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Bad Schwartau Haus der Begegnung im Amtsgericht kostet Millionen
Lokales Bad Schwartau Haus der Begegnung im Amtsgericht kostet Millionen
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12:48 24.11.2016
Nicht nur wegen des Farbenspiels ist das Amtsgerichstgebäude ein Hingucker. Es ist die imposanteste Immoblie in der Stadt. FOTOS: S. PREY
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Bad Schwartau

Das ehemalige Amtsgericht am Markt ist für viele Bad Schwartauer eine Herzensangelegenheit. Das weiß auch die Politik. Entsprechend steht der Ankauf des Gebäudes vom Land Schleswig-Holstein ganz oben auf der Agenda. Ein Nutzungskonzept der Immobilie als ein Haus der Begegnung hat jetzt das Architektur-Büro Ewers Dörnen und Partner im Ausschuss für Finanzen, Touristik und Wirtschaftsförderung vorgestellt. Das Konzept fand im Großen und Ganzen Zustimmung. Doch angesichts der Kostenschätzung von rund 5,8 Millionen Euro allein für die Sanierung und Herrichtung des Gebäudes trat der Ausschuss vorsichtshalber auf die Bremse. Zumal in der Summe noch nicht einmal die Kosten für den Gebäudeankauf (zuletzt stand die Summe von 800 000 Euro im Raum) enthalten sind.

Planer stellten Konzept vor – Politik bremst Projekt wegen der Kosten.

„Wir sind für eine öffentliche Nutzung des Gebäudes, aber wir können nicht unsere gesamten finanziellen Ressourcen dafür aufbrauchen“, warnte Ellen Brümmer von der CDU. „Die gesamten Rücklagen der Stadt betragen am Ende dieses Jahres 6,6 Millionen Euro. Wir haben dazu noch andere große Projekte wie die Sanierung von Schulen zu bewältigen“, erklärte Brümmer und schlug zunächst einmal vor, auch andere Lösungen mit einem Investor als Partner zu prüfen. „Wir sollten einen Dritten mit ins Boot holen und die Belastung für die Stadt in Grenzen halten“, erklärte Brümmer, die mit diesem Vorschlag die Mehrheit des Ausschusses überzeugen konnte.

Bürgermeister Uwe Brinkmann machte keinen Hehl daraus, dass er sich ein anderes Signal von dem Ausschuss gewünscht hätte. „Eine Nutzung des Gebäudes vom Keller bis zum Dachgeschoss als Haus der Begegnung ist möglich. Das ist die Botschaft des Konzepts“, so Brinkmann, der sich gerne um Fördergelder von Bund und Land kümmern möchte. „Da gibt es eine Vielzahl von Töpfen, die man anzapfen kann, aber ohne ein klares Konzept wird das nicht möglich sein“, so Brinkmann. Enttäuscht zeigte sich auch Elisabeth Kremer (SPD): „Ganz viele Dinge in dem Nutzungskonzept sind super. Wir sind bei den Bürgern in der Pflicht. Die erwarten nicht nur, dass wir das Gebäude erwerben, sondern auch nutzen.“

Architekt Torsten Ewers räumte ein: „Die Sanierungssumme von 5,8 Millionen Euro ist eine stramme Zahl, aber dafür realistisch.“ Das Konzept Haus der Begegnung sieht nach Absprache mit der Denkmalpflege vor, grundsätzlich die Raumstruktur des Gebäudes zu erhalten. Laut Planer könnten im Kellergeschoss eine Kreativwerkstatt zum Kunsthandwerken und ein Ratskeller eingerichtet werden. Für das Erdgeschoss schlagen die Planer ein Café oder Bistro, Tagungsräume für Vereine und einen Shop für Kunsthandwerk oder ähnliches vor. Die breiten Flure könnten für Ausstellungen genutzt werden. Im ersten Obergeschoss könnten ein Trauzimmer, ein Bürgermeister-Besprechungsraum und ein Begegnungsraum für Generationen mit Platz zum Spielen und für Kamingespräche entstehen. Für das Dachgeschoss schlagen die Planer die Unterbringung des Museums und des Ordnungsamtes vor.

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung wird sich das Büro jetzt auch mit dem Thema Refinanzierung befassen. Durch die Unterbringung des Museums im Haus der Begegnung könnte beispielsweise das Gebäude in der Anton-Baumann-Straße veräußert werden und Geld in die Stadtkasse spülen.

Aktenlager

1909 wurde das Gebäude im Stil der Neorenaissance errichtet. Seit 1980 steht es unter Denkmalschutz.

2006 hat der Landtag Schleswig-Holstein die Aufhebung des Amtsgerichtes in Bad Schwartau beschlossen. Die Gerichtsbarkeit wurde nach Lübeck verlegt. Seit 2009 wird das Gebäude, das dem Finanzministerium gehört, nicht mehr durch das Gericht genutzt und stand lange komplett leer. Seit Januar 2015 dient die Immobilie vorübergehend als Lagerstätte für rund 150000 Akten der Staatsanwaltschaft Lübeck, deren Heimstatt derzeit umgebaut und saniert wird.

 Sebastian Prey

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