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Bad Schwartau Premiere für Theaterstück "Reise ins Regenbogenland"
Lokales Bad Schwartau Premiere für Theaterstück "Reise ins Regenbogenland"
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20:24 20.04.2017
Die siebenjährige Hajer aus dem Irak zeigt eine Tigermaske, die für das Theaterstück gebastelt wurde. Quelle: Fotos: Irene Burow (2), Hfr

Die Regentrommel kündigt die Tropfen an, Taschenlampen zeigen den Weg: Rund 15 Schüler machen sich in Kürze auf ins Regenbogenland. Die Kinder der Grundschule Bad Schwartau, die noch Deutsch lernen, malen für das Bühnenbild, musizieren gemeinsam und bringen schließlich ein Theaterstück auf die Bühne.

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Die Flüchtlingswelle ist vorüber, doch die Projekte laufen weiter – „Mamut“ trägt erste Früchte.

Termin am 8. Juli

Das Theaterstück „Reise ins Regenbogenland“ wird am 8. Juli um 16 Uhr in der Grundschule Bad Schwartau aufgeführt. Der Eintritt ist frei. Spenden sichern die Fortführung des Projektes.

Das „Mamut“-Projekt der Arbeiterwohlfahrt (Awo) trägt erste Früchte. Das Theaterstück wird im Juli aufgeführt. Das freut Hannelore Witt, Leiterin der Bad Schwartauer Awo-Flüchtlingshilfe, besonders.

„Die Beteiligten sind mit Durchhaltevermögen, Engagement und Herz bei der Sache“, sagt sie. „Wir dürfen nicht nachlassen mit der Flüchtlingsarbeit“, mahnt sie gleichzeitig. „Ich spüre eine gewisse Müdigkeit, was das angeht.“ Der Höhepunkt der Flüchtlingswelle sei nun zwei Jahre her. „Die Menschen glauben, es gibt inzwischen genug Integrationsvorhaben, aber das stimmt nicht.“ Das dürfe nicht in Vergessenheit geraten, sagt auch die Musikerin Gesa Richter. „Wir sitzen alle in einem Boot, wir alle in der Gesellschaft.“ Und so stehe das Theaterstück gewissermaßen symbolisch auch für die Aufforderung an alle Bad Schwartauer, sich weiterhin einzubringen. Denn auch in „Die Reise ins Regenbogenland“ sitzen alle in einem Boot. Die Kinder erwachen mit einer Inspiration durch einen Traum:

Sie sollten ein Boot bauen. Gemeinsam schaffen sie das, bestehen Abenteuer, und erreichen schließlich mit einer Schar von Lieblingstieren das bunte Land.

„Wir wollen nicht die super Bühnenshow hinlegen, uns geht es vor allem um den pädagogischen Effekt“, erklärt Gesa Richter, die unter anderem für das Projekt gewonnen werden konnte. In dem Stück gehe es vor allem um Zusammenhalt. Und darum, spielerisch Deutsch zu lernen. „Es ist ein idealer Zustand für ganzheitliches Lernen“, sagt sie. Etwas besseres als Malen, Musik und Theater – kurz gesagt Mamut – gebe es nicht, um sich als Kind auszudrücken. „Wir wollen Vertrauen aufbauen durch Regelmäßigkeit. Auch der Zusammenhalt untereinander wird gefördert. Wir haben Kinder aus Syrien, Litauen, Brasilien oder Afghanistan dabei. Mit den kulturellen Unterschieden ist es nicht immer nur einfach, es ist echte Knochenarbeit.“ Und dennoch seien sich alle einig, dass sie die Kinder nicht als Problem sehen, sondern als Bereicherung. „Und so behandeln wir sie auch“, so Richter. Die Basis der Flüchtlingsarbeit sei die Arbeit mit Kindern, ergänzt Hannelore Witt. „Sie sind unsere Zukunft.

Das kleine Mamut darf gern wachsen und größer werden“, sagt sie lachend. Das Projekt sei ausdrücklich auch offen für einheimische Kinder.

Einmal wöchentlich treffen sich die Gruppen der beiden Daz-Klassen, um durch künstlerische Arbeit ihre Sprachkompetenzen zu erweitern, ihr Selbstbewusstsein zu stärken sowie Angst und Hemmungen vor dem Sprechen abzubauen. Sie sind zwischen sechs und zehn Jahre alt. Zum Team gehören auch die Künstlerinnen Barbara Engel und Angela Siegmund (Malen) sowie Anika Weigang (Theater).

Seit 2015 ist die Awo Bad Schwartau Träger des kulturellen Projektes „Mamut“ an der Grundschule Bad Schwartau. Es wird gefördert von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände in Schleswig-Holstein. Die außerschulische Betreuung durch Lehrkräfte finanziert die Stadt. Die Sparkasse Ostholstein hat die Flüchtlingshilfe zudem kürzlich mit 700 Euro unterstützt. 300 Euro kamen „Mamut“ zugute, 400 Euro dem Projekt „Come together“, bei dem interkulturell musiziert wird.

 Irene Burow

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