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Bad Schwartau Gemeinsam schmeckt es einfach besser!
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20:51 25.04.2016
An drei Tagen in der Woche verwandelt sich der Gemeindesaal an der St. Martin-Kirche Cleverbrück in ein kleines Restaurant. Quelle: Fotos: Birgit Jungke

Fröhliches Geschnatter ertönt zur Mittagszeit aus dem Gemeindesaal in Cleverbrück. Der Raum unterhalb der St. Martinskirche hat sich für ein paar Stunden in ein kleines Restaurant verwandelt, in dem die meisten der rund 25 Gäste bereits an den liebevoll mit Blumen und Servietten gedeckten Tischen Platz genommen haben. Aus der kleinen Küche um die Ecke duftet es verführerisch. „Heute gibt es Hühnerfrikassee“, weiß Hildegard Nüss. Die 92-Jährige besucht den Mittagstisch der Kirchengemeinde St. Martin regelmäßig seit seiner Gründung. Und das ist immerhin fast zehn Jahre her, im August wird runder Geburtstag gefeiert.

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In Cleverbrück muss niemand allein zu Mittag essen — ein Projekt der Kirchengemeinde St. Martin macht es seit zehn Jahren möglich — Längst ist es ein Erfolgsmodell.

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Der Mittagstisch findet dienstags bis donnerstags ab 12 Uhr im Gemeindesaal, Schmiedekoppel 114, statt. Das Mittagessen kostet inklusive Vorspeise, Hauptgericht, Dessert und Getränk zwischen vier und fünf Euro. Anmeldungen sind vormittags im Gemeindebüro unter 0451/27060 erbeten.

„Mum“ — „Mittagsmahl und mehr“ ist das Gemeindeprojekt überschrieben, und es hat sich längst zu einem Erfolgsschlager gemausert. „Die ursprünglich Idee war es, einen Mittagstisch für Schulkinder zu bieten, deren Eltern tagsüber berufstätig sind. Daraus hat sich mit den Jahren ein generationsübergreifendes Projekt entwickelt“, freut sich Pastorin Anne Rahe. Durch das mittlerweile eingerichtete Essensangebot an der betreuten Grundschule Cleverbrück hat sich das Besucherklientel mit den Jahren altersmäßig nach hinten geschoben, „obwohl selbstverständlich jeder bei uns willkommen ist und wir uns über jüngeren Nachwuchs freuen“, betont Anne Rahe.

Zu den Gästen gehören seit einigen Wochen auch die Flüchtlinge, die in Cleverbrück einen Deutschkursus absolvieren. Zweimal im Monat werden sie von der Gemeinde zum Mittagstisch eingeladen. Heute lässt sich eine Familie aus dem Irak das Hühnerfrikassee schmecken. Während Papa Ayman (29) und Mama Huda (28) noch etwas schüchtern in ihrem Essen stochern, plappert Töchterchen Ritaj munter drauflos. Erst seit knapp einem halben Jahr ist die junge Familie in Deutschland, und doch spricht die Siebenjährige, die die erste Klasse der Grundschule besucht, schon recht passabel deutsch. „Ich mag gerne Kuchen“, sagt Ritaj und macht sich begeistert über die Apfeltorte her, die es zum Nachtisch gibt.

Dreimal in der Woche, von Dienstag bis Donnerstag findet der Mittagstisch statt. Für viele steht neben dem guten Essen, das hauptsächlich von der Vorwerker Diakonie geliefert wird, der gesellschaftliche Zusammenhalt im Vordergrund. „Wir sind hier schon eine tolle Gemeinschaft“, sagt Karl-Heinz Grawunder (81). Gemeinsam mit Wilhelm Intelmann (83) und Horst Lepien (74) sitzt er, wie jeden Tag, an ihrem festen „Männertisch“. Das Trio genießt das regelmäßige Treffen, das leckere Essensangebot und die „wirklich nette Atmosphäre“ wie Intelmann betont. Der Senior macht sich dafür jedes Mal extra aus seinem Wohnort Malkendorf auf den Weg nach Cleverbrück. Zum Mittagstisch hat ihn vor vielen Jahren einmal ein Bekannter mitgenommen „und es hat mir gleich so gut gefallen, dass ich dabei geblieben bin“.

Zu den Besuchern der ersten Stunde gehört auch Günter Kardoff. Der 91-jährige Gründer des Akkordeonorchesters „Die tanzenden Finger“ sorgt regelmäßig für Stimmung, wenn es in der Mittags-Gemeinschaft etwas zu Feiern gibt. Zum Beispiel, wenn — wie heute — ein Essensgast Geburtstag hat. Dann holt Kardoff sein Zweitakkordeon hervor, das er praktischerweise immer im Gemeindesaal deponiert hat, und greift beherzt in die Tasten. Das ist auch das Zeichen für Hildegard Nüss für ihre stets beliebte Gesangseinlage. „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt...“ schmettert die alte Dame, die auch oft aus dem Stegreif Gedichte rezitiert — mit kraftvoller Stimme unter dem Beifall der anderen Gäste. Es dauert nicht lange, da wird auch das erste Tänzchen gewagt, Geburtstagskind Marianne Reinhardt wird zum Walzer aufs Parkett gebeten.

Gefeiert wird mitunter auch untereinander, man lädt sich zu Geburtstagen ein, einige Gäste besuchen sich regelmäßig und bringen denjenigen, die vielleicht gerade gesundheitlich nicht so auf der Höhe sind, das Essen auch persönlich vorbei. „Wir sind eben wie eine große Familie“, freut sich Pastorin Anne Rahe. Und betont, dass ohne die Unterstützung der 14 ehrenamtlichen Helfer diese komplett spendenfinanzierte Veranstaltung nicht zu schaffen wäre.

Freuen würden sich alle, wenn sich diese „Mittagstisch-Familie“ weiter vergrößern würde. Dass es sich lohnt, dabei zu sein, können alle bisherigen „Familienmitglieder“ auf jeden Fall bestätigen.

Von Birgit Jungke

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