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Bad Schwartau Ferienpasskinder nehmen Blutegel unter die Lupe
Lokales Bad Schwartau Ferienpasskinder nehmen Blutegel unter die Lupe
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20:22 29.06.2013
Die Geschwister Mara und Jesse haben keine Berührungsängste und nehmen neugierig die kleinen Blutegel auf die Hand. Quelle: Fotos: Maike Wegner
Bad Schwartau

Sie haben fünf Augenpaare, sind schleimig und saugen mit Vorliebe Blut. Doch aufgrund ihrer heilenden Wirkung werden Blutegel seit der Antike in der Schmerztherapie eingesetzt. Bei einer Ferienpassaktion konnten nun auch Kinder aus Bad Schwartau die bissigen Helfer genauer unter die Lupe nehmen.

Heilpraktikerin Andrea Engel wendet seit rund einem Jahr die Blutegeltherapie an und brachte die Tiere mit ins Stadtteilzentrum Cleverbrück. „Das Ganze mit Kindern zu machen, ist für mich eine Herausforderung“, erzählt die 51-Jährige, „schließlich arbeite ich sonst nur mit Erwachsenen, die sich bewusst für eine Therapie entscheiden.“ Doch die Premiere ist geglückt. Auch die Kleinen zeigen großes Interesse an den Tierchen, die kaum noch in freier Wildbahn leben und in Deutschland deshalb extra gezüchtet werden.

Dass die Jungen und Mädchen die Tiere immer wieder unbedarft „Blutekel“ nennen, nimmt Engel mit Humor. Ein bisschen eklig seien die Egel ja auch, gibt sie zu. Aber eben äußerst wirksam. Der Blutegel beißt sich fest, saugt Blut und sondert dabei einen heilenden Schleim ab. Dieser sorgt beispielsweise für eine Blutverdünnung und lindert so den Schmerz. Bei Migräne, Arthrose oder Mittelohrentzündungen wird der Egel traditionell eingesetzt.

Auf die Frage, wer der nächste Verwandte des Blutegels ist, antwortet Marlon sofort: „Bestimmt der Regenwurm.“ Und damit hat er Recht, Engel ist beeindruckt. Und sie ist mächtig gefordert, denn die Kinder wollen es ganz genau wissen. „Was passiert, wenn ein Blutegel erst Blut von einem Tier saugt und danach von einem Menschen?“, fragt Jon. In der Natur sei das nicht weiter problematisch, erklärt die Heilpraktikerin. „Dennoch ist es in der Medizin verboten, einen Egel zwei Mal anzusetzen. Wenn er einmal Blut gesaugt hat, wird er entsorgt, damit keine Krankheiten übertragen werden können.“

Dann dürfen auch die Kinder die Tiere auf die Hand nehmen. Nur mit einem Handschuh versteht sich, sonst würde der Egel sich sofort für bis zu zwei Stunden festsaugen. Rund 50 Milliliter Blut nimmt er dabei auf, anschließend blutet die Bisswunde bis zu zwölf Stunden nach. Das kann den Ferienpasskindern nicht passieren. „Ein bisschen glitschig ist er aber“, findet die sechsjährige Mara, „wir haben zu Hause Schnecken im Teich, die sind genauso.“

Wenn der Egel einmal Blut gesaugt hat, kann er bis zu zwei Jahre ohne neue Nahrung überleben und schlussendlich bis zu 32 Jahre alt werden. Mit 300 Zähnen beißt sich das Tier fest. „Das fühlt sich dann an, als wenn einen eine Mücke sticht“, erzählt Engel. Schon eine Behandlung kann bis zu vier Monate den Schmerz lindern. Sofort wollen die Kinder wissen, ob auch sie schon eine Blutegeltherapie machen dürfen. „Das Alter ist nicht entscheidend, jeder darf zu mir kommen“, so Engel.

Die Blutegeltherapie
300 000 Blutegel wer- den pro Jahr im hessischen Biebertal gezüchtet und verkauft. Sie gehen an Ärzte und Heilpraktiker deutschlandweit. Rund 8,50 Euro kostet ein Egel inklusive Transportkosten. Die Therapie selbst kostet die Patienten rund 180 Euro und dauert bis zu zwei Stunden. Die Blutegel werden um die Wunde herum aufgesetzt und saugen sich dort fest. Insgesamt verliert der Patient so bis zu einem halben Liter Blut pro Therapie.

Maike Wegner

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