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Bad Schwartau Frauen fordern die Politik heraus
Lokales Bad Schwartau Frauen fordern die Politik heraus
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21:19 02.09.2013
Sie stellten sich der Diskussion „Wählen Frauen anders?“: Ingo Gädechens (CDU), Monika Obieray (Grüne), Bernd Buchholz (FDP), Bettina Hagedorn (SPD), Sven Jörns (Piratenpartei) und Karin Kohlmorgen (Die Linke, von links nach rechts). Quelle: Fotos: Sebastian Prey

Der Sitzungssaal des Bad Schwartauer Rathauses fest in Frauenhand. Nur eine Handvoll Männer hat sich am Sonntag unter die knapp 50 Gäste der Sonntagsmatinee gemischt, um Antworten zur Gleichstellung von Frauen von den hiesigen Kandidaten zur Bundestagswahl am 22. September zu bekommen. Doch die Diskussion auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten hatte es in sich und ging weit über die noch immer benachteiligte Rolle der Frau in der Gesellschaft — darin waren sich alle auf dem Podium einig — weit hinaus.

Entsprechend fragte auch Karin Kohlmorgen (Die Linke): „Wo sind eigentlich all die Männer, die das auch ernsthaft ändern wollen?“

Besonders viel Gegenwind gab es dabei für Bernd Buchholz. Der FDP-Kandidat rückte zwar ganz gentlemanlike den Stuhl für Monika Obieray, die die Grünen-Kandidatin Marlies Fritzen vertrat, auf dem Podium zurecht, aber das war aus Sicht der meisten Frauen auch die einzig gute Tat des Liberalen an diesem Vormittag. Mit seinem klaren Bekenntnis, dass die Einführung des Mindestlohns niemandem wirklich helfe und eher dazu führe, dass sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze vernichtet werden, avancierte Buchholz schnell zum Lieblingsgegner der Anwesenden. Insbesondere als Gaby Appel vom Kommunalpolitischen Frauennetz Ostholstein (KopF OH) auf die Firma Kuhnke aufmerksam machte, die jetzt 100 Beschäftigte kündigt und durch Leiharbeiter ersetzt. „Das ist ein Desaster. Und der Großteil der Betroffenen sind Frauen“, so Appel entrüstet. Die Situation bei Kuhnke bezeichnete Buchholz dann auch als Schweinerei. „Wir haben aber dennoch kein Arbeitsmarktproblem“, so Buchholz, der davor warnte, das Instrument Leiharbeit zu verteufeln. Die Alternative sei auch nicht besser, denn ohne Leiharbeit würde möglicherweise der Standort ganz geschlossen werden.

Auch die anderen beiden Männer auf dem Podium, Ingo Gädechens (CDU) und Sven Jörns (Piratenpartei), hatten keinen leichten Stand. Jörns, der sich nur für ein bedingungsloses Grundeinkommen aussprach, machte sich schon bei der Eingangsfrage „Wählen Frauen anders?“ von Moderator Carsten Kock wenig Freunde. „Frauen wählen wohl anders, weil sie noch gar nicht so lange das Wahlrecht haben“, gab der Pirat zum Besten. Gädechens räumte ein, dass es Probleme gebe bei Frauen, deren Berufsbiographie durchs Kinderkriegen häufig unterbrochen werde. „Bei der Entlohnung sollte sich die Politik aber raushalten“, so Gädechens. Es müssten vielmehr andere Rahmenbedingungen geschaffen werden, die aber auch bezahlbar sein müssten.

Bemerkenswert einmütig — Moderator Kock fragte sogar, ob es auch ein gemeinsames Wahlprogramm gebe — zeigten sich Bettina Hagedorn (SPD) und Monika Obieray, die sich für Mindestlohn, begrenzte Leiharbeit sowie eine Veränderung beim Ehegatten-Splitting aussprachen. „40 Prozent der Ehepaare haben gar keine Kinder. Dieses Geld muss man umschichten und diejenigen fördern, die Kinder haben“, so Obieray. Hagedorn plädierte zudem dafür, den Pflegebeitrag um 0,5 Prozent zu erhöhen, um unter anderem eine bessere Bildungspolitik und Kinderbetreuung zu ermöglichen und Frauen in Arbeit zu bringen.

„Der Markt regelt eben nicht alles“, so Hagendorn.

Sebastian Prey

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