Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Jahres-Interview mit Stockelsdorfs Bürgermeisterin Julia Samtleben: 2018- ein Jahr der Änderungen
Lokales Bad Schwartau Jahres-Interview mit Stockelsdorfs Bürgermeisterin Julia Samtleben: 2018- ein Jahr der Änderungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:54 08.01.2019
Stockelsdorfs Bürgermeisterin Julia Samtleben (38, SPD).  Quelle: Doreen Dankert
Stockelsdorf

Können Sie sich noch daran erinnern, was Sie heute (21. Dezember) vor einem Jahr gemacht haben?

Ja, natürlich. Sehr gut sogar. An dem Tag war ich abends im Stockelsdorfer Herrenhaus bei einer SDP-Mitgliederversammlung. Auf dieser Versammlung wurde ich als Kandidatin für die Bürgermeisterwahl nominiert. Zwei Tage vorher, am 19. Dezember, wurde – ebenfalls im Herrenhaus – eine Pressekonferenz von der SPD Stockelsdorf einberufen, auf der ich offiziell als Bewerberin für das Bürgermeisteramt vorgestellt wurde.

Die Wahl war ja schon am 11. März. Ihr Mitbewerber von der CDU hatte seinen Hut bereits knapp ein Jahr vor Ihnen in den Ring geworfen, Sie erst zehn Wochen vorher....

Das stimmt. Ich habe erst am 5. Dezember 2018 von meinem Berater erfahren, dass in Stockelsdorf Bürgermeisterwahl ist. Ich hatte aber schon sehr lange die Idee, einmal Bürgermeisterin zu werden. Stockelsdorf kannte ich vorher nur von der Durchreise. Am 10. Dezember war ich dann mit meiner Familie zum ersten Mal ganz bewusst in Stockelsdorf. Wir haben uns den Ort angesehen und auch alle Dörfer. Dabei ist mir sofort aufgefallen, dass es in vielen Dörfern keine Radwege gibt. Die Gemeinde ist an vielen Ecken sehr charmant, mein erster Eindruck von Stockelsdorf war gut, sonst hätte ich mich nicht für die Kandidatur entschieden. Meine Entscheidung ist am 13. Dezember gefallen. Und ich habe es nicht bereut, diesen Weg gegangen zu sein.

Seitdem hat sich Ihr Leben gravierend verändert. Sie haben Ihren Job als Juristin in der freien Wirtschaft aufgegeben und Ihren Lebensmittelpunkt von Prisdorf bei Pinneberg nach Stockelsdorf verlegt. Wie fühlt sich das jetzt an?

Durchweg gut. Aber manches ist noch ungewohnt. Neulich war ich im Citti-Park in Lübeck, da zeigten plötzlich ein paar Leute auf mich. Das waren Stockelsdorfer, die mich offensichtlich von Fotos aus der Presse erkannten. Als Bürgermeister steht man immer in der Öffentlichkeit. Das ist auch heute noch ein ungewohntes Gefühl. Doch es ist schön und es freut mich auch, wenn Bürger mich auf der Straße ansprechen.

Sowas stört Sie nicht?

Nein. Im Gegenteil. Das gehört dazu. Als Bürgermeister braucht man eine gewisse Nähe, damit man weiß, was die Leute beschäftigt. Mich sprechen sogar Leute unterwegs beim Joggen an. Manchmal habe ich das Gefühl, die Bürger fühlen sich nicht genügend informiert. Das ist schade, denn man denkt, durch das Internet auf unserer Homepage (www.stockelsdorf.de) sind alle Informationen da, aber viele sind durch die Informationsflut überreizt. Wir werden in den nächsten Wochen einen Mängelmelder und ein Bürgerforum auf der Homepage installieren, damit die direkte Beteiligung für die Bürger noch einfacher wird. In jeden Fall notiere ich das jeweilige Anliegen.

Sie haben also beim Joggen Stift und Zettel dabei?

Nein, aber mein Handy. Damit kann ich auch Notizen machen. Name, Adresse, Stichwort und Telefonnummer – das geht schnell.

Und wenn Sie mal ungestört unterwegs sein wollen?

Wenn ich meine Ruhe haben will, dann muss ich mir eben überlegen, wo ich spazierengehe.

Nur fünf Monate nach Ihrer gewonnenen Wahl sind Sie bereits nach Eckhorst umgezogen. Wie ist es Ihnen so schnell gelungen, ein Haus zu finden?

Wir haben uns sofort gekümmert. Mein Mann hat auf einem Immobilien-Portal das Haus in Eckhorst gesehen und wir sind gleich aktiv geworden. Und es ist witzig: In den Tagen danach haben wir von mehreren Bürgern Empfehlungen für Häuser bekommen. Insgesamt hatten wir vier Häuser besichtigt.

Haben Sie sich in Stockelsdorf schon eingelebt?

Ja. Vier Wochen nach unserem Umzug nach Eckhorst war ich verreist und über Nacht weg. Als ich zurückkam und abbog nach Eckhorst, hatte ich das Gefühl, ich komme nach Hause. „Oh“, dachte ich, das ist ein gutes Zeichen.

Als Sie vor einem halben Jahr offiziell das Amt übernommen haben, war die Gemeinde schuldenfrei. Fest steht aber schon jetzt laut Prognose der Kämmerei, dass es bis 2022 ein Minus von zehn Millionen Euro in der Kasse geben wird. Können Sie trotzdem ruhig schlafen?

Ja, kann ich. Ich glaube auch nicht, dass wir so tief in die roten Zahlen rutschen. Allerdings ist es in der Tat so, dass wir in den nächsten Jahren rund zwölf Millionen an Investitionen vor uns haben, davon allein knapp acht Millionen Euro in 2019. Das sind Dinge, die schon lange beschlossen sind, die man nicht mehr weiter verschieben kann. Dinge, die wichtig sind, weil sie unseren Bürgern dienen.

.....als da wären?

Das neue Feuerwehrhaus am Bohnrader Weg zum Beispiel. Das hätte schon längst gebaut sein sollen, aber ich hoffe, dass wir im Januar endlich die Genehmigung dafür bekommen. Dann noch die Container und An-und Umbaumaßnahmen für die Offenen Ganztagsschulen, der Anbau der Kita Himmelblau, der Umbau der Kita Curau, diverse Investitionen in der Feuerwehr, Umbauten in der Hilgendorf-Schule, die Sanierung der Großsporthalle und der zweite Bauabschnitt im Herrengarten. Das alles kostet alles sehr viel Geld. Doch diese Maßnahmen sind erforderlich.

Was wird die größte Baustelle im Jahr 2019 sein?

Das Feuerwehrhaus. Es ist wichtig, dass 2019 endlich was passiert.

Und Idee vom Gymnasium in Stockelsdorf ist jetzt endgültig vom Tisch?

Bad Schwartau hat jetzt einen Neubau beschlossen. Man denkt ja immer noch über einen Schulverband nach, aber da gibt es noch keine konkrete Entwicklung. Wenn Bad Schwartau zwei Gymnasien hat, dann kriegt Stockelsdorf in absehbarer Zeit wohl kein Gymnasium genehmigt. Aber wenn ich die Entwicklung in Bad Schwartau richtig verfolgt habe, dann ist der Standort für einen Neubau noch nicht sicher.

Als Leiterin einer Verwaltung mit knapp 100 Angestellten und einer Familie mit zwei kleinen Kindern verkörpern Sie den Typus einer modernen Frau. Wie gelingt Ihnen der Spagat?

Meine Freundinnen sagen, ich brauche weniger Schlaf als andere. Es ist so: Ich arbeite wirklich sehr gerne. Außerdem ist es eine Frage der Organisation. Frühmorgens gehe ich joggen mit dem Hund, frühstücke mit meinen Kindern und bringe meinen Sohn in die Kita – das ist mir wichtig. Mittags gehe ich oft nach Hause, um mit meinen Kindern zu essen. Ich sehe meine Kinder jetzt öfter als in meinem früheren Job. Allerdings muss ich sagen, dass das alles nur durch die Unterstützung von meinem Mann Oliver und meinen Eltern so gut funktioniert.

Und? Brauchen Sie wirklich weniger Schlaf als andere?

Fünf bis sechs Stunden reichen mir.

Und wann bleibt noch Zeit zum Rennradfahren?

Im Moment ist – auch wegen des Wetters – joggen angesagt. Und demnächst kommt noch schwimmen dazu.

Klingt nach einer Vorbereitung auf was Großes....

Ja, ich will nächstes Jahr wieder an einem Triathlon teilnehmen. Diesmal nicht in Hamburg, sondern am 9. Juni beim 7 Türme Triathlon in Lübeck.

Schaffen Sie immer das, was Sie sich vornehmen?

Ja, eigentlich ja. Beim Triathlon, ja. Wenn ich mir vornehmen, daran teilzunehmen, dann mache ich das auch. Bürgermeisterin zu werden, das hatte ich mir auch vorgenommen.

Was ist Ihr Rezept dafür, dass es Ihnen gelingt?

Ich denke, ich bin besonders realistisch. Ich setze mir kein Ziel, das ich nicht schaffen kann. Und ich glaube, ich habe einen besonderen Mut. Wenn man zu sich sagt, man kann es, dann ist das schon ein Drittel des Weges. Aber ich denke auch, dass ich Dinge und Menschen ziemlich gut einschätzen kann.

Haben Sie persönlich Vorsätze für 2019?

Nein, habe ich nicht. Ich verzichte immer wieder mal unabhängig von Neujahr auf Schokolade oder so für eine gewisse Zeit, um zu sehen, ob ich es kann – das Verzichten. Und ich kann.

Doreen Dankert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Passanten und Rettungskräfte sind von einem starken Feuerschein hinter einem Fenster getäuscht worden. Die Verursacherin muss damit rechnen, die Kosten des Einsatzes tragen zu müssen – falls das noch einmal vorkommt.

04.01.2019

Schach-Großmeister Vladimir Epishin hat die 5. Internationalen Bad Schwartauer Schach-Open gewonnen. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Harald Schmidt und Frederik Svane (beide Lübecker SV). Ganz stark: Frido Sallandt (12) vom Schachverein Bad Schwartau belegte den 13. Platz von 124 Teilnehmern.

30.12.2018

Ehre, wem Ehre gebührt: Für Reinhard Wendt sind am Sonntag viele Mitglieder der Feuerwehr Bad Schwartau-Rensefeld und aus den Nachbar-Wehren am Feuerwehrhaus Fünfhausen angetreten. Nach 43 Jahren im aktiven Dienst wechselt der 67-Jährige zum neuen Jahr in die Ehrenabteilung.

31.12.2018