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Bad Schwartau „Für viele ist das immer noch ein Makel“
Lokales Bad Schwartau „Für viele ist das immer noch ein Makel“
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18:14 09.09.2016
Die Eltern wenden sich meist an die Vereinsvorsitzende Renate Herzfeldt, wenn die Situation schon sehr akut ist. Quelle: Irene Burow

„Die Frau ist schwieriger geworden“, sagt Renate Herzfeldt. „Sie lässt sich nicht mehr alles gefallen, erwartet Unterstützung in allen Lebenslagen.“ Die 68-Jährige hat in den vergangenen 30 Jahren viele Geschichten von Frauen und Männern verfolgt – von Paaren. Vor allem jedoch von ihren Trennungen und Scheidungen. Sie ist langjährige Vorsitzende des Vereins Alleinerziehender (Vera) in Bad Schwartau.

Die Gruppe ist Anlaufstelle für sogenannte Eineltern. Also Mütter und Väter, die sich allein um Kinder kümmern. Denn so ein Leben ist ein täglicher Spagat, das weiß sie aus eigener Erfahrung. Nur zufällig ist sie selbst vor 30 Jahren auf die Gruppe gestoßen. „Wenn meine Freundin mich nicht mitgenommen hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen.“ Denn, so sei es auch heute noch: „Alleinerziehend zu sein ist für viele immer noch ein Makel“, sagt sie. Weil sie schon so lange dabei ist, hat sie viele Kontakte. Und ihr Wissen, mit einer schweren Lebenssituation zurechtzukommen, gibt sie gern weiter.

Am Anfang, so ist das nunmal, steht das Ende einer Beziehung: „Man muss nicht immer gleich zum Anwalt gehen. Das beste ist eine gütliche Trennung.“ Eine Mediation könne helfen, wenn das Paar noch miteinander reden kann. Viele Institutionen helfen, wie Jugendamt, Kinderschutzbund, Gleichstellungsbeauftragte und andere Beratungsstellen. „Aber oft gleitet das schnell ab. Manche streiten sehr heftig, oft über Jahre“, sagt sie. Der extremste Fall zieht sich schon über 15 Jahre hin. „In der Regel dauert es im Schnitt fünf Jahre, bis alles geregelt ist“, weiß Renate Herzfeldt. Meistens geht es lange Zeit um die Kinder. „Es gibt viele Kränkungen und das Machtspiel geht über die Kinder weiter.“ Das liege auch an der Stellung der Frau in der Gesellschaft. Trennungen bedeuten nicht mehr zwangsläufig den wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Ruin.

Die Eltern wenden sich meist an den Verein, wenn die Situation schon sehr akut ist. Die Vorsitzende fragt dann zunächst die wirtschaftliche Situation ab, um einen Überblick zu bekommen. Denn jeder Fall ist anders. Wie ist die Arbeitssituation? Ist das Haus noch belastet? Stehen beide im Grundbuch? Gibt es Renten- oder Sparverträge? Dokumente müssen gesichert werden, die vor Gericht wichtig sein könnten. Die Fragen drehen sich zudem um den Wiedereinstieg ins Berufsleben, Sorgerecht, Unterhalt oder wie das Vermögen aufgeteilt werden kann. Und am Ende natürlich, wer die Kinder bekommt. Je nach Problemlage leisten die Mitglieder des Vereins Hilfe zur Selbsthilfe oder verweisen an geeignete Stellen. Alleinerziehende werden unterstützt, eine positive Einstellung zu dieser Lebensform und eine neue Perspektive zu entwickeln.

Und was hat sich in den letzten 30 Jahren besonders geändert? Inzwischen, so Renate Herzfeldt, nehmen auch einige Männer am Vereinsleben teil. Die Rechtssprechung hat sich in den vergangenen Jahren zugunsten von Vätern verbessert. Bemerkenswert sei auch, dass von den 75 Mitgliedern rund ein Drittel der Gruppe seit über zehn Jahren treu ist, wenn auch nicht unbedingt aktiv. Anfang des Jahres ist die zehnjährige Mitgliedschaft gefeiert worden. „Das war eine echt tolle Veranstaltung. Viele haben sich wiedergesehen, die Kinder sind größer geworden. Es sind alles Mütter, die ihr Leben in die Hand genommen haben und aus deren Kindern tolle Menschen geworden sind.“ Dass viele über jahre dem Verein die Treue halten, kommt nicht von ungefähr. Herzfeldt: „Sie haben in einer sehr schweren Zeit viel Unterstützung erfahren. Ich denke, das ist die Motivation dafür.“ Die Gruppe existiert seit 1989. Seit Oktober 2001 als eingetragener Verein. Renate Herzfeldt ist seitdem die Vorsitzende. Eine Mitgliedschaft kostet 20 Euro im Jahr.

Programm steht fest

Für die zweite Jahreshälfte ist das Programm des Vereins Alleinerziehender fertiggestellt. Die nächsten Stammtische ohne Kinder finden statt am heutigen 10. September in „Bei Ulla“ in Lübeck, am 14.

Oktober in „Hacienda“ in Lübeck, am 12. November im „Grenadine“ in Lübeck, und am 9. Dezember im „Gambero“ in Bad Schwartau. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Die Eineltern-Kind-Stammtische finden statt am 17. September, 15. Oktober, 19. November und 17. Dezember jeweils von 15 bis 18 Uhr im „Ohana“ in Lübeck.

Am 25. September findet eine Travefahrt auf der MS Hanse statt. Beginn ist um 11 Uhr. Anmeldung ist bis zum 20. September erbeten. Am 29. Oktober um 15 Uhr wird mit Kindern gekocht oder gebacken.

Anmeldung ist bis zum 25. Oktober möglich. Am 26. November findet eine Weihnachtsfeier mit Geocaching statt. Anmeldung ist bis zum 20. November erbeten. Am 10. Dezember um 16.30 Uhr gibt es eine Schlossführung bei Kerzenschein in Ahrensburg. Anmeldung ist erbeten bis zum 30. September. Anmeldungen für alle Veranstaltungen sind möglich bei Renate Herzfeldt unter Telefon 0451/232

96.

• Alle Infos:

www.verein-alleinerziehender.de

Irene Burow

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