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Bad Schwartau Freifunker-Vision: Internet für jeden — kostenlos und überall
Lokales Bad Schwartau Freifunker-Vision: Internet für jeden — kostenlos und überall
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00:59 13.01.2016
Im Einsatz für den Freifunk in Ostholstein: Steffen Möller, Tim Siegel, Torben Gösch, Torsten Bahr und Andreas Müller (v.l.). „Wir möchten auch gern unser technisches Wissen weitergeben“, sagt Möller. „Wichtig beim Freifunk ist das Mitmach-Prinzip.“ Quelle: Sabine Latzel

„Öffentlich zugänglich, nicht kommerziell, im Besitz der Gemeinschaft und unzensiert“: In diesem Sinne wollen die deutschen Freifunker ihr kostenloses WLan-Netz aufbauen, und ihre Vertreter an der Ostseeküste sind diesbezüglich gut vorangekommen. Im November 2014 erfolgte die amtliche Eintragung von „Freifunk Ostholstein“ als Verein, und bis jetzt sind 133 Knotenpunkte eingerichtet worden, in deren Reichweite jedermann ins Internet gelangt — ohne Passwort und vor allem kostenfrei. „Die Idee dahinter ist, dass heutzutage die Nutzer fürs Internet nichts mehr zahlen sollten“, meint Tim Siegel, einer der Freifunk-Initiatoren aus Timmendorfer Strand.

In Stockelsdorf ist man schon seit fast zwei Jahren an diesem Thema dran. Im April 2014 haben die Gemeindevertreter den Beschluss gefasst, Freifunk in Stockelsdorf zu unterstützen, nachdem Volker Dittmer von der Lübecker Freifunk-Community das Konzept umfassend und anschaulich präsentiert hatte. Ziel war, die Lohstraße als Pilotprojekt mit Freifunk auszurüsten „unter Einbindung des Ortsmittelpunktes“, erklärt Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann, die betont, dass Stockelsdorf den Freifunk sehr begrüße, weil es den Ort attraktiver mache. Allerdings wäre dafür eine schriftliche Vereinbarung zwischen der Gemeinde und der Freifunk-Community erforderlich gewesen. Die gebe es allerdings bis heute noch nicht, so dass das Projekt Freifunk in Stockelsdorf etwas ins Stocken geraten ist. „Wir sind auf jeden Fall nach wie vor an Freifunk interessiert“, erklärt Rahlf-Behrmann.

Siegel ist Appartement-Vermieter und Vorsitzender des Vereins Tourismus-Service Timmendorfer Strand (TsT). Er wollte, wie viele, seinen Gästen kostenloses WLan anbieten — aber ohne sich dabei Ärger einzuhandeln, Stichwort: „Störer-Haftung“. Damit hat Andreas Müller, ebenfalls Vermieter und Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins (FVV) Niendorf, schon Erfahrungen gemacht. „Ich habe eine hohe Rechnung für einen kostenpflichtigen Download erhalten“, berichtet er. Zwar habe sich Müller erfolgreich wehren können — aber wer möchte sich schon dauerhaft dem Risiko teurer Abmahnungen aussetzen?

„Es ist sehr teuer, professionelle Anbieter mit einer entsprechenden Absicherung zu beauftragen“, erklärt Torben Gösch von Freifunk. „Das lohnt sich oft nicht.“ Zudem sei der bürokratische Aufwand oft zu hoch, sagt Mit-Initiator Torsten Bahr: „In einem Lokal müsste man beispielsweise theoretisch die persönlichen Daten jedes Gastes erfassen und ihn eine Enthaftung unterschreiben lassen, wenn man Gratis-WLan ohne Passwort-Schutz anbietet.“

An dieser Stelle kommt Freifunk ins Spiel: „Wer einen Internet-Anschluss hat, spendet quasi einen Teil seines Datenvolumens über einen speziellen Router“, erklärt Siegel. Das Gerät könne per Internet bestellt oder bei den Freifunkern in Lübeck abgeholt werden und koste je nach Modell zwischen 20 und 100 Euro. Jeder Router laufe über den zentralen Freifunk-Server in Frankfurt. „Damit ist der Aufsteller bei Problemen raus — Freifunk stellt sich vor ihn“, so Siegel. Die Router verbinden sich über eine spezielle Software miteinander zu einem Netzwerk. Freifunk lässt seine Daten derweil über einen „Tunnel“ über einen Server in Schweden umleiten, wo es keine Störer-Haftung wie in Deutschland gibt. Nach diesem Prinzip arbeiten seit Längerem die Lübecker Freifunker.

Das Modell aus der Hansestadt diente den Ostholsteinern als Vorbild. „Bei denen liefen so viele Anfragen aus Ostholstein auf, dass sie meinten, wir müssten etwas Eigenes auf die Beine stellen“, sagt Siegel. Im Frühjahr 2014 haben sich die Freifunker aus dem Kreis deshalb erstmals getroffen. Mittlerweile haben sie in Timmendorfer Strand ein dichtes WLan-Netz gewoben. Ein großes Ziel wäre die flächendeckende Versorgung der gesamten Gemeinde Timmendorfer Strand — ein noch größeres die des gesamten Kreises. „Aber damit müssen wir uns gedulden“, sagen die Freifunker.

Jeden zweiten Dienstag Treffen
Die Ostholsteiner Freifunker

treffen sich an jedem zweiten und vierten Dienstag ab 20 Uhr in der „Bilderbar“ (Friedrich-August-Straße 5) in Timmendorfer Strand. Die Mitgliedschaft im Verein ist für Privatleute kostenlos, Gewerbetreibende zahlen 25 Euro im Jahr. Die Freifunker helfen und beraten unter anderem bei Anschaffung und Einrichtung des Routers.



• Weitere Informationen gibt es per E-Mail an die Adresse info@freifunk-ostholstein.de und im Internet unter www.freifunk-ostholstein.de.

Sabine Latzel

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