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Bad Schwartau Regelmäßiger Einsatz im Buschkrankenhaus
Lokales Bad Schwartau Regelmäßiger Einsatz im Buschkrankenhaus
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21:09 18.04.2016
Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Menschen haben nur bedingt Zugang zur medizinischen Versorgung. Das Team um Dr. Gie Vandehult (2. v. l.) operiert seit Jahren auf der viertgrößten Insel der Erde. Quelle: privat/hfr

Kein Ärzteteam hat so oft und so lange auf Madagaskar ehrenamtlich medizinische Hilfe geleistet: Seit 2006 fliegt das Team um die Bad Schwartauer Ärztin Dr.

Schwartauer Ärzte leisten seit zehn Jahren medizinische Hilfe auf Madagaskar — Am Donnerstag berichten sie über ihre Arbeit — Nächstes Projekt ist ein Geländewagen.

Gie Vandehult ein bis zweimal pro Jahr zu dem Inselstaat. Was sie dort erleben, steht in keinem Lehrbuch. „Es gibt Krankheitsbilder, die hat man noch nie gesehen“, sagt die Fachärztin für Plastische Chirurgie. „Geschichten gibt es ohne Ende.“ Zum Beispiel die eines Taxifahrers, der mit Hilfe eines Feuerzeuges die Fülle seines Tanks überprüfen wollte und starke Verbrennungen an Mund- und Halspartie erlitt.

Was die Ärzte in all der Zeit geleistet haben, darüber berichtet sie am Donnerstag, 21. April, bei der Landsmannschaft der Ostpreußen. Beginn ist um 14.30 Uhr in der Awo-Begegnungsstätte, Auguststraße 34a. „Helfen, wo der Pfeffer wächst“ lautet das Motto. Vandehult wird mit Bildern das Team vorstellen, von glücklichen Momenten und weniger schönen Erlebnissen berichten. Zum Beispiel wenn Patienten hunderte Kilometer zu Fuß auf sich nehmen, um das Buschkrankenhaus in Manambaro — ein Dorf im bitterarmen Süden der Insel — zu erreichen. Und die Ärzte dann doch nichts tun können. In vielen anderen Fällen können sie es aber: Bei Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten, bei Verbrennungen, Klumpfüßen oder anderen angeborenen Fehlbildungen. Die Eingriffe sind teils aufwändig und schwierig.

Die Patienten werden durch Radio, Zeitungen und Aushänge in den Missions-Stationen über die Ankunft informiert.

Ihr Kollege in der Bad Schwartauer Ostseepraxisklinik, Dr. Thomas Lange, ist seit drei Jahren dabei. Alfred Klindwort, Orthopädietechniker-Meister aus Bad Schwartau, leistet chirurgische und orthopädie-technische Hilfe. Auch Kinderchirurgen und Anästhesisten gehören zum Team. Gemeinsam haben sie viel erreicht: Seit 2015 gibt es fließendes Wasser durch einen Brunnen und Strom. Das ist vor allem auch dem Rotary-Club Lübecker Bucht/Timmendorfer Strand zu verdanken. „Zuvor hat ein Dieselgenerator die Hälfte des Krankenhaus-Budgets verbraucht“, erklärt die Ärztin, deren Vater Entwicklungshelfer war. Seit es die Solaranlage gibt, sind die Kosten für Elektrizität minimal.

Als nächstes soll ein Geländewagen angeschafft werden. Er wird benötigt, um Patienten zu transportieren oder auch, um aufzuklären — zum Beispiel beim Thema Familienplanung. „Das Aussehen des Geländewagens ist nebensächlich, Hauptsache der Motor läuft“, so die Ärztin. Vielleicht sei dies ein Anreiz für Autohäuser, einen solchen Wagen zu suchen und günstig zur Verfügung zu stellen: Das Auto wird mit dem Logo versehen und später im Busch fotografiert.

Herausragend ist die Kontinuität der ehrenamtlichen Hilfe: Weil die Ärzte immer und immer wieder nach Madagaskar reisen, hat sich eine gewissen Routine eingespielt. So können Patienten über Jahre begleitet werden: Orthopäden passen Schienen an, Physiotherapeuten helfen beim Heilungsprozess. Mit Folgeoperationen werden gute Ergebnisse erzielt.

Im Ambohibao Krankenhaus in der Hauptstadt Antananarivo sind die Eingriffe meist vorbereitet. Die Ärzte landen und operieren los. Im Buschkrankenhaus in Manambaro ist das ganz anders. Überhaupt dorthin zu gelangen, ist eine Herausforderung für die Spezialisten. Handyempfang ist selten, die Unterkunft einfach, das Gelände unwegsam. Die Schlaglöcher seien so groß, man könne darin schwimmen:

„Die Infrastruktur ist eine Katastrophe. Und das ist noch geprahlt“, so Vandehult. Meistens läuft es dann so: Einer sichtet die Patienten, die anderen bereiten Operationen vor. So werden jährlich 120 bis 130 Operationen absolviert, 12 bis 14 am Tag an zwei bis drei Tischen.

Die Helfer finanzieren ihren Aufenthalt auf Madagaskar aus eigenen Mitteln und durch Spenden. Sie opfern mindestens die Hälfte ihres Jahresurlaubs für den humanitären Einsatz. „Uns ist es wichtig, vor Ort auszubilden. Es reicht nicht hinzufliegen und alles wegzuoperieren“, sagt die Ärztin. „Erst wenn die Fachkräfte es dort allein schaffen, dann ist das Ziel erreicht.“ Im November fliegen sie wieder los.

Alle Infos: www.medizinische-hilfe-madagaskar.de

Geplante Spendenprojekte

Das Krankenhaus in Manambaro braucht dringend einen neuen, gebrauchten Wagen, um Patienten in der weiteren Umgebung zu versorgen. Wegen der katastrophalen Straßenverhältnisse ist ein All-Rad-Geländewagen notwendig. Der geschätzte finanzielle Aufwand beträgt rund 15000 Euro.

Für 2016 ist zudem geplant, einen zweiten Chirurgen (Assistenzarzt) einzustellen. Dies soll der Entlastung von Dr. Heuric dienen, der seit einem Jahr ununterbrochen 24 Stunden Bereitschaft leistet. Das monatliche Einkommen eines Assistenzarztes beträgt 180 Euro pro Monat.

Spendenkonto:

IBAN: DE73 20050550 1299133783

BIC: HASPDEHHXXX

Von Irene Burow

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