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Bad Schwartau Fliegen am Limit — immer an der Stromleitung entlang
Lokales Bad Schwartau Fliegen am Limit — immer an der Stromleitung entlang
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20:20 20.02.2016
Jörg Kunde, Joachim Klein und Oliver Schubert (v. l.) sind das Team im Jet-Ranger.

Fliegen am Draht ist Fliegen am Limit. Daran lässt Oliver Schubert keinen Zweifel. Was so harmlos „Befliegung“ heißt, ist in Wirklichkeit ein Drahtseilakt.

Den unternimmt der Kieler Pilot der Firma Rotorflug Airservices GmbH & Co. KGaA regelmäßig für die Schleswig-Holstein Netz AG. Nur so können Stromleitungen und -masten auf Schäden überprüft werden.

In dieser Woche waren Schubert und die SH-Netz-Techniker über den Kreisen Ostholstein, Stormarn, Herzogtum Lauenburg und am Rande über Lübeck unterwegs.

Drei Männer, ein Ziel: An diesem Morgen sitzt Schubert zusammen mit Joachim Klein (er guckt) und Jörg Kunde (er schreibt) im Hubschrauber vom Typ Bell 206 Jet-Ranger. „Ein Granatenhubschrauber“, sagt Schubert anerkennend. Dann fliegen die drei Männer los. Erst geht es flott übers Holsteiner Land, dann mit Rückenwind immer die Leitungen entlang. Mehr als 70 Masten werden auf einer Runde kontrolliert.

Dafür fliegt Schubert langsam, niedrig und nah an den Leitungen und Masten vorbei. Klein guckt sich alles genau an. Haben Vögel auf den Masten Nester gebaut? Fehlen Isolatoren? Sind Leitungen beschädigt? Ist die Signiertafel noch dran? „Wenn man Glück hat, findet man nichts“, sagt er. Findet er etwas, sagt er es Kunde, der den Schaden auf dem Blatt für den jeweiligen Mast notiert.

Meistens aber kann Kunde Blatt für Blatt umblättern, ohne etwas notieren zu müssen. „Im vergangenen Jahr hatten wir nur etwa drei bis vier Schäden insgesamt“, berichtet Klein. „Gestern waren es 300 Masten und nicht ein Schaden“, fügt Kunde hinzu. Und auch bei diesem Flug wird kaum etwas gefunden. Auf Stockelsdorfer Gebiet fehlt ein Teller, also einer der runden Isolatoren an den Masten. Er wird demnächst ersetzt. Auf einem anderen Mast findet Klein ein Vogelnest. Viele, berichtet er, sind von Krähen, aber die Kontrolleure finden auch Adler- und Bussardhorste. „Das Nest muss nur weg, wenn es durchhängt“, sagt Klein.

Auch sonst nehmen Pilot und Kontrolleure auf Tiere Rücksicht. Bei Elmenhorst (Kreis Stormarn) umfliegen sie einen Reitstall, weil die Pferde nicht viel Platz zum Weglaufen haben und schon nervös ob des niedrig fliegenden Dinges über ihren Köpfen sind. Keine Rücksicht nehmen können die Männer dagegen auf Wildtiere. Rehe rennen von rechts unter dem Hubschrauber hindurch, links davon schlagen Hasen Haken. Auch Menschen nehmen den niedrig fliegenden Hubschrauber wahr. Sie winken dem Helikopter zu. Doch die Männer im Hubschrauber haben dafür keinen Blick, sehen es nicht einmal. Sie müssen die Leitung im Auge behalten — der eine, um sie zu kontrollieren, der andere, um sie nicht zu touchieren.

Schubert bringt seine Passagiere wieder heil zum Flugplatz Hartenholm (Kreis Segeberg), von wo er gestartet ist und wo er vor der nächsten Runde auftankt. Er habe, berichtet er, 5500 Flugstunden absolviert, davon 800 bis 900 „am Draht“. „Das ist Fliegen im Grenzbereich, es ist sonst nicht gestattet, so nah heranzufliegen. Da bewegen wir uns schon in der Tote-Mann-Kurve“, sagt er, dem Grenzbereich, um die Maschine im Notfall noch heil auf den Boden bringen zu können.

Geringer Abstand, geringe Höhe

5-6 Meter Abstand hält der Hubschrauber während der Kontrolle, drei Meter sind der absolute Mindestabstand.

20 Kilometer pro Stunde ist der Helikopter beim Kontrollflug schnell, dabei fliegt er auf Höhe der Leitung und der Masten, also etwa 25 bis 56 Meter über dem Boden.

53 000 Kilometer Stromleitungen betreibt SH-Netz in Schleswig-Holstein, davon sind 4800 Kilometer Hochspannungsleitungen. In dieser Woche wurden 300 Kilometer kontrolliert.

4 Jahre beträgt der Turnus für das Kontrollieren der Hochspannungsleitungen.

Susanne Peyronnet
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