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Bad Schwartau Kinderschutzbund macht Jugendliche in Wohngruppen fit
Lokales Bad Schwartau Kinderschutzbund macht Jugendliche in Wohngruppen fit
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18:16 06.01.2016

Kleine, überschaubare Wohngruppen für minderjährige Flüchtlinge: In Ostholstein ist das seit einigen Jahren ein Erfolgsmodell. „Dadurch können Spannungen, die in großen Unterkünften schnell entstehen, vermieden werden“, betont Rüdiger Tuschewski vom Kinderschutzbund.

Mit Erfolg hat er von Neustadt aus federführend kreisweit die Wohngruppen aufgebaut. Aber das Ganze sei kein Alleingang des Kinderschutzbundes. „Unsere Erfolge leben entscheidend davon, dass alle anderen Partner — ob Kreisjugendamt, Jugendhilfehaus oder Ausländerbehörde — für ein gut verzahntes Miteinander stehen. Ohne langwierige bürokratische Wege erleichtert das vieles.“

Es gibt jedoch noch eine „zweite Schiene“ für den erfolgreichen Weg: die hohe Motivation der jugendlichen Flüchtlinge. Tuschewski: „Sie wollen lernen und sich integrieren lassen, sie haben in Deutschland Ziele.“

Ein wichtiger Stützpfeiler des Konzeptes ist die Einbettung ins Gemeinwesen — der Nachbarschaft ebenso wie dem Fußballverein. Die Jugendlichen lernen aber auch, Eigenverantwortung wie die Regeln in einer für sie völlig fremden Kultur zu übernehmen. Tuschewski: „Die meisten kommen mit einem ganz anderen kulturellen Background zu uns. In ihren Heimatländern ist nicht Individualität gefragt, sondern sie leben oft in hierarchischen Strukturen. Dort legt das Familienoberhaupt fest, was gemacht wird.“

Selbst einfachste Dinge — den Nachbarn zu grüßen, Lärmpegel und Nachtruhe in Wohngebieten einzuhalten oder den Müll zu trennen — müssten erst erlernt werden. Manchmal gibt es dafür absolute Glücksfälle — wie etwa das Beispiel Fehmarn, wo der gebürtige Senegalese Moussa Samba vier minderjährige Eriträer, mit der die Wohngruppe in Burg startete, besonders gut erreicht (die LN berichteten).

In Malente, Eutin oder Neustadt, ebenso in Heiligenhafen/Fehmarn, Lensahn oder Scharbeutz läuft die Betreuung von 16- bis 18-Jährigen. Je länger sie in der Wohngruppe leben, desto besser sind viele vorbereitet, wenn die Jugendhilfe mit 18 endet. Dann müssten die Flüchtlinge, die sich als Jugendliche unter traumatischen Erfahrungen bis Deutschland durchgeschlagen haben, selber einen Wohnraum suchen — und unterliegen nicht mehr der Schulpflicht.

Die Betreuung in den Wohngruppen versuche, sie so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Ein ganz wichtiger Mosaikstein sei es, den Jugendlichen zu helfen, dass sie rechtzeitig ein Netzwerk aufbauen, „damit sie nach dem 18. Geburtstag nicht in ein ganz tiefes Loch fallen“. Das können der Sportverein oder die Kirche sein. Denn nicht jeder jugendliche Flüchtling kann auf das Engagement ehrenamtlicher Helfer hoffen.

Um den heranwachsenden Flüchtlingen eine gute Perspektive zu bieten, werden wo immer möglich Praktika vermittelt: in der Autofirma, der Glaserei oder der Bäckerei. Tuschewski nennt aber noch ein weiteres Erfolgserlebnis für die Betreuungsarbeit: Die erste Generation vor allem an Afghanen, die seit 2010 nach Ostholstein gekommen ist, versuche jetzt, etwas von der großen Hilfe, die sie erfahren haben, zurückzugeben. Sie bieten sich zum Beispiel bei den Neuankömmlingen als Dolmetscher an.

Gerd-J. Schwennsen

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