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Bad Schwartau Jagdszenen in Langenfelde
Lokales Bad Schwartau Jagdszenen in Langenfelde
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14:37 03.12.2013
Claudia Gräfin von Kanitz (58) legt auf ein Wildschwein an einem Waldweg an. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Bad Schwartau

Aus der Ostsee steigen zwei Enten auf. Claudia Gräfin von Kanitz hat ihre Flinte im Anschlag. Zweimal drückt sie ab. Zweimal trifft sie. Blut fließt dennoch keines.

Stattdessen spuckt ein Computer jede Menge Infos aus: Treffpunktlage des Schusses, die Bewegungen der Waffe vor und bei der Schussabgabe. Die 58-Jährige hat nämlich nur auf eine Projektion gezielt.

Im nächsten Moment läuft ein mächtiger Elch durch eine lappländische Sumpflandschaft. Auch dieses Tier ist zum Abschuss freigegeben. Und das mitten im Bad Schwartauer Gewerbegebiet Langenfelde. Hier betreibt Claudia Gräfin von Kanitz seit kurzem ein hochmodernes Schießzentrum.

„Wir trainieren hier echte Jagdszenen“, sagt die Lübeckerin, die schon von Kindesbeinen an Berührungspunkte mit der Jagd hatte. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum sich die Frau mit dem Schießen gut auskennt. Auch als Sportschützin hat sie beachtliche Erfolge gefeiert. In ihrem von außen sehr unscheinbar wirkenden „Schiesscentrum Bad Schwartau“ will sie nun ihr Können und Wissen weitergeben. Und das mit Hilfe einer hochmodernen Technik aus Schweden. „So eine Anlagen gibt es bislang nur zweimal in Deutschland. Im Norden noch gar nicht“, berichtet die leidenschaftliche Jägerin. Knapp 50 000 Euro hat der Schießsimulator „Marksman ST-2“ gekostet. Über zwei Video-Beamer werden jagdliche Szenen auf eine 21 Quadratmeter große Wand projiziert. Enten, Rothirsche, Wildsauen, Elche und Bären können da in See-, Wiesen- und Waldlandschaften mit Flinte oder Büchse sowie mit Schrot oder Kugel gejagt werden. „Die Einstellungsmöglichkeiten sind praktisch grenzenlos“, sagt Claudia Gräfin von Kanitz. Im Gegensatz zu Laseranlagen wird in Langenfelde nur mit Pufferpatronen geschossen, so dass keine weiteren Kosten für Munition entstehen. Zudem ist es umweltfreundlich. Die Gewehre werden mit einem Übertragungskabel und einer Kamera an den Computer angedockt. So werden sämtliche Daten zum Schuss gesammelt.

Das Angebot der Anlage richtet sich in erster Linie an Jäger. „Es kommt dem Einsatz in der Natur schon sehr nahe“, bestätigt Stadtjäger Gert Kayser, der das neue Angebot als eine „echte Bereicherung“

ansieht. Insbesondere Jungjäger könnten wertvolle Erfahrungen sammeln, ohne auf einen jagdlichen Schießstand gehen zu müssen. Zudem könne man auch bei schlechtem Wetter gut üben.

„Ich möchte helfen, dass die Leute, die auf die Jagd gehen, das Wild auch erlegen und nicht nur verletzen und quälen“, so Claudia Gräfin von Kanitz, die mit der Anlage aber auch Geld verdienen will.

So kostet eine Trainingsstunde 90 Euro, bis Weihnachten 75 Euro. Mit dem Angebot sollen aber nicht nur die rund 18 000 Jäger in Schleswig-Holstein zum Training animiert werden. „Eine jagdliche Vorbildung ist auch nicht erforderlich, um sich hier auszuprobieren“, so Claudia Gräfin von Kanitz. Auch für Sportschützen verfügt die Technik über eine spezielle Software zur Fehleranalyse.

Am Mittwoch, 4. Dezember, ist im „Schiesscentrum“ Treffpunkt in Bad Schwartau (Langenfelde 11) von 15 bis 19 Uhr Tag der offenen Tür. Mehr Infos unter www.sc-treffpunkt.de

Zweimal Weltmeisterin
16 Jahre war Claudia Gräfin von Kanitz, als sie ihren Jugendjagdschein erwarb. Die Liebe zur Jagd hat sie von ihren Eltern geerbt, die am Kaninchenberg in Lübeck eine eigene Jagd besaßen. Seit den 1970ern nahm die heute 58-Jährige an Skeetwettkämpfen (Wurfscheibenschießen) auf nationaler und internationaler Ebene teil. Zweimal wurde sie Team-Weltmeisterin. Im Einzel schaffte die gelernte Zahntechnikerin einen vierten Platz bei einer Weltmeisterschaft. 1997 zog sich Claudia Gräfin von Kanitz aus dem aktiven Schießsport zurück.

Sebastian Prey

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