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Bad Schwartau „Kunst ohne Grenzen“ im Rathaus
Lokales Bad Schwartau „Kunst ohne Grenzen“ im Rathaus
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19:16 01.03.2016
„My Love“: Dieses abstrakte Werk hat Hanny Barth ihrem verstorbenen Hund gewidmet.

Mit einem lauten „Ratsch!“ reißt Hanny Barth einen Klebebandstreifen ab, dann wickelt sie vorsichtig das Malervlies ab und es erscheint das „Armageddon“.

Wie dieses Bild, auf dem kräftige blaue Farben von einem knalligen Gelb durchbrochen werden, warten noch 19 andere im ersten Obergeschoss des Rathauses darauf, ausgepackt und aufgehängt zu werden.

Der Grund: Heute eröffnet Hanny Barth ihre Ausstellung „Kunst ohne Grenzen“. Bis dahin haben die gebürtige Flensburgerin und ihre Bekannte, die Bad Schwartauer Künstlerin Inga Klamann, noch jede Menge zu tun.

„Was meinst du: Wohin soll das hier am besten? Über das Sofa?“, fragt Hanny Barth ihre Helferin. Gerade hat sie ihr neustes Bild mit dem Namen „My Love“ ausgepackt. „Da würde ich es auch hinhängen“, pflichtet Inga Klamann bei. Fummelarbeit, das ist das, was nun folgt. Lange Nylonfäden, an denen am unteren Ende kleine Hacken befestigt sind, müssen an der Galerieschiene befestigt werden. „Das ist gar nicht so einfach“, sagt Barth, die auf Zehenspitzen stehend mit den Armen in der Luft versucht, die richtige Position für die Aufhängung zu finden. „Ich brauche auf jeden Fall zwei Haken“, sagt die 55-Jährige. Mehrere Kilo wiegt das in roten Tönen gehaltene Werk — das liegt vor allem an dem massiven Holzrahmen. „Die Rahmen baue ich oft selbst“, sagt Barth. Dann muss Klamann helfen. Mit vereinten Kräften schaffen es die Frauen. „Hängt es denn gerade?“ Es folgt die Feinjustierung.

Jedes einzelne Bild wird in mühevoller Arbeit so an die Wände des Rathauses angebracht. Ob alle 20 wirklich Platz finden, weiß die Künstlerin noch nicht, mitgebracht sind sie jedenfalls. „Ich komme aus Essen von einer anderen Ausstellung “, sagt Hanny Barth. „Ich werde jetzt erstmal alle auspacken und gucken, was herpasst.“

Zur Kunst ist Barth über ein Fernstudium gekommen. „Just for fun habe ich das mit 29 Jahren gemacht“, erzählt sie. Danach legte sie 20 Jahre den Pinsel nieder. „Ich war berufstätig im Management, hatte drei Kinder, war ehrenamtlich tätig“, sagt Barth. „Da waren diese Sachen wichtiger.“ Als vor fünf Jahren dann ihr Vater starb, motivierte sie ihr Lebensgefährte, wieder mit der Malerei anzufangen. 2014 hat sie sich dann mit ihrer Kunst selbstständig und im vergangenen Jahr sogar den Kunsttherapeutenschein gemacht.

„Malerei ist Selbstheilung für mich“, sagt die Künstlerin. „Ich setze mich still mit mir selbst auseinander und kann die unscheinbaren Dinge festhalten.“ Folglich ist es nicht verwunderlich, dass Hanny Barth vor allem narrative Kunst betreibt, ihre Bilder erzählen etwas. „Ich war zum Beispiel sehr wütend — da kam dann das Bild ,Armageddon‘ bei raus“, verrät sie. Das Werk „My Love“ ist, so sagt sie selbst, „eine Ode an meinen Hund“. Barth malte das Bild nachdem die Hündin eingeschläftert werden musste. Die Bilder vom Strand, über dem eine Möwe kreist, sind angelehnt an das Buch „Die Möwe Jonathan“ des US-amerikanischen Schriftstellers Richard Bach. „Das habe ich mal für meine Tochter gekauft und wiederentdeckt“, sagt Barth. „Es geht um Grenzen und Begrenzung — genau mein Thema.“

Mal sind die Malereien abstrakt, mal gegenständlich. „Ich male viel mit Acryl, aber auch mit Öl und englischer Tinte, ich mache gerne mixed media und bringe dabei Materialien auf der Leinwand auf.“

Nach drei Stunden ist es schließlich geschafft: Sogar alle 20 Bilder haben Platz gefunden. Heute Abend kann die Vernissage also wie geplant stattfinden.

Die Ausstellung

20 Bilder der Künstlerin Hanny Barth werden bis 2. Mai im Foyer im ersten Obergeschoss des Rathaus, Am Markt 15, ausgestellt. Die Vernissage ist heute Abend von 19 bis 20 Uhr. Geöffnet ist danach montags von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 17.45 Uhr, sowie dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei. Interessenten können die Werke erwerben. Die Bilder kosten zwischen 340 und 1300 Euro.

• Weitere Infos über die Künstlerin gibt es unter www.nordgalerie.com

Kim Meyer
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