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Bad Schwartau Raafat Mousa — ein Beispiel für gelingende Integration
Lokales Bad Schwartau Raafat Mousa — ein Beispiel für gelingende Integration
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18:17 02.04.2016
Gemeinsam mit und unter Anleitung von Heike Govers vom Spatzenhof in Curau arbeitet Raafat Mousa in der großen Gartenanlage. Der anerkannte Flüchtling hat sich selbst um eine Arbeit gekümmert, weil er dabei gleichzeitig auch seine Deutschkenntnisse verbessern will. Quelle: Fotos: Dd

Qunitra heißt der kleine Ort, 50 Kilometer von Damaskus entfernt. Irgendwann kam der Krieg in Syrien auch hier an. „Es ging einfach nicht mehr, ich konnte nicht mehr weiterstudieren, ich hatte dort keine Perspektive mehr“, sagt Raafat Mousa. Er sagt es auf deutsch — und zwar schon recht gut.

Ein Flüchtling aus Syrien hat sich einen Job gesucht, um etwas Sinnvolles zu tun und dabei zugleich seine Deutschkenntnisse zu verbessern — Ziel ist ein Studium.

Seit 14 Monaten ist der 23-jährige Mann jetzt in Deutschland. Nach seiner Flucht aus Syrien zunächst in die Türkei, dann mit dem Boot nach Griechenland und weiter mit Bus, Bahn und zu Fuß nach Deutschland. Einen Monat und zehn Tage hat die Flucht gedauert, zunächst „landete“ Raafat in Bremen, bald darauf in Stockelsdorf, wo er seitdem im Wohnheim für Migranten lebt. „ Für mich gibt es kein Leben mehr in Syrien, ich will mir hier in Deutschland ein neues Leben aufbauen“, sagt Raafat, der inzwischen den Status eines anerkannten Flüchtlings und den B1-Deutsch-Sprachkursus bereits mit Erfolg absolviert hat. Das B2- Sprachniveau ist gerade in Arbeit. Und dafür büffelt der junge Syrer nicht nur Vokabeln, sondern schafft in Eigenregie Situationen, in denen er gezwungen ist, deutsch zu sprechen. Und nicht nur das — Raafat Mousa hat sich einen Job besorgt, durch den er gleichzeitig für einen Teil seines Lebensunterhaltes selbst aufkommt. Es ist Gartenarbeit, für die der 23-Jährige ein paar mal die Woche von Stockelsdorf nach Curau fährt, um auf einem großen Gehöft, das Spatzenhof genannt wird, da gärtnerisch zu helfen, wo gerade was anliegt. Alles offiziell, angemeldet bei der Agentur für Arbeit. Reichtümer kann Raafat Mousa nicht verdienen, nur ein kleines Zubrot bekommt er ausgezahlt, der größte Teil seines Lohnes wird nämlich angerechnet auf die Sozialleistungen, die er bezieht.

„Ich arbeite gerne hier“, sagt der Syrer, „nicht, weil ich es muss, sondern weil ich es will. Ich will nämlich nicht zu Hause rumsitzen, ich will etwas tun.“ Der Arbeitsvertrag, den Raafat Mousa für die gärtnerischen Tätigkeiten auf dem Spatzenhof hat, ist zwar unbefristet, doch für den Araber ist es klar, dass diese Arbeit eine Frist haben wird, denn sie ist nur ein Meilenstein auf dem Weg zu dem Leben, dass er hier in seiner neuen Heimat anstrebt: „Erst einmal die deutsche Sprache richtig gut beherrschen und dann studieren. Ich weiß, dass die Sprache das Wichtigste ist, um hier wirklich anzukommen.“ BWL und Jura hatte er Raafat Mousa in Damaskus studiert — aber nicht bis zum Ende.

Und mit Gartenarbeit kennt sich der Mann aus Syrien auch aus, denn seine Familie hatte ein Stück Land, „auf dem ich immer gern geholfen habe“.

Zustande gekommen ist der Vertrag zwischen Raafat Mousa und dem Eigentümer des Spatzenhofs als Arbeitgeber durch den Arbeitskreis für Willkommenskultur in Stockelsdorf — und in diesem konkreten Fall durch Pastorin Almuth Jürgensen, deren Mann zufällig der Flüchtlingsbegleiter für Raafat Mousa ist. „Er ist wirklich ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann“, so Almuth Jürgensen.“

Von Doreen Dankert

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