Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Operation Madagaskar
Lokales Bad Schwartau Operation Madagaskar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:22 06.09.2013
Der weitaus größte Teil der Patienten, die vom medizinischen Personal aus Deutschland in Madagaskar behandelt werden, sind Kinder.

Am 25. Oktober hebt der Flieger ab Richtung Madagaskar. Das, womit die Koffer der Reisenden aus Bad Schwartau bestückt werden, liegt zum größten Teil schon bereit: Verbandszeug, Spritzen, Desinfektionsmittel, sterile Latexhandschuhe, Skalpelle, Medikamente und noch weitere diverse Dinge, die man im OP-Saal so braucht. „Für sich selbst privat nimmt jeder nur das Nötigste mit, was ins Handgepäck passt, mehr nicht“, erklärt Dr. Gie Vandehult und lächelt.

Auch wenn Madagaskar — zwölf Flugstunden Richtung Süden — palmengesäumte Strände, tropische Temperaturen und exotisches Flair zu bieten hat, was Dr. Gie Vandehult und ihre sieben Mitstreiter dort auf der zu Afrika gehörenden Insel machen, ist alles andere als Urlaub. „Was wir da machen, das ist Arbeiten im Akkord“, erklärt Volker Galle, Anästhesist in der Bad Schwartauer Ostsee-Praxisklinik. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird das achtköpfige Team aus Ärzten, OP-Schwestern und anderen Helfern aus Bad Schwartau in zweieinhalb Wochen rund 150 Patienten operieren. Freiwillig. Kostenlos.

Und das unter absolut widrigen Bedingungen. Mit verdrecktem Wasser und dürftigem Licht dank eines dieselbetriebenen Notstromaggregats in tropischer Hitze. Denn in dem klimatisch anmutenden Paradies herrscht bittere Armut.

Zum inzwischen neunten Mal seit 2006 fliegt ein bis zwei Mal pro Jahr ein Ärzteteam aus Bad Schwartau für den Hilfsverein Pro Interplast in das afrikanische Dritte-Welt-Land, um dort vor allem entstellten und missgebildeten Kindern durch eine Operation zu einem menschenwürdigeren Leben zu verhelfen. Es handelt sich dabei um Krankheitsbilder wie die Lippen-Gaumen-Spalte, handballgroße Tumore am Kinn, von Geburt an fehlende Unterkiefer oder vernarbte Haut infolge schwerster Verbrennungen. „Dort gibt es Krankheitsbilder“, erklärt Dr. Gie Vandehult, „die wir hier bei uns gar nicht kennen.“ Das sei zum Teil dem Umstand geschuldet, dass die Menschen dort oftmals auch innerhalb der Verwandtschaft heiraten und aufgrund der genetischen Disposition das Risiko von Fehlbildungen per se größer ist.

„Sehr schlimm sind dort auch die Verbrennungen“, sagt Volker Galle, „denn dort wird am offenen Feuer gekocht.“ Besonders häufig und besonders schlimm seien dann die Verletzungen, die Kinder erleiden bei einem Unfall mit offenem Feuer oder kochendem Wasser. Von den behandelten Patienten sind 70 Prozent Kinder unter zehn Jahren. „Unbehandelt bilden sich großflächig schmerzende Narben, die zu einer Schonhaltung führen“, so Galle. Und das wiederum führe dann im Laufe der Zeit letztlich zu Bewegungseinschränkungen.

Und wenn ein solches Schicksal die Ärmsten der Armen trifft, die sich nie eine medizinische Behandlung leisten können, dann bleiben diese Menschen für den Rest ihres Lebens im wahrsten Sinne des Wortes gezeichnet. Genau hier setzt die Arbeit von Pro Interplast an. „Denn die Menschen dort unten haben wenig bis nichts“, so Dr. Gie Vandehult, „aber es gibt dort einen Haufen kranker Menschen.“ So viele, dass nie alle, die auf der Liste stehen, wenn das Team aus Deutschland wieder anreist, behandelt werden können. „Dann müssen wir auswählen“, so Vandehult weiter.

In Zukunft sollen aber noch ein paar mehr Kranke in Madagaskar die Chance auf eine Behandlung haben. Derzeit wird unter Bad Schwartauer Leitung ein zweites Medizin-Team mit Experten aus Leipzig zusammengestellt. Im Oktober soll das neue Team bereits mitreisen nach Madagaskar, um eingearbeitet zu werden und sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen. Im kommenden Jahr sollen die Leipziger dann als Verstärkung des Solbadstädter Teams zum ersten Mal allein zur „Operation Madagaskar“ aufbrechen.

Und natürlich nehmen alle, die da mitmachen, Urlaub. Doch die Zeit der Erholung beginnt allerdings frühestens nach der Rückkehr in die Heimat — selbst dann, wenn in Deutschland tristes November-Wetter herrscht.

Spendenkonto
Besondere Unterstützung erhält das Bad Schwartauer Mediziner-Team von der Ostsee-Praxisklinik in Bad Schwartau durch Sachspenden. Der Hauptsponsor — z.B. für ein Brunnenbauprojekt, um sauberes Trinkwasser zu bekommen — ist der Rotary Club Timmendorfer Strand. Wer die Arbeit der Bad Schwartauer Mediziner unterstützen will, kann Geld auf dem Spendenkonto: 280 208, BLZ:

50 692 100 Stichwort: „Dr. Vandehult, Madagaskar“ bei der Volksbank Seligenstadt einzahlen.

Doreen Dankert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Für bessere Integration: Tag soll Menschen verschiedener Herkunft zusammenbringen.

06.09.2013

Der Projektchor Blue Lake startet sein neues Vorhaben. Nach Carmina Burana, Elias, Requiem von Brahms und Verdi sowie „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn kommen nun knapp 60 Mitstreiter zusammen, ...

06.09.2013
Bad Schwartau Bad Schwartau / Stockelsdorf - Noch Plätze frei in VHS-Kursen

Die Volkshochschulen in Bad Schwartau und Stockelsdorf haben noch Kapazitäten.

06.09.2013
Anzeige