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Bad Schwartau Nabu sucht Schwalbenfreunde in Ostholstein
Lokales Bad Schwartau Nabu sucht Schwalbenfreunde in Ostholstein
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11:02 29.08.2017
Futterzeit am Haus in der Kaltenhöfer Straße: Schwalben sind etwa von April bis Mitte September in nordischen Breiten. Quelle: Foto: Scharata (hfr)
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Bad Schwartau

„Wir fordern die Menschen auf, sich an einer neuen Aktion zu beteiligen“, sagt die zweite Vorsitzende des Nabu Bad Schwartau, Elisabeth Untermann. In Schleswig-Holstein gebe es das Projekt „Schwalbenfreundliches Haus“ erst seit diesem Jahr. Dabei vergibt der Nabu Plaketten an Hausbesitzer, die Schwalben an ihren Gebäuden brüten lassen, „Starthilfen“ für den Nestbau aufhängen, eine Lehmpfütze oder einen naturnahen Garten anlegen.

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Neue Aktion in Schleswig-Holstein – Erste Grundstücksbesitzer im Kreis haben Plaketten.

Der Ortsverein hat in Ostholstein bisher rund ein Dutzend Plaketten vergeben. Gestern ist in Bad Schwartau Stephan Scharata ausgezeichnet worden. An seinem Haus in der Kaltenhöfer Straße hängen 31 Nistkästen – ein Großteil davon selbst gebaut. Seit gut 20 Jahren liefert er so einen Beitrag zum Schutz insbesondere der Mehlschwalben, die auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands stehen.

„Erst habe ich Kunstnester aus Holzbeton verwendet, das geht aber ziemlich ins Geld. Deswegen habe ich angefangen, sie selbst zu bauen“, erklärt Scharata und zeigt ein Negativ für die Herstellung.

Das „Rezept“: 200 Milliliter Gips, eine Handvoll Sägespäne und 90 Milliliter Wasser.

„Ich bin hier groß geworden, früher gab es hier fast überall Schwalben“, erinnert er sich. Bauern profitierten von den Fliegenfängern, heute sehen sie sich eher genötigt ihre Ställe zu schließen, um Hygiene-Richtlinien zu erfüllen. Die Flugakrobaten gefährden jedoch weder Gesundheit noch Lebensmittelsicherheit, betont der Naturschutzbund – die Vögel im Stall seien für Kontrolleure kein Grund für Beanstandungen. „Es gibt immer noch viele Leute, die die Nester trotzdem wegstoßen“, sagt Henrike Jordan, Vorsitzende des Nabu Bad Schwartau. „Es werden immer weniger.“ Es fehlt an Nistmöglichkeiten und geeignetem Material für den Nestbau. Die Menschen stören sich am Kot und den Resten des Nistmaterials. Der Nabu empfiehlt die Montage von vorgefertigten Nestern unter der Dachtraufe oder Balkonen. Gegen Verschmutzung hilft ein Kotbrett etwa 40 Zentimeter unterhalb der Nester. „Kleine Oasen sind so wichtig“, sagt ihr Mann Helmut Jordan – genau wie bei Stephan Scharata, der neben Insektenhotels und 17 Nistkästen für andere Vogelarten – wie Sperlinge und Meisen – auch einen kleinen Teich in seinem Garten beherbergt. Er dient als Badestelle und Futterquelle für die Vögel.

Schwalben fühlen sich in einer von Menschen geprägten Umgebung wohl. Ebenso wie Mauersegler und Haussperling sind sie aus Dörfern und Städten nicht wegzudenken. Dennoch gehören sie zu den „Sorgenvögeln“: Bundesweit gehen die Bestände von Mehl- und Rauchschwalben seit Jahren zurück. Die Arten sind nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie geschützt. Nester zu beschädigen oder zu entfernen, ist verboten. Wer es doch tut, begeht mindestens eine Ordnungswidrigkeit – in der Brutzeit gar eine Straftat.

Boten des Glücks

Der Nabu Mecklenburg-Vorpommern hat 2007 die Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ ins Leben gerufen. Wesentlicher Grund dafür war, dass Touristen sich beschwert haben, dass Schwalbennester in ihren Urlaubsdomizilen zerstört werden. Inzwischen beteiligen sich fast alle Bundesländer – Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg seit diesem Jahr.

Bei dieser Aktion profitieren Hotels, Pensionen und Restaurants von der öffentlichkeitswirksamen Auszeichnung. Auch Privatleute machen die Aktion damit bekannter. „Wir nehmen sehr gern Hinweise entgegen, wo besonders für Schwalben gute Voraussetzungen geschaffen wurden“, sagt Elisabeth Untermann vom Nabu. „ Früher galten Schwalben als Boten des Glücks.“ Sie schützten das Haus vor Feuer und Blitz und bewahrten das Vieh im Stall vor Krankheiten. Heute wird der Lebensraum der Tiere immer kleiner.

 Irene Burow

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