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Bad Schwartau Nastassja Kinskis Teilzeit-Elternhaus
Lokales Bad Schwartau Nastassja Kinskis Teilzeit-Elternhaus
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21:15 26.11.2016
Das Wohnzimmer in einer Szene mit Nastassja Kinski als Schülerin Sina und Christian Quadflieg als Lehrer Fichte. Im Hintergrund ist der See zu sehen.

. Tolle Lage, spannende Geschichte, ungewöhnlicher Stil: Die Villa an der Stadtbeker Straße in Bosau ist etwas ganz Besonderes. Es ist das „Reifezeugnis“-Haus. Teile der berühmten „Tatort“-Folge mit Nastassja Kinski, Christian Quadflieg und Judy Winter aus dem Jahr 1977 wurden in diesem Haus gedreht. Jetzt steht es gerade zum Verkauf.

In der Villa in Bosau wurden Szenen des Tatorts „Reifezeugnis“ gedreht – Haus steht zum Verkauf.

Die Villa thront hoch über dem Großen Plöner See, und wenn es draußen nicht ganz so neblig ist wie gerade jetzt, bietet sich durch die riesigen Panoramafenster ein grandioser Ausblick. Im Film war die Villa das Elternhaus der Schülerin Sina (Nastassja Kinski), die eine verhängnisvolle Beziehung mit ihrem Lehrer Fichte (Christian Quadflieg) hat. Im Film besucht er sie zu Hause, erst reden sie im Wohnzimmer miteinander, im Hintergrund liegt der See. Anschließend landen sie im Jungmädchenzimmer von Sina im Bett.

Im Film ist das Wohnzimmer mit schweren braunen Ledersesseln, Zinntellern und Kupferschalen über dem Kaminsims, einem Perserteppich und geblümten Vorhängen möbliert. Heute präsentiert sich der etwa 50 Quadratmeter große Raum, den Makler Cord Hansen von der Firma Dahler & Company Kiel den Kaufinteressenten zeigt, als großer, leerer Raum. Wie einst Lehrer Fichte steht nun Makler Hansen vor den Panoramafenstern und schaut hinaus.

„Es ist“, sagt er, „eine Liebhaber-Immobilie.“ Die Villa präsentiert sich noch heute im unverfälschten 60er-Jahre-Stil. Erbaut 1965, entworfen von einem Architekten namens H. Hagge aus Hamburg, verkörpert das Gebäude auf jedem der 242 Quadratmeter Wohnfläche den unverfälschten Retro-Charme, der heute wieder zunehmend Liebhaber gewinnt. Fußböden aus teurem Travertin, ein schwarz gefliestes Badezimmer, schmiedeeiserne Geländer an der großen Panorama-Terrasse, drei Kamine (einer drinnen, zwei draußen) und in der Außenansicht viel Glas, weiße Wände und ein wie ein Monolith wirkender, mit dunklem Klinker verkleideter riesiger Schornstein, der sich von außen sichtbar durch alle Etagen zieht. Das Wohnzimmer wird von einer Deckenheizung erwärmt, etwas, das selbst Makler Hansen noch nie zuvor gesehen hat. Er ist sich darüber im Klaren, dass das Haus einem langen Sanierungsstau unterliegt, wirbt aber mit „Lage gut, Architektur gut, Potenzial gut“ für die Villa.

Das Haus erfordert aber nicht nur Liebe zum Stil der 1960er-Jahre, es erfordert auch Fantasie. Wie soll der große Wohnraum eingerichtet werden? Wohl kaum so, wie er bei den Dreharbeiten für „Reifezeugnis“ aussah. Die Einrichtung damals vermittelte einen Hauch von neureicher Spießigkeit. Auch die Korbmöbel und die hellbraun-dunkelbraun-grau gemusterte Tapete in Sinas Mädchenzimmer dürften wohl kaum einem heutigen Teenager gefallen. Immerhin war der Raum nicht nur Filmkulisse. Nastassja Kinski soll während der Dreharbeiten ab und zu dort übernachtet haben.

Der Rest des Teams musste sich mit einem Wohnwagen als Kantine und Garderobe zufrieden geben, berichtet eine direkte Nachbarin, die bereits damals dort wohnte. Besondere Freude an den Dreharbeiten hatte ihr Dackel „Fricko“, der regelmäßig zu den Filmleuten lief, um sich dort in deren Mittagspause das eine oder andere Kotelett abzuholen.

Als die Filmcrew wieder weg war, erlebte das Haus eine wechselvolle Geschichte. Kurz danach, berichtet die Nachbarin, habe eine Gruppe aus dem Hamburger Rotlichtmilieu dort gewohnt, deren zwei riesige Doggen die Nachbarschaft in Angst und Schrecken versetzten, weil sie immer frei herumlaufen durften. Weitere Besitzerwechsel folgten, bis das Haus Mitte der 80er-Jahre von den jetzigen Eigentümern erworben wurde. Sie wollen es aus Altersgründen verkaufen.

Wer es kauft, bekommt nicht nur zusätzlich zu den 242 Quadratmetern Wohnfläche samt Schwimmbad, Wellnessbereich und Einliegerwohnung knapp 4000 Quadratmeter Grundstück und einen traumhaften Seeblick dazu, sondern auch viel zu tun. Filmfreunde können sogar noch einmal den Kühlschrank öffnen, aus dem Nastassja Kinski einst den Orangensaft für Christian Quadflieg nahm. Die ausgemusterten Küchenmöbel stehen noch in einem Abstellraum.

Susanne Peyronnet

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