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Bad Schwartau Miese Stimmung im Rathaus?
Lokales Bad Schwartau Miese Stimmung im Rathaus?
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12:16 18.03.2016
Alle fünf waren da: Die Kandidaten Gerd Radisch, Ellen Brümmer, Steffen Dannenberg, Michael Neese und Uwe Brinkmann (v. l.). Quelle: Irene Burow
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Bad Schwartau

Die Stimmung der Mitarbeiter im Bad Schwartauer Rathaus scheint angespannt — das ist bei der Fragerunde mit den Bürgermeisterkandidaten bei der Aktivgruppe Handel und Gewerbe durchgedrungen. Die AHG hatte im Zuge der Jahresversammlung eingeladen und erstmals alle fünf Kandidaten vereint.

Die entsprechende Frage kam aus dem Publikum: „Wie wollen Sie die Stimmung im Rathaus verbessern?“ „Ich habe bereits Gespräche geführt, vom Auszubildenden bis zum Abteilungsleiter, um mir ein Bild von meinem künftigen Arbeitsplatz zu machen“, meldete sich der parteilose Michael Neese zuerst zu Wort. „Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart.“ Nur soviel: „Wir haben eine richtig gute Verwaltung, ich werde mich immer vor sie stellen. Ich kann gut mit Menschen umgehen“, so Neese. Der inzwischen parteilose Gerd Radisch wurde deutlicher: „Die Verwaltung versucht das Beste zu leisten, doch wir haben ein Führungsproblem. Die Mitarbeiter müssen nur mal gehört werden, damit sie sich bestmöglich entfalten und einbringen können.“ Ellen Brümmer (CDU) sagte, wenn etwas im Argen liege, dann sei das „nicht den Mitarbeitern anzulasten“. Man müsse die persönliche Entwicklung einzelner weiter fördern, gemeinsam abgesprochene Ziele verfolgen und Veränderungspotenzial ausschöpfen. Auch Steffen Dannenberg (WBS) vermisse jedoch Führungsqualität: „Bei Bürgermeistervorgänger Joachim Wegener haben wir erlebt, dass er die Verwaltung als Grundlage genommen hat, seine Ansichten durchzuboxen.“ Bei Gerd Schuberth könnten die Mitarbeiter zwar Ideen selbst vortragen. Trotzdem seien Fehler gemacht worden. „Man kann nicht mit harter Hand vorgehen.“ Es müsse zeitgemäß und sachgerecht gehandelt werden. Konkrete Vorschläge lieferte Dr. Uwe Brinkmann. „Ich widerspreche Frau Brümmer. Es kann auch am einzelnen liegen.“ Unangenehme Gespräche zu führen — auf Augenhöhe — gehöre dazu. „Man kann nicht jahrelang abwarten und dann mit einer Radikalkur kommen“, so der parteilose SPD-Kandidat. Er wolle mobilisieren, flexibilisieren, den Job für Eltern attraktiver machen und andere Arbeitszeitmodelle anbieten.

Der Vorstand der AHG hatte den Kandidaten zuvor Fragen gestellt — mit Zeitbeschränkung für die Antworten von 60 oder 90 Sekunden. Das breiteste Spektrum an Antworten forderte diese: „Was sind die wichtigsten drei Ziele in ihrer Amtsperiode?“ Die Innenstadt als Mehrgenerationenstadt mit Leben zu füllen, das hat sich Neese auf die Fahnen geschrieben. Dazu „Bildung, Bildung, Bildung“ ohne die Senioren dabei zu vergessen. Die Einwohnerzahl zu stabilisieren und zu verbessern, steht auf dem Fahrplan von Gerd Radisch. Dafür müsse es bezahlbaren Wohnraum geben. Er will eine Arbeitsgruppe zur Optimierung der Verwaltung installieren und ein Schulkonzept, um dem Sanierungsstau entgegenzuwirken. Brinkmann will eine „funktionierende Verwaltung“. Er will ein „ehrlicher Makler“ sein, der zwischen den Parteien vermittelt. Dritter Punkt bei ihm: „SOS“ für Bad Schwartau — Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. Ellen Brümmer fasste ihre drei Ziele zum einen mit Sicherung der Lebensqualität zusammen — moderne Schulen, ein gutes kulturelles Angebot und eine funktionierende Innenstadt. Das Rathaus sieht sie als bürgernahe Dienstleistungs-Organisation, die in der Digitalisierung aufholen muss. Zudem ist ihr Anliegen der Erhalt der finanziellen Handlungsfähigkeit. Steffen Dannenberg legt das Hauptaugenmerk auf ein Umsetzungskonzept des Stadtmanagements, eine gelungene Integration sowie Veränderung hin zu einer modernen Verwaltung.

Dannenberg erschien am Dienstagabend als jemand, der sich erst warmreden muss. Neese betonte mehrfach seinen Vorteil als Quereinsteiger und schien mit am angriffslustigsten. Radisch ließ sich nicht nur einmal aus dem Konzept bringen, Brümmer schien am meisten gefestigt in den Themen und recht unaufgeregt. Nicht für Lacher, aber für Schmunzler sorgte allein Brinkmann: „Wer glaubt, die SPD könnte Einfluss auf mich nehmen, dem sage ich: Meine Frau ist langjähriges CDU-Mitglied. Und jetzt können Sie sich überlegen, wessen Einfluss größer ist.“

AHG beteiligt sich bei der Landesgartenschau

66 Mitglieder hat die Aktivgruppe Handel und Gewerbe (AHG) aktuell. Die wichtigsten Themen: verbessertes Stadtmanagement, Ordnung und Sauberkeit, bessere Vermarktung des Sonnabends, starke Bedrohung durch den Online- Handel und die alternde Bevölkerung. Bei der Jahresversammlung am Dienstag gab es Zustimmung für einen Welcome-Center in der Innenstadt.

Der Verein präsentiert sich auf der Landesgartenschau in Eutin bei einem Städtetag am 19. Juli. „Das Thema Einkaufen ist für die Gartenschau nicht allzu typisch“, freut sich der Vorsitzende, Lars Matzen, über diese Gelegenheit. Die für den Handel wichtigen verkaufsoffenen Sonntage finden am 20. März, außerdem am Bürgermeister-Wahltag, 24. April, am 25. September und am 30.

Oktober statt.

Von Irene Burow

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