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Bad Schwartau Kofferpacken für ein Jahr Abenteuer in Estland
Lokales Bad Schwartau Kofferpacken für ein Jahr Abenteuer in Estland
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18:16 14.08.2015
Hilfe beim Kofferpacken: Freundin Kristin Ulrich (17, l.) berät Clara Schulz (17, r.) bei der Kleiderwahl.

Entspannt sitzt Clara Schulz am Küchentisch. Ihren Koffer hat sie schon vor Tagen gepackt, von den Freunden hat sie sich bereits verabschiedet. Morgen fliegt Clara für zehn Monate weg. Nach Estland. „Ich wollte schon lange einen Schüleraustausch machen“ sagt sie. In welches Land es gehen sollte, sei ihr nicht so wichtig gewesen. „Hauptsache ein Land in Osteuropa.“

Viele Leute würden sie verdutzt anschauen, wenn Clara erzählt, dass sie nach Estland geht. „Man weiß einfach zu wenig über nahe gelegene osteuropäische Länder“, meint sie. Beliebtere Ziele wie Australien oder die USA seien zwar weit weg, so die 17-Jährige. „Aber diese Länder kennt man ja. Und ich wollte außerdem eine neue Sprache lernen.“ Dass es nun das „niedlich klingende“ estnisch wird, freut sie. Im vergangenen Winter hat sie bereits ihre Sonnabende für einen Estnischkurs geopfert. Besonders viel verstehe sie aber noch nicht. „Ich werde die Sprache ja vor Ort lernen“, meint sie zuversichtlich. Zur Vorbereitung höre sie gelegentlich mit ihrer Mutter estnisches Radio, um sich in die Sprache reinzuhören. „Die Nachrichten klingen für mich noch wie ein einziges langes Wort“, lacht sie.

Trotzdem ist Clara zuversichtlich. Und sie ist gespannt auf die neue Kultur, in der sie die nächsten zehn Monate zu Hause sein wird. „Als ich erfahren habe, dass ich nach Estland gehe, habe ich mir erst mal einen Reiseführer gekauft“, gesteht sie. „Ich wusste ja fast gar nichts über das Land.“

Sobald Clara den Flieger in der estnischen Hauptstadt Tallinn verlassen hat, geht es für vier Tage in ein sogenannten Vorbereitungscamp mit anderen Austauschschülern. Erst dann geht es für Clara weiter in den Südwesten des Landes, nach Kilingi-Nõmme. In der kleinen Stadt mit etwa 2400 Einwohnern wird Clara dann mit ihrer Gastmutter und zwei Gastschwestern leben. Per Mail schreibe sie in letzter Zeit öfter mit ihrer beinahe gleichaltrigen Gastschwester. „Sie erzählt mir, was man in der Stadt so unternehmen kann.“ Und sie wolle weiter Gitarre spielen lernen. „Ich habe vor etwa zwei Monaten angefangen und überlege noch, ob ich meine Gitarre mitnehme.“

Je länger Clara über ihren baldigen Abflug spricht, desto mehr steigt ihre Nervosität. „Ich bin definitiv aufgeregt und gelegentlich kommen panische Momente“, die meiste Zeit sei sie aber entspannt, so Clara. „Ich hab es noch nicht so ganz realisiert, dass ich das alles hier erst in zehn Monaten wiedersehe.“ Was sie in der nächsten Zeit vermissen wird, weiß Clara noch nicht. „Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen“, meint sie.

Für viele Freunde wird Clara jedenfalls erstmal abtauchen und nicht mehr per WhatsApp und Facebook erreichbar sein. Sie wolle die Zeit in Estland nicht vor ihrem Smartphone verbringen, und die Apps für ihre estnische Nummer löschen. Da sei sie konsequent, sagt Clara. „Aber ich bin ja nicht aus der Welt und werde meinen Freunden ab und zu mailen.“

Ihre beste Freundin Kristin Ulrich (17) freut sich für Clara. „Ich bin zwar traurig, dass sie geht“, so die Freundin. „Aber ich weiß ja, dass sie sich diese Reise schon so lange gewünscht hat.“

Trotzdem sieht sie dem Abschied mit Wehmut entgegen. „Wir wollten eigentlich noch so viel machen, bevor sie geht“, sagt sie. Geplant war eine letzte gemeinsame Shoppingtour in Lübeck. „Und wir wollten durch die kleinen Gassen ziehen und Fotos machen“, sagt Freundin Kristin. Fotografie sei nicht nur Claras Hobby. Auch ihre Gastmutter in Estland interessiere sich dafür. „Ich habe für sie einen Bildband mit Fotos aus der Umgebung und ihren Freunden gemacht als Gastgeschenk“, erzählt Clara. Für ihre beiden Gastschwestern hat sie kleine Schultüten gebastelt. „Weil es diese Tradition in Estland zur Einschulung nicht gibt.“

Die Schule sei ohnehin ein Grund, warum sie ein Austauschjahr machen wollte. Durch das Jahr im Ausland wird Clara ein Jahr später ihr Abitur machen als ihre Freunde in Bad Schwartau. „Ich weiß

absolut noch nicht, was ich nach dem Abi machen werde. Da kommt mir dieses Jahr gerade sehr gelegen.“

Die Organisation
1200 deutsche Schülerinnen und Schüler reisen jährlich mit YFU ins Ausland. 60 000 Jugendliche hat der 1957 gegründete, gemeinnützige Verein bereits für ein Jahr ins Ausland vermittelt. Mit etwa 50 Partnerländern bietet YFU Jugendlichen die Möglichkeit, fremde Kulturen kennen zu lernen. Er setzt sich laut eigenen Angaben für „interkulturelle Bildung, Demokratieerziehung und die Übernahmen gesellschaftlicher Verantwortung“ ein. Für Jugendliche deren Familien ein Austauschjahr nicht allein finanzieren können, vergibt die Organisation Stipendien. Über 5000 Mitglieder unterstützen YFU mit ihren Beiträgen und Spenden. Weitere Informationen sind zu finden unter: yfu.de

Elisabeth Riedel

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