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Bad Schwartau Angeklagter googelte nach Mordfällen
Lokales Bad Schwartau Angeklagter googelte nach Mordfällen
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12:31 14.09.2018
Der 40-jährigen Wulfsdorfer, der seine Frau getötet haben soll, muss sich vor dem Lübecker Landgericht verantworten. Quelle: BEKE ZILL
Wulfsdorf

Die Anklage wiegt schwer: Ein 40-jähriger Wulfsdorfer soll seine eigene Ehefrau in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember 2017 aus niedrigen Beweggründen getötet haben. Er soll sie mit einem Kissen im Schlaf erstickt, in Folie eingewickelt und sie im eigenen Garten vergraben haben. Noch am 27. Dezember soll seine Geliebte zu dem Wulfsdorfer und seinem damals zehnjährigen Sohn gezogen sein. Vor dem Landgericht Lübeck schwieg der Angeklagte am ersten Verhandlungstag.

Einer psychologischen Sachverständigen gestand er bei einem Treffen in der JVA im August jedoch, dass er von der Nacht keine Erinnerung mehr habe, morgens neben seiner toten Frau aufgewacht sei, sie mit Folie eingewickelt und in den Gartenschuppen gebracht habe. Der Polizei erzählte er kurz nach dem Leichenfund wiederum, dass sich seine Frau in die Schweiz abgesetzt habe. Vor Gericht berichteten zwei Beamten von der Suche nach der Getöteten und den Vernehmungen des Ostholsteiners.

Als ein Beamter klingelt, ist die Geliebte im Haus

Kurz vor Silvester 2017 erschien die Ehefrau des Angeklagten nicht bei ihrer Arbeit in Niendorf. Die Mitarbeiter machten sich Sorgen und riefen die Polizei. „Die Ehefrau wurde von der Arbeitsstelle als vermisst gemeldet“, sagte der 50-jährige Polizist als Zeuge. Deshalb fuhr der Beamte am 29. Dezember zum Haus des Ehepaares in das 200-Seelen-Dorf Wulfsdorf. Beide kannten sich von der Feuerwehr, in der der Angeklagte Mitglied war. „Ich habe an der Tür geklingelt. Ute (Name geändert) und die Kinder waren da“, berichtete der Beamte. Er kannte die Geliebte, die er durch die geöffnete Tür sah, von der benachbarten Feuerwehr. Der Zeuge wusste nach eigenen Angaben jedoch nichts von der Affäre.

Der Wulfsdorfer habe es ihm jedoch gleich erklärt, gab der Polizist an. Der Angeklagte sagte demnach, dass es in der Beziehung zwischen ihm und seiner Frau Probleme gegeben habe. Mit seiner Ehefrau sei abgesprochen, dass Ute H. einziehen dürfe, weil es bei ihr zu Hause Schwierigkeiten gebe. Es sei nicht so, wie es aussehe, versicherte der 40-Jährige.

Polizist schöpft zunächst keinen Verdacht

Seine Frau sei vor ein oder zwei Tagen mit Arbeitskollegen in die Schweiz gefahren. Man habe sich auseinandergelebt, gestritten habe man sich aber nicht. Er könne sie derzeit telefonisch nicht erreichen, erinnerte sich der Polizist an die Worte des Ostholsteiners, der das „erst mal so hingenommen“ habe. „Ich bin nicht von einem Tötungsdelikt ausgegangen.“ Weiter erzählte der 40-Jährige dem Beamten, dass seine Ehefrau sich ganz früh morgens am 27. Dezember 2017 von dem Jungen verabschiedet habe, ihre Weihnachtsgeschenke stehen ließ und angespartes Bargeld in Höhe von 2000 Euro mitgenommen habe. Sie wollte für ein paar Monate als Saisonkraft in die Schweiz gehen, so die Aussage des Wulfsdorfers. „Das war nachvollziehbar“, schilderte der Beamte. „Ein Anhaltspunkt zur Straftat konnte nicht erkannt werden.“ Sie hätten sich ruhig und sachlich unterhalten, sagte der 50-Jährige. Er kenne den Angeklagten auch anders. „Er konnte sehr explosiv und unsachlich sein“, berichtete er von Feuerwehr-Sitzungen.

Am 5. Januar übernahm die Lübecker Mordkommission die Ermittlungen. Durchsuchungen des Hauses der dreiköpfigen Familie und die Vernehmung des Ehemannes führten zu seiner vorläufigen Festnahme.

Angeklagter informierte sich im Netz über die Entsorgung von Leichen

Ein anderer Polizeibeamter, der bei den Vernehmungen Anfang des Jahres mit dabei war, sagte im Prozess vor dem Lübecker Landgericht ebenfalls als Zeuge aus. Die Ermittler konfrontierten den Wulfsdorfer auch mit den Auswertungen seiner Handydaten. So habe sich der 40-Jährige gegen 2 Uhr in der Tatnacht neben Pornos im Internet über Bestattungen von Tieren, Verwesung von Menschen, die Entsorgung von Leichen und über ungeklärte Mordfälle in Schleswig-Holstein informiert, berichtete der Beamte. Weil ein überfahrener Hund auf einem benachbarten Hof, auf dem er arbeitete, im Garten vergraben wurde, wollte er sich darüber informieren, erklärte der Wulfsdorfer laut dem Beamten. Das sei ihm so in den Sinn gekommen. Dann habe die Suchmaschine im Internet ihm weitere themenverwandte Vorschläge gemacht.

Am 16. Januar wurde die Leiche der Frau schließlich vergraben unter einem Beet in ihrem Garten entdeckt

Die nächsten Verhandlungstage

Elf Verhandlungstage hat das Landgericht Lübeck angesetzt. 32 Zeugen und zwei Sachverständige werden insgesamt geladen. Der zweite Verhandlungstag beginnt am 26. September. Folgetermine: 18. und 26. Oktober, am 2., 9., 14., 16., 26. und 30. November sowie am 7. Dezember.

Artikel zum Prozessauftakt: Erster Prozesstag: Psychiaterin sagt aus

Beke Zill

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