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Bad Schwartau „Mein erstes Jahrhundert“: Irma Rahn feiert Geburtstag
Lokales Bad Schwartau „Mein erstes Jahrhundert“: Irma Rahn feiert Geburtstag
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18:29 26.10.2013
Elke Sellheim (72) besucht ihre Mutter Irma Rahn (99) regelmäßig in Bad Schwartau. Quelle: Fotos: Binder, privat (hfr)

Vor Kurzem hat Irma Rahn einen Ausflug nach Wismar gemacht. Wie es ihr gefallen hat? „Es war ein herrlicher Abschluss meines ersten Jahrhunderts“, sagt die Bad Schwartauerin und lacht. Morgen feiert die Seniorin ihren 100. Geburtstag — und von ihrer Lebensfreude hat sie in all den Jahren nichts verloren. Sie sieht nicht mehr viel, trägt mittlerweile ein Hörgerät — doch ihr Geist könnte wacher nicht sein. „Das ist doch die Hauptsache“, sagt Irma Rahn. Alles andere, das seien eben „die üblichen Wehwehchen, die mit dem Alter so kommen“.

Als sie Ende 30 gewesen sei, habe ihr ein Bekannter aus der Hand gelesen, erinnert sich die gebürtige Berlinerin. Er habe ihr gesagt, sie würde 70 Jahre alt. Mit 90 sei ihr das wieder eingefallen.

Damals hatte sie gerade einen Auftritt mit ihrer Volkstanzgruppe in Lübeck.

Dass sie so aktiv sei, habe sie von ihrer Mutter, erzählt Irma Rahn, „die war auch immer mitten im Geschehen“. 98 Jahre alt wurde die Mutter. „Mit 97 hab‘ ich gedacht: ,Oh, jetzt bin ich kurz davor, sie zu überholen‘“, sagt die Tochter schmunzelnd. 15 Jahre lang hat Irma Rahn sich zu Hause um ihre Mutter gekümmert, bis kurz vor ihrem Tod hat diese mit in der Bad Schwartauer Wohnung gelebt. Ihre zwei Töchter hat Irma Rahn in der Nachkriegszeit allein aufgezogen, ihren ersten Mann hat sie 1949 verloren. „Es war nicht immer einfach“, sagt die Seniorin. Ihr Tonfall ist sachlich. Selbstmitleid hat keinen Platz in ihrer Welt, so viel ist offensichtlich.

„Meine Mutter ist eine Kämpferin“, beschreibt sie Tochter Elke Sellheim (72). Sie war vier, als ihr Vater starb, ihre Schwester acht. Mit Heimarbeit hielt Irma Rahn ihre Familie danach über Wasser, staatliche Hilfe gab es für sie damals nicht. Die gelernte Stenokontoristin nähte Kleidung für ihre Kinder selbst, erledigte Arbeiten am Haus in Eigenregie, um Geld zu sparen. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass ihre Töchter eine gute Ausbildung erhielten, hat sich dafür mit Behörden herumgeärgert — und zum Teil auch mit ihren Kindern selbst, wie Elke Sellheim lachend zugibt. „Wissen ist Macht“ — diesen Satz ihrer Mutter habe sie heute noch im Ohr, „den hat sie jedes Mal wiederholt, wenn ich mal wieder versucht habe, mich vor der Schule zu drücken“. Im Nachhinein ist sie dankbar dafür. Und für vieles andere. „Meine Mutter hat immer einen Ausweg gefunden“, sagt sie, „egal wie schwierig die Situation war.“

Die Mutter winkt ab, als die Tochter erzählt: „Das war zu der Zeit nichts Besonderes, viele Leute waren in der gleichen Situation.“ Lieber spricht sie über schöne Erlebnisse. Sie erzählt von Erinnerungen an ihre Kindheit, ans Elternhaus, in dem sie mit ihren zwei Brüdern — drei Jahre jüngeren Zwillingen — aufgewachsen ist. „Es ging immer fröhlich zu bei uns“, sagt Irma Rahn.

Inzwischen hat sie vier Enkel und vier Urenkel — der Älteste ist 18, der Jüngste wird bald fünf. Morgen feiert sie mit ihnen und mit vielen Freunden ihren Geburtstag. Etwa 50 Gäste sollen es werden — weil die nicht alle in ihr Wohnzimmer passen, hat Irma Rahn einen großen Raum organisiert. „Das wird bestimmt lustig“, sagt die Bad Schwartauerin, die sich auf einen Programmpunkt schon ganz besonders freut. „Mein früherer Hausarzt hat mir versprochen, dass er mir ein Ständchen bringt — auf dem Dudelsack“, verrät sie, „ich hoffe wirklich, er hält Wort.“

„Meine Mutter ist eine Kämpferin. Sie hat immer

eine Lösung gefunden.“
Elke Sellheim (72) über Irma Rahn,

die morgen ihren 100. Geburtstag feiert

Jennifer Binder

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