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Bad Schwartau Jäger warnen vor Wildunfällen auf der neuen K 13
Lokales Bad Schwartau Jäger warnen vor Wildunfällen auf der neuen K 13
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23:15 28.08.2013
Die Maiskolben auf den Feldern neben der K13 werden langsam reif. Die Jäger Erich Becker (l.) und Helmut Neu warnen, dass der Mais die Wildschweine anlockt und diese zur Gefahr für Autofahrer werden. Quelle: Foto: Dankert

Wenn der Verkehr im September auf der neuen Umgehungsstraße K 13 rollt, könnte die Situation dramatisch werden: Die Jägerschaft befürchtet viele Wildunfälle. Denn schließlich steht auch der Herbst, die Hochzeit für Wildwechsel, vor der Tür. „K13 und Herbstanfang“, so Jäger Erich Becker, „das wird die reinste Katastrophe.“ Er prognostiziert für die erste Zeit nach der Eröffnung der Kreisstraße mehrere Unfälle pro Woche.

Becker ist einer von drei Jagdpächtern in genau dem Gebiet, das nun von der neuen Kreisstraße durchschnitten wird. „Es wird nicht lange dauern, dann knallt‘s“, prophezeit Becker. Warum? Weil es entlang der Trasse keinen Wildzaun gibt, „und weil diese Straße mitten durch das Ur-Revier geht, wo das Wild seit Ewigkeiten ungestört unterwegs ist“. Jäger Helmut Neu aus dem direkt angrenzenden Jagdgebiet Wüstenei pflichtet Becker bei. „Der Wildwechsel auf der K13 wird definitiv zu einem Problem werden.“ Denn das Areal links und rechts der K 13 ist angestammter Lebensraum für die gesamte Palette an Niederwild, das in diesen Breiten heimisch ist. So steht ein halbes Dutzend der Jäger-Hochsitze in der Trassennähe. Manche dieser Hochsitze stehen nur 50 Meter von der Straße entfernt. „Wir haben hier in dieser Gegend wirklich die ganze Bandbreite an heimischen Tieren“, so Becker, „und dass ein Biotop das noch zu bieten hat, ist selten in Schleswig-Holstein.“

Besonders zahlreich vertreten sind laut den beiden Jägern aber die Wildschweine. Und die dürften — neben dem Rehwild — die größte Gefahr für Autofahrer werden. „Wildschweine können bis zu 150 Kilo auf die Waage bringen“, so Helmut Neu, „und bei einer Kollision zwischen einem Auto mit Tempo 70 und einem Wildschwein macht es gewaltig ,Peng‘.“ 70 km/h — das ist die Geschwindigkeit, die auf dieser Trasse erlaubt sein wird.

Rund 20 Wildschweine pro Jahr schießen Becker und seine Pächterkollegen im K 13-Revier. „Das ist schon ziemlich viel“, so Becker. Und in der Wildschweinhochburg Wüstenei, die nur einen Steinwurf von der K13 entfernt beginnt, werden pro Jahr 100 Borstentiere zur Strecke gebracht, schätzt Helmut Neu. An diesen Zahlen könne man ablesen, wie stark dort der Bestand an Wildschweinen ist. Die Mais- und Getreidefelder sowie saftige Wiesen sorgen für einen reich gedeckten Tisch. „Die Wildschweine fressen sich satt und wir fahren sie dann tot“, so Becker, der es kritisiert, dass bislang der Antrag auf einen Wildschutzzaun von den dortigen Jagdpächtern vom Kreis abgelehnt worden sei.

Stattdessen sollen künftig blaue Reflektoren an den Leitpfosten das Wild abhalten. „Man gibt fast zehn Millionen Euro für die Straße aus“, kritisiert Becker, „aber man will keine 50 000 Euro für einen Wildschutzzaun ausgeben, um Menschen zu retten.“ Erfolge der Reflektoren-Methode hätten sich zudem noch nicht bestätigt. Becker: „Ich fürchte, in der ersten Zeit wird es dort fünf mal pro Woche knallen, weil Wild vors Auto läuft.“

Die Kritik der beiden Jäger stößt bei Marc Langentepe, Sprecher der Lübecker Stadtverwaltung, welche den Bau der K 13 betreut, auf Unverständnis. Alles sei „in direkter Abstimmung mit der zuständigen Jägerschaft“ beschlossen worden, weist er die Vorwürfe zurück: Das Ganze sei im Vorfeld mit den Jägern besprochen worden — „Forderungen nach einem Wildschutzzaun gab es damals keine“.

Umweltfüchse informieren mit Faltblättern in der Stadt
Rund 200 000 Wildunfälle mit mehr als 3000 verletzten Menschen ereignen sich jedes Jahr in Deutschland, etwa 50 davon enden tödlich. Auch Bad Schwartaus Ordnungsamtsleiter Bernd Kubsch weiß um diese Gefahr. „Meine Tochter hatte dieser Tage einen Verkehrsunfall mit einem Rehbock.“

Um die Autofahrer über die Ursachen für Wildunfälle und die zu ergreifenden Maßnahmen aufzuklären, hat der Landesjagdverband Schleswig-Holstein vor kurzem ein neues Faltblatt herausgebracht. Dieses soll nun zur Vermeidung von Wildunfällen beitragen und informiert Autofahrer unter anderem darüber, dass an verletztes Wild nicht herangetreten werden soll und dass jeder Unfall mit Wild gemeldet werden sollte, auch wenn augenscheinlich keine Verletzung des Tieres vorliegt.

Die Jugend- und Kindergruppe „Die Umweltfüchse“ verteilten jetzt im Namen des Hegerings Bad Schwartau 350 Faltblätter in der Stadt. Weitere Infoblätter wurden zudem dem stellvertretenden Gemeindewehrführer Lars Wellmann für die Feuerwehr überreicht. „Gut, wenn man solch ein Infofaltblatt in der Tasche hat“, befindet Kubsch in Hinsicht auf den Wildunfall seiner Tochter. Zahnarzt Dr.

Ulrich Götte hatte bis heute mehr Glück: „In 40 Jahren Fahrpraxis ist mir noch kein Stück Wild vor mein Auto gelaufen.“ Um noch mehr Bürger zu informieren, sollen in einem Monat weitere 350 Faltblätter in der Stadt Bad Schwartau verteilt werden. gk

Doreen Dankert

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