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Bad Schwartau Lebenstraum – Kuchen vom Grill
Lokales Bad Schwartau Lebenstraum – Kuchen vom Grill
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11:36 28.07.2018
Ein schwarzes Zelt, ein Grill, ein Waschbecken und eine kleine Arbeitsfläche: Mehr braucht Christiane Mrozek nicht. Quelle: Fotos: Ilka Mertz
Pansdorf

Wer in Pansdorf von der Eutiner Straße abbiegt Richtung Sarkwitz und dann, anstatt der Straße weiter zu folgen, in der Kurve hinter der Kalten Bek in den Wald einbiegt, der ist schon auf dem richtigen Weg. Packan heißt die Anliegerstraße, die schotterig zunächst über Gleise und dann weiter zwischen Bäumen verläuft, bis fast am Ende plötzlich ein Haus zu sehen ist. Und vor dem Haus am Wegesrand (Packan 1) steht ein schwarzes Pavillonzelt. Zumindest am Wochenende steht es da.

Hoch die Hände – Wochenende. Für die meisten Menschen gibt es nichts Schöneres, als am Sonnabend und Sonntag nichts zu tun. Christiane Mrozek sieht das anders. Die Berlinerin verbringt jedes Wochenende in Ostholstein, um hier ihr eigenes kleines Café zu betreiben.

Denn am Wochenende betreibt genau an dieser Stelle die Berlinerin Christiane Mrozek ihr Café „Kuchenfeuer“. Die Erfüllung eines Lebenstraums. „Ich wollte schon immer gerne ein Café haben“, erzählt die 57-Jährige. Immer mal wieder im Leben sei dieser Wunsch da gewesen. Doch da ihr Onkel eine Gaststätte hatte, ihre Schwester eine hat, weiß sie auch, wie viel Aufwand, wie viel Arbeit, wie viel Mühe die Gastronomie bedeutet. „Ich kenne das Metier“, sagt Christiane Mrozek, und deshalb habe sie den Gedanken an ein eigenes Café viele Male einfach verworfen.

Erfüllung eines langjährigen Traums

Doch er ließ sie nicht los. Bei einem Urlaub in La Palma vor zwei Jahren wurde er sogar konkreter. „Da gibt es auf den Marktplätzen so runde Stände, die fand ich toll“, erinnert sie sich. Zurück in Berlin recherchierte sie, informierte sich, begegnete der Streetfood-Szene. Irgendwann entdeckte sie, dass Türken Fladenbrot auf dem Grill backen, „da habe ich zu meinem Partner gesagt, Kuchen vom Grill, das wäre was“. Anfangs erschien ihr der Gedanke abwegig, „völlig verrückt“. Doch schon bald fand sie heraus, dass Grill-Experten tatsächlich auch Kuchen backen. Am Gasgrill ihrer Schwester in Hessen unternahm sie erste Versuche: „Im Keller gab es so alte Wurstgläser, da habe ich einen normalen Schokorührteig hineingefüllt.“ Das Experiment gelang. „Ich habe schon immer gerne gebacken, hatte nur das Problem, wohin mit dem Kuchen“, erzählt Christiane Mrozek, die mit ihrem Partner eine Software-Firma betreibt.

Das Konzept des Cafés nahm also Form an, nur ein Standort fehlte. Da wollte es ein glücklicher Zufall, dass Christiane Mrozek bei einem Seminar in Hamburg Mechthild Angern begegnete und ihr von ihrem Café-Traum erzählte. „Und Mechthild sagte, sie wohne ganz schön und auf ihrem Grundstück sei Platz und ich solle es mir doch mal angucken.“ Gesagt, getan und die Großstädterin war begeistert von dem grünen Fleckchen Erde in Pansdorf, direkt an der Alten Salzstraße zwischen Spazierweg und Angelteich, wo das Wasser durchs Mühlrad rauscht.

Voraussetzungen für ein mobiles Café

Christiane Mrozek informierte sich über die rechtlichen Voraussetzungen eines mobilen Cafés, erfuhr, dass rund und offen nicht funktioniert, dafür aber ein an drei Seiten geschlossenes Pavillon-Zelt mit Doppelwaschbecken und Boden. „Ich bin heilfroh, dass ich erst die Behörden gefragt habe und auch, dass mein Plätzchen an drei Seiten geschlossen ist“, sagt sie heute, „wenn hier der Wind lang fegt, habe ich keinen Sand im Teig.“

Jeden Freitagabend setzen sich Christiane Mrozek und ihr Partner ins Wohnmobil, fahren von Berlin nach Ostholstein. Im Gepäck die Zutaten für die Kuchen des Wochenendes. Am Sonnabendvormittag rührt die 57-Jährige den Teig, gegen Mittag schmeißt sie den Gasgrill an. Käsekuchen, Schoko-Kirsch, Preiselbeere, Mohn, Erdbeere – ihr Angebot ist groß und variiert. Viele Kuchen sind vegan, alle mit Dinkelmehl gebacken. Pünktlich um 13 Uhr erfüllt herrlicher Duft die Luft. Das Café „Kuchenfeuer“ ist geöffnet, in der Sommersaison sonnabends und sonntags von 13 bis 18 Uhr.

An einem Wochenende im Monat (das nächste Mal am 3. und 4. August) öffnet Mechthild Angern das benachbarte „Weinhus“, in dem sie in einer Garage Weine des rheinhessischen Winzerhof Balz anbietet.

Dann legt Christiane Mrozek abends noch ein paar Flammkuchen auf den Grill.

Begegnungen an der Alten Salzstraße

„Mein Wunsch war es immer, einen Ort der Begegnung zu schaffen“, sagt Mechthild Angern, „und genau das haben wir jetzt hier.“ Radfahrer und Spaziergänger, Reiter und Angler – zahlreiche Menschen kommen an dem kulinarischen Geheimtipp vorbei. Beim ersten Mal vielleicht zufällig, ab dem zweiten Mal gewollt. „Allein wegen der Fahrtkosten lohnt sich das Café nicht wirklich“, sagt Christiane Mrozek, aber es sei ja für sie auch nicht wirklich Arbeit. „Der Lohn besteht ja auch nicht nur in Geld, sondern auch in den Begegnungen mit den Menschen.“ Und außerdem: Wer aus Berlin habe schon das Glück, jedes Wochenende an der Ostsee verbringen zu können? Am Strand in Niendorf verbringt sie ihre Abende, wenn der letzte Gast gegangen, das letzte Glas weggeräumt ist.

Und dort schmiedet sie dann weitere Pläne: So ist sie derzeit dabei, einen eigenen Foodtruck zu entwickeln, genau ihren Bedürfnissen entsprechend. Und wer weiß? Vielleicht geht der „Kuchenfeuer“-Truck dann sogar in Serien-Produktion: „Ich hätte Lust darauf, dass andere Menschen von meinen Erfahrungen profitieren“, sagt Christiane Mrozek. Erfahrungen, die sie gesammelt hat im Zelt an der Alten Salzstraße zwischen Angelteich und Mühlrad.

Käsekuchen

Die Zutaten:

500 g Quark

2 Eier

40 g feiner Zucker

10 g Vanillezucker

10 g Zitronenzucker

40 g Stärke

7 g Backpulver Die Zubereitung:

Alle Zutaten mit dem Schneebesen zu einem glatten Teig verrühren;

Gläser fetten und mit geriebenen Butterkeksen ausstreuen;

Masse in die Gläser füllen;

45 Minuten lang im geschlossenen Grill (etwa 150 Grad) backen.

Guten Appetit!

Ilka Mertz

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