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Bad Schwartau Trotz Handicap voll im Berufsleben
Lokales Bad Schwartau Trotz Handicap voll im Berufsleben
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17:02 20.12.2018
Natalie Marczinzik (25) hat eine Festanstellung in einem Famila-Warenhaus. Quelle: Saskia Hassink
Sereetz/Lübeck

„Wenn Beschäftigte eine Einschränkung haben, heißt das noch lange nicht, dass sie keine wertschöpfende Arbeit leisten können“, sagt Bernd Homeyer. Er leitet das Team für Rehabilitanden und Menschen mit einer Behinderung in der Agentur für Arbeit Lübeck und weiß, dass viele Menschen mit Handicap es schwer auf dem Arbeitsmarkt haben. Doch viele wollen trotzdem ein Berufsleben haben. Für diese Menschen gibt es die Maßnahme „Individuelle betriebliche Qualifizierung“. Bei dem Programm bekommen Menschen mit Beeinträchtigung die richtige Unterstützung, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können.

Über ein Praktikum zur Ausbildungsstelle

Jens Horn wurde in diese Maßnahme aufgenommen. Der 19-Jährige ist Autist. Das hält ihn aber nicht davon ab, seinen Alltag zu meistern. Seit dem 1. Dezember ist er als Verkaufshelfer im Famila-Warenhaus in Sereetz angestellt. Für ihn genau der richtige Job: „Ich bin so ein Mensch, der gerne verkauft“, sagt er. „Ein Bürojob kommt für mich nicht in Frage.“ Jens Horn arbeitet zurzeit im Food-Bereich, räumt Regale ein, hilft im Getränkemarkt und bei der Platzierung der Produkte in den Verkaufsregalen.

Über Praktikum zur Ausbildung: Jens Horn (19) startet im kommenden Jahr eine Ausbildung im Einzelhandel. Quelle: Saskia Hassink

„Herr Horn ist sehr zuverlässig, hat ein exzellentes Gedächtnis und insgesamt eine gute Entwicklung gemacht“, sagt Peter Bünning, Filialleiter in Sereetz. Im Februar hatte Horn sein erstes Praktikum in dem Warenhaus begonnen, welches dann drei Mal verlängert wurde und ihm schließlich die feste Stelle als Verkaufshelfer einbrachte. Doch damit soll nicht Schluss sein: Ab August kommenden Jahres wird der 19-Jährige als Auszubildender angestellt. „Ich freue mich sehr darüber“, sagt Jens Horn. „Es ist das Wichtigste für mich, etwas Festes zu haben.“ Auch Peter Bünning ist der Meinung, dass es auf lange Sicht sinnvoll ist, einen Beruf zu erlernen. „Mit einer abgeschlossenen Ausbildung ist er für die Zukunft ganz anders gewappnet.“

Qualifikationstrainer unterstützen die Teilnehmer der Maßnahme

Nur ein Beispiel von gelungener Integration auf dem Arbeitsmarkt. Das ist das Ziel der „Individuellen betrieblichen Qualifikation“. Unterstützt werden Teilnehmer wie Jens Horn von dem Bildungsträger Integra – eine gemeinnützige GmbH der Agentur für Arbeit. Über Praktika sollen die Teilnehmer ihre Interessen und Fähigkeiten herausfinden, sagt Jörn Steinkämper. Er ist Qualifizierungstrainer bei Integra und begleitet die Teilnehmer. An vier Tagen sind sie in den Betrieben. „Einmal in der Woche reflektieren wir bei uns in den Unterrichtsräumen die Erlebnisse während der Beschäftigung.“ Dabei wird den Teilnehmern Wissen vermittelt, das für den Arbeitsalltag wichtig ist. „Wir üben, damit sich eine Routine entwickelt“, sagt Steinkämper.

„Wir üben, damit sich eine Routine entwickelt“, sagt Jörg Steinkämper. Er ist Qualifizierungstrainer und unterstützt die Teilnehmer der Maßnahme. Quelle: Saskia Hassink

Einmal in der Woche sind die Coaches aber auch im Betrieb vor Ort, um zum einen dem Teilnehmer zu betreuen, aber auch den Arbeitgebern und Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Denn häufig müssen die Kollegen die Teilnehmer der Maßnahme etwas stärker betreuen. Jedes Jahr suchen rund 140 Menschen mit Handicap mithilfe der Agentur für Arbeit eine Ausbildungsstelle in Lübeck und Ostholstein. 2018 wurden in der Maßnahme „Individuelle betriebliche Qualifikation“ 77 Teilnehmende gefördert.

Die Übernahme war der nächste logische Schritt

Eine davon ist Natalie Marczinzik. Wie Jens Horn arbeitet die 25-Jährige auch bei Famila – allerdings in der Schwartauer Landstraße in Lübeck. Nach einem Praktikum wurde auch die junge Mutter übernommen. „Angefangen habe ich am 1. September im Food-Bereich“, erzählt sie. Über die Drogerie ist Natalie Marczinzik schließlich in dem Textilbereich gelandet, in dem sie sehr zufrieden ist und gute Arbeit erledigt. „Frau Marczinzik ist praktisch sehr begabt und arbeitet inzwischen selbstständiger“, sagt Filialleiter Jörn Klingsporn. „Die Übernahme war für uns deshalb der nächste logische Schritt.“ Die 25-Jährige hat zwar eine Lernschwäche, aber im Textilbereich hat sie sich mittlerweile gut eingearbeitet und auch die Chemie zwischen den Kollegen stimmt.

„Wir würden uns freuen, wenn mehr Betriebe Menschen mit Einschränkung eine Chance geben“, sagt Bernd Homeyer. „Sie sind häufig überdurchschnittlich motiviert und loyal. Ein Potenzial, das gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung und Fachkräfteengpässe genutzt werden sollte.“ Die Agentur für Arbeit berät Unternehmen, die sich für die Maßnahme interessieren.

Saskia Hassink

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