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Bad Schwartau Ehefrau erstochen: 10 Jahre Haft für Bad Schwartauer
Lokales Bad Schwartau Ehefrau erstochen: 10 Jahre Haft für Bad Schwartauer
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13:04 07.09.2018
Im Landgericht an der Schwartauer Landstraße in Lübeck ist am Freitag das Urteil gefallen. Quelle: Ilka Mertz
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Lübeck/Bad Schwartau

Im Prozess gegen den Bad Schwartauer, der bereits am ersten Verhandlungstag gestanden hatte, seine Frau getötet zu haben, ist am Freitag das Urteil gefallen. Vor dem Lübecker Landgericht wurde der 50-Jährige zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Damit folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Es gebe ein direktes Opfer, sagte der Vorsitzende Richter Christian Singelmann in seiner Urteilsbegründung, und das sei Marita Z. „Opfer und Verlierer ist aber vor allem der Sohn.“ Diesem mittlerweile siebenjährigen Jungen widmete der Richter auch die ersten Sätze, bevor er zur eigentlichen Begründung kam. Der Streit um das Sorgerecht, Wechselmodell wie vom Vater gewünscht, Residenzmodell wie von der Mutter bevorzugt, hatte letztlich zu der Tat geführt.

An das Kind denken

„Es bleibt zu hoffen, dass dieser Kampf nun nicht weitergeführt wird“, so Singelmann. Leider gebe es Anzeichen dafür, dass dem so sei, so habe der Sohn nicht an der Beerdigung seiner Mutter teilnehmen dürfen. „Es sollten alle an das Kind denken“, lautete seine Aufforderung.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Ehe von Rüdiger und Marita Z. schon vor geraumer Zeit gescheitert, die Stimmung durch den Sorgerechtsstreit immer angespannter war. Am Tattag, dem Dritten Advent 2017, habe Marita Z. ihrem Mann vorgeworfen, den gemeinsamen Sohn zu manipulieren, ihm gedroht, dass er den Jungen gar nicht mehr sehen dürfe. Daraufhin schlug Rüdiger Z. seiner Frau mit einem Kaffeebecher ins Gesicht, anschließend stach er ihr mit einem Messer in den Rücken, als dieses abbrach, holte er sich ein zweites.

Übermaß an Gewalt

Insgesamt zehn Stiche in den Rücken hatte die Rechtsmedizin gezählt, der Tod durch Verbluten sei binnen weniger Minuten eingetreten. Von einem „Übermaß an Gewalt“ sprach Richter Christian Singelmann, und das, obwohl der gemeinsame Sohn mit im Haus war.

Wie genau die Tat abgelaufen ist, das konnten auch die Richter nicht mehr klären. Sicher ist nur, dass es einen direkten Vorsatz gab: „Der Angeklagte hatte die Absicht, das Leben seiner Frau zu vernichten“, so Singelmann. Allerdings gebe es keine eindeutigen Anzeichen, dass die Tat geplant gewesen sei. Dagegen spreche vor allem auch die schlechte Ausführung. Auch Mordmerkmale wie Heimtücke oder niedrige Beweggründe seien nicht sicher feststellbar. „Im Ergebnis kommen wir da nicht guten Gewissens hin“, erklärte der Richter, auch wenn das Gericht es gut verstehe, dass es sich bei der Bewertung der Nebenkläger um Mord handelt.

Absicht zu töten

Auch eine Affekttat schloss das Gericht aus, vor allem, weil Rüdiger Z., nachdem er seine Frau umgebracht hatte, gleich zu einer „vielfältigen Organisation“ überging. „Was er bedacht und organisiert hat, ist beachtlich“, so Singelmann. So deckte er die Leiche seiner Frau ab, damit der Sohn sie nicht sieht, packte Kleidung für sich und Kleidung und Bargeld für das Kind ein, schrieb sogar einen Zettel für den Schulfreund des Sohnes, der am Nachmittag erwartet wurde. Dann fuhr er zu seiner Mutter, der er die Tat gestand und der er eine Liste mit Informationen über Schließfächer und Konten schrieb. Er rief seine Schwiegermutter an, der er berichtete, ihre Tochter getötet zu haben, meldete sich bei seinem Chef, dass er ein Projekt nicht zu Ende führen könne, und stellte sich dann der Polizei. „Das ist so auffällig rational und durchorganisiert, wie wir es selten einmal erlebt haben“, sagte der Richter. Das Geständnis und die Bereitschaft Zs., für alle seinem Sohn durch die Tat entstehenden materiellen und immateriellen Schäden aufzukommen, bewertete das Gericht positiv.

Letztlich wurde Rüdiger Z., der das Urteil nahezu regungslos, aber leicht nickend, entgegen nahm, zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt.

Ilka Mertz

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