jedoch in der EU-Artenschutzverordnung auf, weil sie eine Bedrohung als sogenannter „Faunenverfälscher“ darstellt – also für eine Veränderung des Artenbestandes sorgt.

Dauerhaft sollen die Gepanzerten zwar in diesen Breiten nicht überleben können – sobald ein richtig harter Winter kommt, sollen sie erfrieren. Dagegen spricht allerdings, dass Engagierte in Bad Schwartau schon vor 15 Jahren vergeblich versucht haben, die Tiere einzufangen. Auch Anna Gomberg glaubt, die Reptilien sind inzwischen so gut angepasst, dass sie sich vermehren. Bedacht werden müsse auch, dass sie echte Wasserverschmutzer sind. Laut dem Deutschen Tierschutzbund sei es fast unmöglich, die Terrarien ausreichend zu säubern. Angelegte Teiche bräuchten einen starken Filter, da Schildkröten so viele Abfallstoffe produzieren.

Überleben in Winterstarre

Die deutsche Bundesartenschutzverordnung verbietet den Besitz von Schnapp- und Geierschildkröten.

Oftmals handelt es sich bei den ausgesetzten Tieren um Schmuckschildkröten. Laut Deutschem Tierschutzbund fressen sie tierische und pflanzliche Nahrung. Auf dem Speiseplan stehen Insekten, Fische, Kleinkrebse, Fischlaich und Entenküken, aber auch Entengrütze oder Löwenzahn.

Schmuckschildkröten werden sehr groß, gelten als bissig und erreichen ein hohes Lebensalter; über 40 Jahre. Zur Überwinterung verbringen sie in freier Natur mehrere Monate in Winterstarre.

 Irene Burow

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