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Bad Schwartau Nach vier Jahren endlich wieder Geburtstag
Lokales Bad Schwartau Nach vier Jahren endlich wieder Geburtstag
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18:16 27.02.2016
Dilek aus Stockelsdorf wird morgen acht Jahre alt. Quelle: Fotos: Meyer (4), Privat
Manche Menschen altern einfach langsamer, zumindest auf dem Papier. Bloß alle vier Jahre haben Menschen, die in einem Schaltjahr geboren sind, eigentlich Geburtstag. Dieses Schicksal teilen in Bad Schwartau insgesamt zehn Personen, der Jüngste feiert jetzt seinen 20. die Älteste den 96. Geburtstag. In Stockelsdorf gibt es zwölf Personen, die am Montag ein Jahr älter werden — die Jüngste von ihnen wird acht, der Älteste 84. Einige der Geburtstagskinder haben verraten, wie es sich mit dem speziellen Geburtstag lebt — von gefälschten Geburtsurkunden bis zu kleinen Ärgernissen.

Warum gibt es Schaltjahre?

365 Tage, 5 Stunden, 55 Minuten und 12 Sekunden braucht die Erde, um einmal um die Sonne zu kreisen. Jedes Jahr ist also genau genommen 365 und einen Viertel Tage lang. Binnen vier Jahren sammelt sich also ein zusätzlicher Tag an — nämlich der 29. Februar.

„Eigentlich bin ich erst zwei Jahre alt“, sagt Dilek aus Stockelsdorf, die ihren achten Geburtstag feiert. „Damit ärgern mich manchmal die Jungs aus meiner Klasse, die sagen, ich bin noch ein Kleinkind.“ Aber die taffe Grundschülerin weiß sich zu wehren: „Ich sage dann immer, dass ich dafür aber schlau bin.“ Dilek freut sich besonders auf diesen Geburtstag. „An den echten Geburtstagen bekomme ich noch mehr Geschenke“, sagt sie lachend. Auch Sadok aus Krumbeck freut sich auf diesen Geburtstag umso mehr. „Das ist schon was anderes.“ Normalerweise feiert er wie Dilek am 1. März nach — und so richtig echt fühlt sich das, wie er sagt, nicht an. „Mein kleiner Bruder, der ist sieben, ärgert mich oft — er meint, ich sei erst vier und er der Ältere.“ Dabei wird Sadock morgen 16 Jahre alt. „Ich hätte mir für ihn eher gewünscht, dass er noch am 28. Februar auf die Welt kommt“, gesteht Vater Hedi Amara. „Als Kind war er von dem Tag gar nicht begeistert.“ Der Schüler kam am 29.
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David Bäuerle feiert mit Michaela Radzuin in Australien.

Februar 2000 als erstes Schalttags-Baby in Lübeck um 0.14 Uhr in der Uniklinik auf die Welt. Damals war er deshalb bereits in den Lübecker Nachrichten. „Ich war schon morgens um 7 Uhr im Krankenhaus“, erinnert sich Ahlem Amara. „Mit den Ärzten und Schwestern habe ich gehofft, dass er noch an dem Tag kommt.“

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge feiert David Bäuerle aus Bad Schwartau seinen Geburtstag. Der 19-Jährige ist derzeit in Australien. „Ich bin ziemlich traurig, dass ich diesen Geburtstag soweit weg von meiner Familie und meinen Freunden verbringen muss“, sagt er. Der Abiturient muss nun mit Michaela Radziun Vorlieb nehmen — seine beste Freundin, die ihn bei seinem Auslandsabenteuer begleitet. „Ich bin froh, dass ich wenigstens eine vertraute Person um mich habe“, sagt er lachend. Die beiden wollen am Strand auf den Geburtstag anstoßen. „An dem Tag nervt mich etwas, dass viele Leute immer nicht wissen, wann sie mir gratulieren sollen — also am 28. oder am 1. März. Ich habe dafür aber auch Verständnis.“ Seine Mutter Tanja Bäuerle gesteht lachend: „Wir sind mit dem Geburtstag immer etwas sarkastisch umgegangen — wie gut, dass wir nur alle vier Jahre Geschenke kaufen müssen, haben wir gesagt.“ Weil David nach 12 Uhr mittags auf die Welt gekommen ist, hätten sie mit ihm immer am 1.

März gefeiert. „Dieses Jahr ist er nun leider nicht da.“

Auch Hans-Hermann Sievert blickt dem morgigen Tag mit gemischten Gefühlen entgegen: „Das Älterwerden ist kein Grund mehr zur Freude“, sagt der 67-Jährige lachend. „An den Geburtstag habe ich mich mit der Zeit gewöhnt, aber als Kind, fand ich das doof.“ Am 28. Februar habe er immer gefeiert, erinnert sich Sievert. „Ich fühle mich als Februar-Kind.“ Die meisten Glückwunsche seien trotzdem erst am 1. März eingetrudelt. Zur Feier des echten Geburtstag sollte nun ein Fass aufgemacht werden, das habe ein Bekannter vorgeschlagen. „Wir feiern aber im kleinen Rahmen mit der Familie“, verrät der gebürtige Itzehoer.

An seinen Geburtstag in der Bar seines Freundes Berni erinnert sich Egon Hauser am liebsten zurück, gerne schaut er die alten Fotos an. „Wir haben angestoßen und Schallplatten gehört“, sagt Hauser, der morgen 68 Jahre alt wird. „Bernie kenne ich seit ich neun Jahre bin.“ Als Jugendlicher habe er Geburtstage noch groß gefeiert, „heute ist das ein Tag wie jeder andere“. Im kleinen Kreis mit seinem Sohn und seiner Frau sei ein Essen geplant. „Wäre es nach den Ärzten gegangen, hätte ich am 1. März Geburtstag“, erzählt der pensionierte Isolierer, der in der ganzen Welt gelebt hat. „Die wollten das einfach in die Geburtsurkunde schreiben, aber meine Mutter wollte nicht.“ So blieb er ein Schalttags-Geburtstagskind. Dafür kassierte er von Kollegen auch mal blöde Sprüche. „Alle vier Jahre Geburtstag — du wirst ja nie älter, haben sie gelästert“, sagt Hauser. „Schön wär‘s.“

Kim Meyer

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