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Bad Schwartau Frischekur für die Orgel in der Martin-Luther-Kirche
Lokales Bad Schwartau Frischekur für die Orgel in der Martin-Luther-Kirche
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00:01 09.11.2013
Orgelbauer Harm Hansen (42) saniert die Orgel. Quelle: Jennifer Binder
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Bad Schwartau

728 Pfeifen füllen normalerweise das Innere der Orgel in der Martin-Luther-Kirche in der Kaltenhöfer Straße aus. Jetzt wirkt das Instrument mehr wie ein leer geräumter Schrank, durch dessen Fächer man auf die weiße Wand dahinter blickt: Von der Orgel steht nur noch das hölzerne Grundgerüst. Für rund 15 000 Euro wird die Orgel derzeit saniert; dafür wurde sie komplett entkernt.

Wo sonst Pfeife neben Pfeife steht, hockt nun Orgelbauer Harm Hansen (42) knapp unterhalb der Kirchendecke und hantiert mit einer Art durchlöchertem Holzbrett. Der Halterung für die Pfeifen, wie Kollege Kurt Quathamer (50) von der gleichnamigen Firma mit Sitz in Bordesholm erklärt. Vorsichtig wickelt er mehrere Exemplare aus Metall aus einer Decke — weich gebettet liegen die in Kisten vor der Orgel. Daneben stapeln sich zudem diverse eckige Pfeifen aus Holz. Sie alle werden in die Werkstatt gebracht und gereinigt, bevor sie auf ihren angestammten Platz zurückkehren. Wenn alles fertig ist, soll die Orgel mit einem kleinen Festakt wieder eingeweiht werden, kündigt Superintendent Eckhard Kläs an. Bis dahin werden die Gottesdienste am Klavier begleitet.

Im Umgang mit den Einzelteilen sei Fingerspitzengefühl gefragt, sagt Kurt Quathamer. Die Pfeifen seien sehr empfindlich — jeder noch so kleine Einfluss von außen könne sich auf ihren Klang auswirken.

„Am besten aufgehoben sind die Pfeifen deshalb auch in der Orgel“, erklärt der Fachmann.

Eine regelmäßige Reinigung sei jedoch notwendig. Im aktuellen Fall hat das Instrument bereits fast 30 Jahre ohne Sanierung überstanden. „Da sammelt sich natürlich einiges an Staub und Schmutz“, so Quathamer. In der Luther-Kirche herrsche aber immerhin „ein wohnliches Klima“ — im Gegensatz zu vielen anderen Gotteshäusern: „In alten Kirchen ist es häufig kalt und feucht“, erzählt der Orgelbauer, „da hat man es dann auch oft mit Schimmel zu tun. Dieses Problem haben wir hier zum Glück nicht.“

Ohnehin sei die Orgel gut in Schuss, ziehen die Experten Bilanz, „hier müssen wir nichts Wesentliches erneuern“. Eine grundlegende Veränderung soll es im Zuge der Sanierung allerdings dennoch geben:

Um die klangliche Vielfalt zu erhöhen, soll das Instrument ein zusätzliches Register bekommen. Bisher sind es 13, mit jeweils 56 Pfeifen. „Ein 14. Register wurde beim Bau der Orgel sozusagen schon vorbereitet“, erklärt Kurt Quathamer, alle technischen und räumlichen Voraussetzungen seien da, lediglich die Pfeifen müssten eingebaut werden.

Zunächst aber sollen die bisherigen Exemplare im Laufe der kommenden Woche wieder in der Orgel platziert werden. Ein Puzzlespiel? „Nein, nein“, winkt Kurt Quathamer ab, „wenn man das so lange macht, dann weiß man, wo die einzelnen Pfeifen hingehören.“ Seit 1980 arbeitet der 50-Jährige als Orgelbauer. Schon als Kind habe er seine Liebe zur Musik entdeckt, habe Klavier, Trompete und Akkordeon spielen gelernt. Für seinen Beruf müsse man „kein Virtuose an der Orgel sein“, stellt er klar, „ein gewisses Musikverständnis sollte man aber mitbringen“ — schließlich gehöre auch das Stimmen zu den Aufgaben.

Nach wie vor ist Quathamer glücklich mit seiner Berufswahl: „Ich kann mir nichts Besseres vorstellen.“ Zwar sei die Arbeit auch anstrengend und man brauche „Geduld und gute Nerven“. Dafür „dürfen wir an wunderschönen Orten arbeiten“, schwärmt er, „und es ist immer wieder spannend, wenn man sieht, was die Kollegen vor zig Jahren geschaffen haben“. Eine Orgel sei ein ganz besonderes Werk, sagt Quathamer, „eine Orgel baut man für die Ewigkeit“.

„Eine Orgel baut man für die Ewigkeit.“
Kurt Quathamer (50),
Orgelbauer

Jennifer Binder

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