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Bad Schwartau Religionen und Gottesmänner im Theaterlicht
Lokales Bad Schwartau Religionen und Gottesmänner im Theaterlicht
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20:30 28.10.2013
Lilly Walden rechnet als Fräulein Mosimann mit den Weltreligionen ab. Quelle: Gallinat

Es war eine interessante, aber eigenwillige Aufführung. Schauspielerin, Theologin und Musikclownin Lilly Walden vom „Theater Wilde Mischung Berlin“ bot auf Einladung des Bad Schwartauer Frauenforums im gut gefüllten Museum der Stadt Bad Schwartau das Stück „Oh mein Gott — Wozu brauchen wir Religionen? Eine musikalische Theatersatire“.

„Fundamentalismus heute“ — zu diesem Thema ist ein Vortrag angekündigt von Herrn Professor Hurzli, Religionswissenschaftler aus Zürich. Hochrangige Repräsentanten der großen Religionen sind gekommen.

Als sich der Hauptredner verspätet, springt seine Sekretärin Fräulein Mosimann für ihn ein. In dieser komplizierten Situation spricht sie erstmals in der Öffentlichkeit. Mehr noch: Sie singt, tanzt, spielt Trompete, Xylophon und die Handpuppen des Herrn Professors — eben jene bedeutenden Vertreter der großen Religionen. Mit blitzgescheiter Naivität rührt die Sekretärin an den Säulen der Weltreligionen.

Doch das Stück traf nicht bei allen im Publikum den Nerv. In der Pause mehrten sich ablehnende Stimmen von Zuhörerinnen, die zu dem diffizilen Werk nicht so recht Zugang gefunden hatten. Das Stück sei keine leichte Kost, sagten einige, und man könnte sich nicht entspannen. Ganz anders sah das Uschi Kistenmacher aus Bad Schwartau. Ihr hatte die schwungvolle und rasante Performance gut gefallen.

Sie merkte begeistert an, dass man auch Neues entdecken solle.

Lilly Walden nahm dabei ironisch, persiflierend, satirisch und karikierend alle aufs Korn: den Gott der Bibel und des Koran, Calvinisten, Rabbiner, Kardinäle, Mullahs, Hindus und Mormonen — Fundamentalismuskritik als Riesenspaß. Die Künstlerin attackierte dabei scharfzüngig und bitterböse die Hexenverbrennungen im Mittelalter, den Missbrauch von Kindern im Bereich der katholischen Kirche und die heutige Verschwendungssucht, aktuell am Beispiel im Fall von Tebartz-van Elst.

Lilly Walden übte auch harte Kritik am anachronistischen Kastenwesen der Hindus und der Selbstgefälligkeit und Selbstbeweihräucherung von buddhistischen Mönchen. Sie hinterfragte radikal die Prädestinationslehre der Calvinisten und entlarvte auch die scheinbare Wahrheit von Mullahs, Juden und Mormonen, die der Ansicht seien, dass sie die Wahrheit gepachtet hätten.

Nicht unproblematisch bei diesem Event war der Fakt, dass Frau Mosimann ein drolliges und ulkiges Schwyzerdütsch sprach, das nicht von allen Zuhörerinnen und Zuhörern hundertprozentig verstanden wurde. Auch die Musik wie zum Beispiel Ausschnitte aus der Ouvertüre der Oper „Wilhelm Tell“ passte oft nicht zum ernsten und anspruchsvollen Gehalt des Stücks. Lilly Walden glückte es aber, dem Publikum eine geballte Wucht Glaubenskrieg zu vermitteln, ohne dabei zu bedrücken. Sie gab das Fräulein Mosimann mit fantastischer Mimik und Gestik, mit vollem Einsatz, viel Leidenschaft und Hingabe und beherzt und engagiert.

Die Künstlerin erhielt schließlich von den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern sehr viel Beifall. Für die Musik war Brigitta Altermann verantwortlich. Regie führte gekonnt Hubsi Kramar.

Lutz Gallinat

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