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Bad Schwartau Giftköder im Riesebusch: „Benny“ hat knapp überlebt
Lokales Bad Schwartau Giftköder im Riesebusch: „Benny“ hat knapp überlebt
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07:01 11.04.2018
Christian Gigla und „Benny“ gehen eigentlich nicht mehr im Riesebusch spazieren. Für das LN-Gespräch haben sie eine Ausnahme gemacht. Quelle: Ilka Mertz
Bad Schwartau/ Ratekau

Es sind nur wenige Meter, die Christian Gigla mit seinem Hund „Benny“ den Förster-Otto-Weg im Riesebusch entlang läuft. Doch sofort beschleicht ihn ein mulmiges Gefühl. Wohl fühlt er sich nicht, das ist offensichtlich. Der Grund liegt zwar Monate zurück, die Erinnerung daran ist aber noch nicht verblasst.

Am 26. November vergangenen Jahres drehte Christian Gigla mit Beagle „Benny“ die obligatorische Mittagsrunde durch den Riesebusch. Vom Freilaufgehege am Ehrenmal ging es gegen 15 Uhr eine lange Strecke durch den Wald. „Plötzlich sah ich, wie Benny auf einer Anhöhe irgendwas fraß“, erzählt Gigla, er habe noch „Aus“ und „Pfui“ gerufen, „doch Beagle sind ja wie Staubsauger“. Erstmal habe er sich jedoch nichts dabei gedacht und sei mit seinem Hund zurück nach Hause nach Stockelsdorf gefahren. Dort fraß „Benny“ sein Trockenfutter – wie immer. Wenige Stunden später jaulte der Beagle jedoch kläglich, „und er hatte sein ganzes Körbchen vollgebrochen“. Weitere drei Stunden später taumelte das Tier nur noch, „und er hatte einen ganz leeren Blick“, erinnert sich Christian Gigla, der sofort die Tierklinik in Kücknitz anrief und wenige Minuten später unterwegs dahin war.

Sechs Tage musste „Benny“ in der Tierklinik bleiben, vier davon war sein Zustand überaus kritisch. „Die Leberwerte waren extrem hoch“, berichtet Christian Gigla. Seitdem ist der kleine Hund, der vor wenigen Tagen seinen elften Geburtstag feierte, zwar wieder zu Hause, gesund ist er jedoch nicht. Die Leber ist nach wie vor geschädigt, er bekommt Medikamente, muss alle sechs Wochen zur Kontrolle.

Laut toxikologischem Befund könnte das Tier hochdosiertes Rattengift gefressen haben. Christian Gigla hat bei der Kriminalpolizei in Bad Schwartau Strafanzeige wegen Tierquälerei gestellt.

Mehr als vier Monate sind vergangen, seit „Benny“ im Riesebusch vermutlich einen Giftköder gefressen hat. Vier Monate, in denen Christian Gigla hier nicht wieder spazieren gegangen ist. Bis gestern.

Seine Nachbarin Uta Demuth hat ihm erzählt, dass in der vergangenen Woche wieder ein Hund einen Giftköder gefressen hat, direkt im Freilaufgehege am Ehrenmal. „Und dieser Hund hat es nicht geschafft“, sagt Gigla. Deshalb will er das Thema jetzt öffentlich machen. Seines Wissens sind seit November mindestens fünf Hunde Opfer des Hundehassers geworden, „ich denke, dass es immer dieselbe Person ist, die die Giftköder verteilt“. „Feige“, nennt er den Täter.

Die Polizei bestätigt die Vorkommnisse. „Es wurden zwei Anzeigen wegen Straftaten nach dem Tierschutzgesetz gefertigt“, sagt Polizeisprecher Dierk Dürbrook. Dabei habe ein Tier gerettet werden können – „Benny“, Christian Giglas Beagle. Das andere sei am 1. April 2018 verstorben, nachdem es im Riesebusch etwas Undefinierbares gefressen habe. Nach beiden Vorfällen hätten Polizeibeamte das Gelände abgesucht, allerdings nichts finden können. Der Polizeisprecher rät allen Hundebesitzern, bei Spaziergängen aufmerksam zu sein und das Tier vielleicht selbst dort an der Leine zu führen, wo das freie Laufen erlaubt ist. „Wenn die Hunde erstmal was im Maul haben, ist es ja meist zu spät, es wieder herauszukriegen“, weiß er.

Christian Gigla hat Konsequenzen gezogen. „Benny“ läuft an der Leine und nicht mehr im Riesebusch. Auch wenn das Tier entspannt ist, sein Herrchen ist es nicht. Das mulmige Gefühl ist da.

 Von Ilka Mertz

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