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Bad Schwartau Hier werden die neuen Glocken für St. Fabian gegossen
Lokales Bad Schwartau Hier werden die neuen Glocken für St. Fabian gegossen
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18:21 08.08.2015
Aus dem Ofen fließen vier Tonnen des flüssigen Metalls in die vorgebauten Formen. Quelle: Fotos: Astrid Tilles, Hfr

Elf Jahre hat Pastorin Astrid Tilles auf diesen Moment gewartet. Als es soweit war, hatte sie trotz der gewaltigen Hitze Gänsehaut am ganzen Körper. „Es war ein sehr ergreifender, großartiger Moment“, erzählt sie. Vergangene Woche ist die Pastorin mit etwa 30 Mitgliedern der Gemeinde nach Sinn (Hessen) gereist, um zu sehen, wie die neuen Glocken der Rensefelder Kirche gegossen werden. Die Glocken- und Kunstgießerei Rincker in der Gemeinde Sinn ist eine der ältesten Glockengießereien Deutschlands. Sie gießt etwa acht mal im Jahr Glocken für Kirchen, auch internationale Aufträge erreicht das Familienunternehmen.

Der Tag, an dem die Glocken gegossen werden, beginnt schon vor dem Hahnenkrähen. Seit vier Uhr morgens heizt der Ofen, bis er nachmittags gegen 14 Uhr eine Temperatur von 1120 Grad Celsius erreicht.

Dann kann es losgehen. 50 Zuschauer sind dabei. Vor dem Gießen halten alle kurz inne, für ein Gebet mit Pastorin Tilles. Dieses Ritual gehört bei der Firma Rincker vor jedem Glockengießen dazu. Erst im Anschluss wird das flüssige Metall in die Formen gegossen. Vier Tonnen Metall, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, werden für die vier neuen Glocken benötigt. Für Pastorin Tilles war es ein großartiger Moment, so etwas mit zu erleben. „Das wird dann unsere Glocke, ging mir durch den Kopf. Endlich, nach elf Jahren. Das war fantastisch, mir ging ein richtiger Schauer über den Rücken, obwohl es in dem Raum so drückend heiß war.“

Nachdem das Metall in die Formen geflossen ist, hält Hanns Martin Rincker noch eine Rede und erklärt den Zuschauern die Vorgehensweise des Glockengießens. Das Metall müsse nun drei bis sieben Tage abkühlen, nach spätestens 14 Tagen werden die Glocken dann aus ihrer Form gehoben.

Und dann sind sie eigentlich fertig. Ob die Glocken auch so klingen wie sie sollen, stellt sich erst am Ende heraus. Von dem Glockensachverständigen der Nordkirche Volker Scheibe werden die Glocken auf den richtigen Klang geprüft und erst anschließend nach Bad Schwartau verschickt.

Das Geheimnis des richtigen Klangs liegt in den Formen der Bretter, die als Gerüst in der Vorarbeit dienen. Je nach gewünschtem Ton ist die Glocke an bestimmten Stellen breiter oder schmaler geformt.

Ein paar Feinheiten im Ton könne man durch Abschleifen im Nachhinein noch verändern. „Aber das sind nur Nuancen. Ich hoffe natürlich, dass alles gut gegangen ist“, sagt Tilles. „Schließlich sollen die neuen Glocken etwa 300 bis 500 Jahre lang halten.“ Ein enormer Gegensatz zu den jetzigen Eisenglocken in St. Fabian. „Die sind bereits mit 80 Jahren hinüber“, sagt sie. Bei der letzten Wartung 2003 wurden sogenannte Lunken festgestellt, kleine Löcher im Material. Dadurch können die Glocken mit der Zeit zerspringen.

Die neuen Glocken sollen nicht nur länger halten, auch der Klang soll deutlich besser werden, sagt Tilles. „Der Klang von Bronzeglocken ist wesentlich schöner. Viel tragender, wärmer und auch länger.“ Die Identität des vertrauten Glockengeläuts gehe trotzdem nicht verloren, meint Tilles. „Wir wollten nicht das Schönste, sondern das Vertraute. Die Töne bleiben ja hauptsächlich die gleichen. Es kommt nur eben ein neuer hinzu.“ Dadurch gebe es eine größere Klangfülle und mehr Variationen.

Am 31.August sollen die neuen Bronzeglocken in Bad Schwartau eintreffen. Gefeiert wird dieses Ereignis eine ganze Woche lang. Anfang September, von Dienstag bis Sonnabend zwischen 15 und 17 Uhr, können die neuen Glocken besichtigt werden.

Die Kosten der vier neuen Turmbewohner betragen etwa 160000 Euro. Bisher sind 134000 Euro in der Kasse. „Ein bisschen was fehlt also noch“, sagt Pastorin Astrid Tilles. Sie ist aber überzeugt, das restliche Geld zusammentragen zu können.

„Es war fantastisch. Mir ging ein richtiger Schauer über den Rücken.“
Pastorin Astrid Tilles

Elisabeth Riedel

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