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Bad Schwartau Protest gegen feste Beltquerung: Gegner bauen blaue Kreuze
Lokales Bad Schwartau Protest gegen feste Beltquerung: Gegner bauen blaue Kreuze
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12:08 19.10.2015
Willi Brandt hat sogar sein Fahrrad mit einem Kreuz versehen.
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Bad Schwartau

Im Norden des Kreises Ostholstein und in den Nachbargemeinden von Bad Schwartau gehören die blauen Kreuze schon lange zum Landschafts- oder Stadtbild. In der Solbadstadt sind die blauen Holzkreuze bislang nur vereinzelt in Vorgärten zu sehen. Zwei Exemplare wurden jüngst auch am Bahnhofsgebäude platziert. „Das ist ganz einfach viel zu wenig. Bad Schwartau muss nun auch endlich in die Puschen kommen“, sagt Hans-Joachim Schramm. Gemeinsam mit anderen Anwohnern aus der Danziger Straße und Umgebung hat sich der Lkw-Mechaniker nun im Werkstattschuppen von Manfred Danielmeyer getroffen. „Ich habe Material für 30 Kreuze organisiert“, verrät der pensionierte Lehrer und passionierte Handwerker. Danielmeyer hat sogar eine Schablone vorgefertigt, denn bei der Herstellung von 30 Kreuzen soll es ja nicht bleiben. „Das wird noch ein langer Kampf und Weg“, sagt Danielmeyer, der sich für den geplanten Tunnelbau und die damit verbundenen Folgen gar nicht erwärmen mag. „Ich verstehe nicht, warum man ein funktionierendes System ändern will. Einen volkswirtschaftlichen Nutzen kann ich bei der Beltquerung beim besten Willen nicht erkennen“, so Danielmeyer. Er befürchtet, dass der Stadtteil Kaltenhof durch den Ausbau des Schienenverkehrs noch weiter ins Hintertreffen gerät. „Wir stehen doch heute schon ständig vor verschlossenen Schranken.“

Willi Brandt (67) hat schon vor Wochen ein selbst gebasteltes Protest-Kreuz an sein Fahrrad montiert. „Man kann sich doch nicht alles gefallen lassen“, so Brandt, der durch den wachsenden Bahnverkehr eine Minderung der Lebensqualität befürchtet. Und mit dieser Sorge steht er nicht alleine da. Am Infostand der „Beltretter“, ein Zusammenschluss von rund 30 Vereinen, Initiativen, Parteien und auch der Gemeinde Ratekau, die gegen das Mammutprojekt sind, herrscht gestern in der Markttwiete reger Betrieb. „Ich bin extra gekommen, um mir blaue Kreuze zu besorgen. Eines kommt an den Gartenzaun, das andere wird ans Auto geklebt“, sagt Heike Sell, die mit ihrem Mann in einem Haus an der Breslauer Straße lebt. „Die Bahnlinie ist nicht weit weg. Der Lärm wird uns voll treffen, auch der Wert unserer Immobilie wird sinken. Mit dem Kreuz wollen wir ein Zeichen setzen“, so Heike Sell.

Rückendeckung kommt von der Bad Schwartauer Politik. Vertreter von WBS, SPD, Grüne und CDU zeigen am Info-Stand Präsenz. „Die Entscheidung über das Projekt wird am Ende in der EU fallen. Durch breiten Protest können wir aber in Sachen Lärmschutz noch viel erreichen“, so Ellen Brümmer (CDU).

Symbol der „Beltretter“
Die blauen Kreuze sind das Symbol der „Beltretter“, die gegen den Bau der festen Beltquerung protestieren. Um die 3000 blaue „Andreaskreuze“ dürften mittlerweile schon entstanden sein. Sie spiegeln den Protest in der Region zwischen Fehmarn und Hamburg gegen den Bau des 18 Kilometer langen Tunnels wider.
Nähere Infos gibt es im Internet unter www.beltretter.de

Sebastian Prey

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