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Bad Schwartau Flauschalarm im Blumentopf
Lokales Bad Schwartau Flauschalarm im Blumentopf
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19:34 08.05.2016
Die „Prinzessin“ mit ihren neun Küken im Blumentopf. Quelle: Fotos: Jungke (3)/berger
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Bad Schwartau

Eigentlich sollten sie am Muttertag das Licht der Welt erblicken — aber wie das beim Nachwuchs so ist: Nur selten richtet der sich genau an den errechneten Geburtstermin. Das gilt auch für die neun süßen Küken, die „Prinzessin“, wie die Ente von den Angestellten der „Olive“ liebevoll genannt wird, im Restaurant in der Holstein-Therme einen Tag zu früh zur Welt gebracht hat. Ausgebrütet in einem Blumentopf, wie bereits im vergangenen Jahr.

Auch in diesem Jahr hat die Ente „Prinzessin“ im Außenbereich der Therme gebrütet — Jetzt ist der Nachwuchs da.

„Ein paar Tage vor Ostern tauchte die Ente plötzlich wieder auf — wir hatten sie schon erwartet“ erinnert sich Iris Berger, die mit ihrem Mann Frank die „Olive“ betreibt. Allerdings kam das braungescheckte Federtier erstmal nur zum ausgiebigen Inspizieren der örtlichen Gegebenheiten. Iris Berger: „Sie schlich immer um unsere großen Blumenkübel herum, um sich den passenden auszusuchen — aber anscheinend hat ihr keiner so richtig gefallen. Laut schnatternd zog sie immer wieder ab“.

Bis nach den Feiertagen. Da holte die Restaurantchefin noch einen kleinen Blumentopf aus dem Schuppen, um ihn mit lila und gelben Stiefmütterchen zu bepflanzen — und der sollte es dann sein. Schon einen Tag später lag das erste Ei im Blumenkübel und von da an kam täglich eins dazu — bis sich schließlich neun Eier in die weiche Erde schmiegten.

Dass die treue Ente vor allem bei schönem Wetter dem Trubel der Restaurantgäste auf der Terrasse und den Schwimmern im angrenzenden Thermenbecken ausgesetzt war, schien die „Prinzessin“ absolut nicht zu stören. Auch dass sie angesichts der beengten Platzverhältnisse keinerlei Bewegungsfreiheit hatte, nahm sie klaglos in Kauf. Im Gegenteil: Das Tier schien die gemütliche Enge zu schätzen. Und natürlich den exzellenten Restaurant-Service: Regelmäßig Salat, Sonnenblumenkerne und leckeres Weißbrot, dazu immer frisches Wasser zu bekommen — daran kann man sich schon gewöhnen. „Wir haben ihr auch Sprossen angeboten, aber das ist wohl nicht ihr Geschmack“, hat Iris Berger festgestellt. Dann schon lieber die leckeren Stiefmütterchen im Blumentopf, die die Restaurantchefin sowieso längst abgeschrieben hatte.

Das Frühstück forderte die frischgebackene Entenmama übrigens regelrecht ein. Iris Berger: „Wenn ich morgens die Tür aufschloss, kam sie sofort angewatschelt, klopfte mit dem Schnabel an die Scheibe und zeterte laut und so lange, bis es etwas zu Fressen gab. Dann allerdings ließ sich das treue Tier aus der Hand füttern und genoss es sichtlich, wenn man seine weichen Federn streichelte. „So zutraulich war unser Stammgast im vergangenen Jahr aber noch nicht“ sagt die 47-jährige Gastronomin, die als Einzige diesen Vertrauensbeweis erleben durfte.

Der Entenpapa, der wie im vergangenen Jahr auch diesmal wieder regelmäßig jeden Abend zu Besuch kommt, um mit seiner Gattin eine kurze Runde zu drehen, ist da wesentlich menschenscheuer: Sobald ihm jemand zu nahe kommt, sucht er das Weite und verschwindet im Kurpark. Dorthin hat sich auch die Entenmama mit ihrem flauschigen Nachwuchs gestern zurückgezogen — schließlich sollen die Kleinen gleich Schwimmen lernen. Vielleicht schaut sie aber auch demnächst mit den Küken noch mal in der „Olive“ vorbei. Wie im vergangenen Jahr, als „Prinzessin“ mit ihrer damals achtköpfigen Brut vor der Restauranttür stand und schnatternd Einlass begehrte. Der Restaurantchef Frank Berger war davon allerdings weniger begeistert. „Mein Mann witzelte, es könne ja wohl nicht sein, dass jetzt sogar schon das Essen in die Küche spaziert“, erinnert sich Iris Berger schmunzelnd.

Spätestens im nächsten Frühjahr wird die treue Entenmama aber sowieso wieder in der „Olive“ auftauchen — und sich einen schönen Platz für die nächste Brut aussuchen. Davon ist man hier ganz fest überzeugt.

Von Birgit Jungke

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