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Bad Schwartau Letzte Ruhestätte für Sternenkinder
Lokales Bad Schwartau Letzte Ruhestätte für Sternenkinder
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18:10 30.08.2018
Pastor Thomas Merfert (l.) weiht gemeinsam mit zahlreichen Bürgern das neue Sternenfeld auf dem Friedhof ein. Quelle: Fotos: Ilka Mertz
Ratekau

Ein Kind zu erwarten, löst in den meisten Fällen die größte anzunehmende Freude aus. Ein Kind zu verlieren, ist der wohl größte vorstellbare Verlust. Für Außenstehende häufig schwer nachvollziehbar, vor allem, wenn das Baby bereits vor der Geburt noch im Mutterleib verstirbt. Das Kind war noch nicht wirklich real, doch die Trauer ist es. Auf dem Friedhof der Gemeinde Ratekau gibt es nun einen Ort, der genau dieser Trauer Raum bietet. Einen Ort, an dem vor der Geburt verstorbene Kinder bestattet werden, wo Eltern, Angehörige dieser gedenken können. „Sternenfeld“ heißt dieser Bereich, „Sternenkinder“ werden diese viel zu früh Verstorbenen genannt.

Wo können Eltern trauern, deren Baby vor der Geburt starb? Wohin mit einem winzigen Kind, das nie leben durfte. Auf dem Ratekauer Friedhof gibt es nun das „Sternenfeld“: An diesem Ort können Kinder, die schon im Mutterleib verstorben sind, bestattet werden.

„In zahlreichen Gesprächen, die wir in den vergangenen Jahren geführt haben, ist immer wieder deutlich geworden, dass vielen Menschen in der Gemeinde so ein Ort fehlt“, erläutert Pastor Thomas Merfert. Ein Ort, an dem die Familie trauern kann, dass ihr Kind nie leben durfte. Das Sternenfeld auf dem Friedhof soll dieser Ort nun sein.

Landschaftsarchitektin Urte Schlie aus Timmendorfer Strand hat den etwas abgetrennten Bereich auf dem Friedhof gestaltet. Ein sechsstrahliger Stern aus weißem Muschelkalk gibt ihm den Namen. Vier der Strahlen enden abrupt ohne Spitze. „Diese Unvollständigkeit darzustellen, war uns wichtig“, erklärt Urte Schlie. Ihr Büro habe mehrere Entwürfe vorgelegt, letztlich habe sich aber schnell das Sternenfeld herauskristallisiert. „Diese Assoziation berührt sehr stark“, sagt Urte Schlie. Und so lässt auch Pastor Thomas Merfert in der Andacht zur Einweihung des Feldes das Lied „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ singen.

Die Kirchengemeinde Ratekau will mit dem Sternenfeld neue Wege in der Friedhofskultur beschreiten, „man muss mehr auf die Menschen zugehen“, sagt Pastor Merfert. Vier von zehn Schwangerschaften endeten vor der glücklichen Geburt, früher seien vor der diese im Mutterleib verstorbenen Babys häufig im Krankenhausmüll gelandet. Dazu gut gemeinte „Schnacks wie ,Ihr habt es doch noch nicht mal gesehen’ oder , Ihr könnt ja noch viele gesunde Kinder kriegen’“, so der Pastor. Dank hochentwickelter Technik aber sei mittlerweile in der sechsten Schwangerschaftswoche der Herzschlag des Kindes darstellbar, „die emotionale Bindung beginnt zu glühen, das Ungeborene ist schon ein Familienmitglied“. Der Tod des Kindes bedeute dann ein plötzliches Ende des Familienglücks.

„Das Sternenfeld ist ein Ort, wo der Mensch, um den wir trauern, einen Namen, ein weltliches Zuhause hat“, sagt Pastor Thomas Merfert. Beerdigt werden darf dort jedes Kind, ein Mindestgewicht von 500 Gramm, das es früher einmal gab, gibt es heute nicht mehr. Der Kontakt soll über Krankenhaus und Bestatter laufen.

Auch wenn im Stern bislang noch kein Kind bestattet ist, eine Funktion erfüllt das Feld schon jetzt. „Allein die Planung und Entstehung des Feldes hat schon viele Gespräche angestoßen“, berichtet Pastorin Anke Dittmann. Frauen, die sie schon lange kennt, hätten ihr nun erst erzählt, dass auch sie betroffen seien, dass auch sie ein Kind vor der Geburt verloren hätten.

Für all diese Mütter (und Väter) ist hier also ein Ort entstanden, an dem sie (auch nachträglich) trauern können. Über den größten Verlust, der die größte Freude plötzlich beendete.

Weitere Informationen

In Eutin gibt es auf dem Friedhof einen eigenen Bereich für Kindergräber. Dort können Kinder, die bis zum fünften Lebensjahr verstorben sind, und auch im Mutterleib verstorbene Babys beigesetzt werden.

In Neustadt soll ein Teil des Friedhofs für die Beerdigung von Sternenkindern umgestaltet werden.

In Lübeck gibt es auf dem Friedhof der St.-Lorenz-Kirchengemeinde, Steinrader Weg, eine Gedenkstätte für totgeborene Kinder. Dort wird die Asche dieser Babys viermal im Jahr in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt.

Ilka Mertz

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