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Bad Schwartau Praxis ohne Grenzen muss schließen
Lokales Bad Schwartau Praxis ohne Grenzen muss schließen
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20:41 29.12.2017

Zigtausende Menschen in Deutschland haben keine Krankenversicherung. Neben Obdachlosen trifft es vor allem Mittelständler, die sich die Beiträge sparen, um ihre Selbstständigkeit nicht zu gefährden.

„Die Praxis in Stockelsdorf hat eine optimale Lage.“Harald Werner Projektleiter
„Dann suchen sich die Menschen andere Anlaufpunkte“Dr. Uwe Denker aus Bad Segeberg

Ihnen wollten die Vereinsvorsitzende Christine Friedrich und mehr als zehn weitere Ostholsteiner Ärzte helfen. Vorbild ist das Angebot von Dr. Uwe Denker aus Bad Segeberg. Die dortige Praxis läuft seit Jahren, die Nachfrage ist hoch. Dieser bedauert die Schließung der Praxis in Neustadt. Er vermutet, dass diese Praxis zu wenig bekannt gewesen ist. „Dann suchen sich die Menschen andere Anlaufpunkte“, vermutet Dr. Uwe Denker.

Gutes Netzwerk und optimale Lage

Ein solcher Anlaufpunkt wäre nämlich auch die Praxis ohne Grenzen in Stockelsdorf. 2010 wurde diese Praxis unter ärztlicher Leitung von Dr. Gisela Wartke gegründet. Als die engagierte Ärztin im Alter von 72 Jahren 2014 plötzlich verstarb, musste der Praxisbetrieb für mehrere Monate mangels ärztlichem Fachpersonal auf Eis gelegt werden. „Wir mussten alles neu organisieren, und das haben wir getan“, erklärt Harald Werner, erster Vorsitzender des Trägervereins und zugleich Leiter dieses Projekts. „Die Zukunft dieser Praxis ist gesichert“, betont Werner.

Vier Ärzte – ein Psychologe/Neurologe, zwei Allgemeinmediziner und ein Internist – kümmern sich in Stockelsdorf um die Patienten, die medizinische Hilfe brauchen, sich aber keine Krankenversicherung leisten können. Assistiert wird die Arbeit der Ärzte von drei Ehrenamtlern, die eine medizinische Fachausbildung haben. Einer dieser Assistenten ist im Übrigen auch Harald Werner.

Von Anfang an

gut angenommen

Zwischen 120 und 130 Patientenkontakte im Jahr verbucht die Stockelsdorfer Praxis ohne Grenzen, die immer mittwochs ihre Sprechstunde hat. Der Bedarf sei gleichbleibend auf diesem hohen Niveau, so Harald Werner. „Und für absolute Notfälle haben wir eine 24-Stunden-Rufbereitschaft“, erklärt Werner, der den Erfolg dieser Praxis auch „auf ein wirklich gutes Netzwerk, aber auch auf eine optimale Lage“ zurückführt. Bereits im ersten Jahr nach Eröffnung hatte die Praxis ohne Grenzen in Stockelsdorf einen Zulauf von über 100 Patienten.

Herauskristallisiert hat sich, dass 50 Prozent der Patienten aus Lübeck kommen, so Werner, die andere Hälfte kommt aus Stockelsdorf, Bad Schwartau, Ratekau und Timmendorfer Strand. „Wir hatten hier aber sogar auch schon mal Patienten aus Rostock und Bremen“, sagt Werner.

Um den Betrieb zu sichern, ist die Praxis immer wieder auf Spenden angewiesen. Eine größere Summe steuert jedes Jahr die Bluhme-Jebsen-Stiftung bei, wodurch allein schon mal die Kosten für die Praxisräume im zentral gelegenen Mehrgenerationenhaus in der Marienburgstraße 5, für das Telefon und die Versicherung der Ärzte beglichen werden können.

Kein Patient in der Sprechstunde

In Neustadt lief es von Beginn an anders. Von Anfang an war die Resonanz verhalten, auch ein Umzug in die besser gelegenen Räumlichkeiten von Dr. Jons-Uwe Giszas in der Neustädter Brückstraße änderte daran nichts. Die Zahl der Patienten nahm trotz der zentraleren Lage und besseren Anbindung an den Nahverkehr nicht zu. „Die Nachfrage ist so gering, dass es sich nicht lohnt, die Praxis weiterhin zu öffnen. Wir sehen den Bedarf nicht“, erläutert Christine Friedrich. Nicht selten sei kein Patient in die Sprechstunde gekommen. Die Vorsitzende begründet dies auch damit, dass es in der Region nicht so viele Freiberufler ohne Krankenversicherung gebe. Sie sagt, auch wenn es ein Gefühl der Enttäuschung gebe: „Unterm Strich fällt das Fazit aber positiv aus. “

Bereits am 21. Dezember fand die letzte Sprechstunde statt. Der Verein ist so gut wie aufgelöst. Wer dennoch eine kostenlose und anonyme Behandlung benötigt, muss nun zu anderen Standorten fahren. „Die Praxismitarbeiter werden zum Teil auch in anderen Praxen, wie der in Stockelsdorf, mitarbeiten“, erläutert Friedrich.

„Die Praxis in Stockelsdorf steht auf jeden Fall jedem offen, der Hilfe braucht“, versichert Harald Werner. Und er kündigt schon mal an, dass der Vorstand des Trägervereins in neuen Jahr aus gegebenem Anlass auch bei Lübecker Stiftungen um finanzielle Unterstützung werben will.

Von Doreen Dankert und Sebastian Rosenkötter

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