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Bad Schwartau Kulows Kinder-Uni: „Abenteuer muss man üben“
Lokales Bad Schwartau Kulows Kinder-Uni: „Abenteuer muss man üben“
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20:26 26.06.2017
Die zweite Kinder-Uni in Stockelsdorf war gut besucht: Viele hörten Wolfgang Kulow zu. Quelle: Foto: Irene Burow
Stockelsdorf

Da waren sie nun, mitten auf dem gefrorenen Baikalsee in Sibirien, bei Temperaturen von minus 30 Grad. In einer Höhle aus Eiszapfen saßen Wolfgang Kulow und sein Freund Stefan Schlett. Das Abenteuer war zu Ende, sie hatten es nicht geschafft, den größten Süßwassersee der Erde mit dem Rad zu überqueren. Es war zu gefährlich. „Die Sonne blendete, der Übergang von schwarzem Eis zu Wasser war fließend“, erzählt Extremsportler Kulow am Sonnabend bei der Stockelsdorfer Kinder-Uni in der Hilgendorf-Schule. Er hatte die Situation nicht bemerkt, sein Freund aber schon – und rettete ihm damit das Leben.

Extremsportler erzählte den Stockelsdorfer Kids aus seinem Leben – und entlockte so machen großen Traum beim jungen Publikum.

„Wenn du es denken kannst, kannst du es auch machen. Wolfgang Kulow

Extremsportler und Weltrekordhalter

Und so wurde aus einem Abenteuer ein weiteres. „Wir brauchen ein neues Ziel“, war das Ergebnis in der Eishöhle. Und damit war die Botschaft des Vortrags schon vermittelt: „Man muss ein Ziel haben und dann muss man es machen“, sagt Kulow. „Denn sonst wird das nie was.“ Natürlich nicht ohne Vorbereitung: „Abenteuer muss man üben“, sagt er, – sportlich, mental und mit der richtigen Ausrüstung. So schwimmt der Lensahner morgens und abends in der Ostsee oder fährt mit dem Fahrrad in die nächste größere Stadt. Auf mentale Stärke kommt es vor allem an, wenn es knifflig wird – oder lebensgefährlich. Die Tour über den Baikalsee starteten die beiden im Schneesturm. Doch aufgeben am ersten Tag? Zelt aufbauen und noch keinen Meter geschafft? Das kam nicht infrage. Und so schoben sie die Fahrräder noch 20 Kilometer – 60 Kilo durch hohen Schnee. Immerhin. Später wurden sie mit blauem Himmel belohnt. Eine gefährliche Situation spielte sich ebenso im Sturm ab: Ein 100-Euro-Schein lag im Schnee. Eisige Füße, schlechte Sicht, die Abenteurer waren aufs Festland fokussiert: „Du denkst dann nur noch, dass du deinen Körper in Sicherheit bringen musst“, sagt der 68-Jährige. Und dennoch – der Schein musste mit. Später stellten sie fest, dass er gefälscht war. „Dafür die Gesundheit zu riskieren ist keine dolle Nummer“, sagt Kulow. „Man darf keine Fehler machen.“

Richtig Angst bekam er einmal mitten in der Nacht bei lautem Grollen. Es waren Luftblasen unter dem Eis: 39 Erdbeben gab es in den drei Wochen in der Region. „Also haben wir nachts um vier Uhr mit der Stirnlampe die Zelte abgebaut und sind los“, erzählt Kulow. Abenteuer hat wenig mit Komfort zu tun, Herausforderungen gibt es immer.

Welche großen Träume sie haben, will er von den Kindern wissen. Wrestler will ein Junge werden, ein anderer will beim Super Bowl mitspielen. Auch Welthandballer, Voltigiermeisterin und Professor werden genannt. „Manche Ziele sind hoch und kaum zu erreichen“, sagt der Extremsportler. Das soll die Kinder aber nicht davon abhalten, es zu versuchen. Er selbst habe schon im Alter von sieben Jahren mit dem Tauchen angefangen – mit Gartenschlauch im Swimming-Pool. „Es ist gut, sich immer Zwischenziele zu setzen“, motiviert er und erzählt weiter von der kargen Eislandschaft. Von Selfies vor einem erstarrten Schiffswrack, vom Reisen ohne Duschen, von eingefrorenen Wellen, Luftblasen und Eisplatten, von seiner Reiseküche – Thermoskanne, Benzinkocher und Tauchermesser –, vom Vodkatrinken mit den Einheimischen und der letztlich abgebrochenen Expedition, die ihn ein Jahr später, 2016, nach Kanada brachte. Zum Yukon Arctic Ultra Rennen – 300 Meilen durch Schnee und Eis. Und da wurde er Zweiter.

Irene Burow

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