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Bad Schwartau Mit Brötchen und Infos gegen Gewalt
Lokales Bad Schwartau Mit Brötchen und Infos gegen Gewalt
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19:13 23.11.2016

. Etwas eingeschüchtert nimmt Karl-Heinz Köpke die Brötchentüte von Sabine Bötticher in Empfang. „Ich habe mit Gewalt gegen Frauen wirklich nichts zu tun“, sagt der 68-Jährige mit einem freundlichen Lächeln und bekommt sogleich noch einen Kugelschreiber und einen Einkaufsbeutel geschenkt. So überrascht wie Köpke sind gestern Morgen viele Menschen auf dem Bad Schwartauer Markt. „Wir wollen niemanden anprangern, sondern informieren und dafür werben, hinzuschauen“, sagt Tanja Gorodiski. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bad Schwartau hat gemeinsam mit Frauen vom Frauenforum und dem Büroleitenden Beamten im Rathaus, Hans-Peter Toll, gestern kostenlose gefüllte Brötchentüten auf dem Marktplatz verteilt.

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Aktion auf dem Markt soll das kostenfreie Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ bekannter machen.

Viele Polizeieinsätze

Im Jahr 2015 gab es in Schleswig-Holstein 3280 polizeiliche Einsätze bei häuslicher Gewalt, bei denen 382 Täter der gemeinsamen Wohnung verwiesen wurden. 1034 Frauen flohen in ein Frauenhaus. Außerdem kontaktierten rund 10500 Bürger die 23 Frauenberatungsstellen.

„Schaut hin – Gewalt kommt nicht in die Tüte!“ ist eine bundesweite Aktion. Mit den speziell bedruckten Tüten (Rufnummer/Info des Hilfetelefons) soll anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt auf die Möglichkeiten des Hilfetelefons aufmerksam gemacht werden. Gorodiski: „Der offizielle Aktionstag war zwar schon am Dienstag, aber am heutigen Markttag erreichen wir mehr Leute in Bad Schwartau.“

Mit der Aktion soll allen Menschen Mut gemacht werden hinzuschauen und zu helfen, wenn sie Gewalt gegen Frauen mitbekommen, denn das Thema ist in der Öffentlichkeit immer noch ein Tabu. „Oftmals gibt es Unsicherheit, wie man helfen kann. Das Hilfetelefon ist eine ganz tolle Sache. Anonymität wird absolut zugesichert“, berichtet Gorodiski, die auch in ihrer Funktion als Gleichstellungsbeauftragte mit dem Thema häufig befasst ist. „Gewalt gegen Frauen gibt es überall und kommt in allen sozialen Schichten vor“, weiß Gorodiski. Dass das Thema Gewalt und auch die Angst davor eine immer größere Rolle spielt, zeige sich laut Gorodiski auch in den zahlreichen Selbstverteidigungskursen für Frauen. Gorodiski: „Jeder Kursus, der angeboten wird, ist sofort überbucht.“

Neben den 200 Brötchentüten mit jeweils zwei Semmeln wurden verschiedene Flyer, Einkaufsbeutel, Schlüsselketten und Kugelschreiber verteilt. Auf allen Gegenständen ist die Nummer des Hilfetelefons (08000 116 016 oder www.hilfetelefon.de) aufgedruckt. Die Nummer ist an 365 Tagen rund um die Uhr kostenfrei erreichbar. Die Beraterinnen am Telefon helfen bei allen Formen von Gewalt gegen Frauen.

Die Gespräche werden absolut vertraulich behandelt und können anonym geführt werden. Zudem ist mit Hilfe von Dolmetscherinnen eine Beratung in vielen Sprachen möglich.

Sebastian Prey

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Wir haben doch alles. Geh' nur einmal auf den Boden und wühle in der Weihnachtskiste . . .“ Ach, Mann, alle Jahre wieder dieses „Totschlag-Argument“.

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