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Bad Schwartau Flüchtlings-Betreuung: Stockelsdorf sucht Helfer
Lokales Bad Schwartau Flüchtlings-Betreuung: Stockelsdorf sucht Helfer
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09:27 17.02.2016
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Stockelsdorf

Gesucht wird eine „Fachkraft zur Betreuung und Integration von Asylsuchenden“, wie die Gemeinde Stockelsdorf in ihrer Stellenanzeige schreibt.

Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann und ihre Unterstützer gehen in die Offensive, nachdem das Gemeindeoberhaupt jüngst ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hat: Sie strebt eine 1:1-Betreuung der Flüchtlinge an. Dafür fehlen aber vor allem ehrenamtliche Helfer, die nun bei einer Informationsveranstaltung für die Aufgabe als Flüchtlingsbegleiter begeistert werden sollten.

„Wir können diese Aufgabe alleine nicht leisten“, sagt Brigitte Rahlf-Behrmann in ihren Eröffnungsworten. Rund 50 Stockelsdorfer haben sich im Rathaus eingefunden. Die Bürgermeisterin, sowie der Vorsitzende des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Stockelsdorf, Björn Lüth, Petra Scheel aus der Verwaltung und die neuen Ansprechpartnerinnen beim Arbeitskreis Willkommenskultur, Sieglinde Glaesner und Bärbel Krüger, geben sich alle Mühe die Bedeutung der Ehrenamtlichen herauszustellen. Mit Erfolg: Acht neue Flüchtlingsbegleiter melden sich am Ende des Abends. Zudem gibt es mehrere Angebote, sich um Kinder zu kümmern oder andere Kompetenzen einzubringen. „Ich bin arabisch Muttersprachler“, sagt Saussen Bouteraa. „Ich will als Dolmetscherin helfen.“ Als Flüchtlingsbegleiter melden sich Helmut Betsch und Sabine Kunz. „Ich habe angefangen, mich in Arfrade für Flüchtlinge zu engagieren“, sagt Betsch, „ich will richtig mitmachen.“ In Deutschland gebe es Wohlstand, er möchte davon etwas zurückgeben. Dem stimmt Sabine Kunz zu: „Uns geht es so gut.“ Beim Einkaufen habe sie oft Flüchtlinge gesehen, jetzt will sie Kontakt aufnehmen.

„Integration funktioniert nur, wenn man nah bei den Flüchtlingen ist“, betont Rahlf-Behrmann, Nah dran, das sind vor allem die ehrenamtlichen Helfer. „Wir sind keine Profis“, sagt Sieglinde Glaesner, die mit Bärbel Krüger und Erika Fichtner-Ehrlich Ansprechpartnerin des Arbeitskreis Willkommenskultur ist. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, wir begleiten — und beraten nicht.“ 31 Flüchtlingsbegleiter gibt es in Stockelsdorf. „Wir helfen bei Dingen des täglichen Lebens“, sagt Krüger. „Begleiten zu Ärzten, helfen Kinder in der Schule oder im Kindergarten anzumelden, stellen Kontakt mit den Nachbarn her.“ Sie helfen Schreiben zu verstehen und Widerspruchsfristen zu wahren. „Sie müssen aber nichts schreiben“, beruhigt Bärbel Krüger. „Da gehen Sie mit ihrem Schützling zu Sabrina Bode von der Migrationssozialberatung.“

Wichtig ist darüber hinaus, das lernen die angehenden Flüchtlingsbegleiter, einige Regeln zu beachten: Flüchtlinge sollten nicht nach der Flucht gefragt werden, um Retraumatisierungen zu vermeiden.

Vertrauliche Gespräche sollten gewahrt, Dokumente etwa nach dem Kopieren schnell zurückgeben werden. „Und alles, was man mit ihnen tut wie Ausflüge, nur in Abstimmung machen“, sagt Glaesner.

Für die Begleiter gibt es einen Stammtisch, um sich austauschen zu können. „Wir lassen Sie nicht alleine“, verspricht Björn Lüth vom DRK, der Dachorganisation des Projekts. „Sie sind bei der Arbeit auch versichert und wir sorgen dafür, dass sie alle Grundimpfungen bekommen.“ Die Flüchtlinge selbst sollten eine Haftpflichtversicherung abschließen. „Das müssen Sie unbedingt vermitteln“, sagt Sieglinde Glaesner. „Falls was kaputt geht — vielleicht wollen Sie die Schützlinge zu einer Party einladen und da ist Omas Kristallvase.“ Wie viel Kontakt die Ehrenamtler zulassen, bleibt ihnen überlassen. „Jeder kann für sich entscheiden, ob er nur die Telefonnummer oder auch die Adresse rausgeben will“, sagt Glaesner. „Ich habe meine Familie schon zu mir eingeladen. Als ich krank war, stand dann der Sohn mit Milchreis vor der Tür. Das war wirklich süß.“

Die Bürgermeisterin verspricht Unterstützung: „Wir sind dabei, Dolmetscher zu organisieren.“ Denn nur selten sprechen Flüchtlinge Englisch. Zuletzt stellt sie klar: „Man muss nicht Begleiter werden, auch als Handwerker, Dolmetscher oder so kann man helfen.“

Wer sich engagieren möchte, kann per Mail Kontakt aufnehmen: fluechtlingsbegleiter@drk-stockelsdorf.de

Kim Meyer

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