Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Markttwiete: Kein klares Votum bei Telefon-Befragung
Lokales Bad Schwartau Markttwiete: Kein klares Votum bei Telefon-Befragung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:52 11.09.2013
Variante A will möglichst viele Platanen erhalten. Sitzmöglichkeiten und Spielgeräte konzentrieren sich auf Podesten unter den Bäumen.

Das Ergebnis: Es gibt kein Ergebnis. Keiner der drei Entwürfe für Bad Schwartaus „neue“ Innenstadt hat bei der repräsentativen Umfrage die absolute Stimmen-Mehrheit bekommen. Die Hoffnung auf einen eindeutigen Wegweiser für die Politik hat sich damit zerschlagen. Bei der Stadtvertretersitzung am 19. September soll die Entscheidung für eine Gestaltungsvariante fallen — wie die aussehen wird, ist nach der Haushaltsbefragung nun genauso unklar wie vorher.

Den größten Anteil der Erststimmen (Frage nach dem Favoriten) holte mit 37,9 Prozent die Gestaltungsvariante C (ohne Platanen). „Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass die Mehrheit gegen die Umsetzung dieses Entwurfs ist“, stellte Cima-Beraterin Regina Schroeder klar, als sie die Ergebnisse im Ausschuss für Bauwesen und Stadtplanung präsentierte. Je nach Auslegung gibt es zudem verschiedene Sieger: Werden die Zweitstimmen (Frage nach dem zweitbesten Entwurf) mit gewertet, liegt ausgerechnet die Variante B (mit einigen Platanen) vorn — der Entwurf mit den wenigsten Erststimmen (siehe unten).

„Ich hätte mir ein signifikanteres Ergebnis gewünscht“, sagte WBS-Fraktionschef Jörg-Reiner Zacharias, „es geht ja jetzt schon los, dass sich jeder die Zahlen so hinlegt, dass sie die eigene Meinung stützen.“ Denn: Zwar betonten alle Fraktionen erneut, mit ihrer Entscheidung dem Bürgerwillen entsprechen zu wollen. Wie der allerdings aussieht, darüber kam man nicht überein. Wiegt die Umfrage schwerer oder die freiwillige Unterschriftensammlung für den Erhalt der Platanen? Zählt man nur die Erst- oder auch die Zweitstimmen? Und wie soll das Meinungsbild aus den Gästebüchern im Info-Container in der Markttwiete und im Rathaus gewertet werden?

Heftige Kritik am gesamten Bürgerbeteiligungsverfahren kam von Seiten der SPD-Fraktion. „Man muss hier eher von Bürgertäuschung sprechen als von Bürgerbeteiligung“, so Uwe Beckmann. Die Variante A (mit fast allen Platanen) sei von vornherein als wenig vorteilhaft dargestellt worden; die Podeste schreckten ältere Menschen ab. Außerdem sei den Teilnehmern der Umfrage nicht bewusst gewesen, welche Folgen die Abgabe der Zweitstimme haben würde.

„Das ist absolut unzutreffend“, widersprach Cima-Geschäftsführer Mario Mensing, die Konsequenzen der Zweitstimme seien aus der Fragestellung klar erkennbar gewesen („Für den Fall, dass Ihr Favorit die wenigsten Stimmen erhält und eine Entscheidung zwischen den beiden anderen Varianten getroffen werden muss: Benennen Sie uns bitte die in Ihren Augen zweitbeste Variante.“). Auch die Kritik an der Präsentation der ersten Gestaltungsvariante ließ Mensing nicht gelten: „Die Podeste sind ein wesentliches Merkmal des Entwurfs, mit dem man umgehen muss — es kann nicht Sinn der Sache sein, das zu kaschieren.“ Vorgesehen haben die Planer die Erhebungen, um Stolperfallen durch von Baumwurzeln hochgedrückte Pflastersteine vorzubeugen.

Bauamtsleiter Maik Lindemann warnte davor, „das Fass wieder aufzumachen und die Diskussion von vorn zu beginnen“. Er hoffe, dass in der Stadtverordnetenversammlung ein Beschluss gefasst werde und man den Weg zur Neugestaltung der Innenstadt weitergehen könne. Lindemann: „Alles andere würde uns nicht weiterbringen.“

Hansjörg Thelen (SPD) prophezeite derweil, dass die Bürgerinitiative bei einer Entscheidung gegen die Platanen „mit Sicherheit einen Bürgerentscheid herbeiführen“ werde. Dafür müssten zunächst Unterschriften von 2000 Bad Schwartauern (mindestens zehn Prozent der Einwohner) gesammelt werden. Thelen: „Dann liegt das Ganze nicht mehr in unserer Hand.“

Das Ergebnis der Haushaltsbefragung
1658 Bad Schwartauer wurden befragt. Variante C nannten 628 von ihnen (37,9 %) als Favoriten, Variante A 506 (30,5 %) und Variante B 449 (27,1 %). 75 (4,5 %) wollten sich nicht für einen Entwurf entscheiden.
Verteilt man die Zweitstimmen der B-Wähler auf die Entwürfe A und C, liegt Variante C bei 838 Stimmen (50,5 %), A bei 682 (41,1 %). Wertet man Erst- und Zweitstimmen gleich, so kommt Variante A auf 810 Stimmen, B auf 1091 und C auf 966.

Jennifer Binder

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige