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Bad Schwartau Rentner schlägt mit Hackenporsche zu
Lokales Bad Schwartau Rentner schlägt mit Hackenporsche zu
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13:47 06.01.2018
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Timmendorfer Strand/Eutin

Nur mal schnell halten, um eine Kiste Wasser zu kaufen: Diese eher unspektakuläre Aktion hat eine Menge Ärger verursacht – und das kam so: Sehr, sehr voll sei der Parkplatz am Tattag vor einem Timmendorfer Einkaufszentrum gewesen, sagt Ute B. (52, Name geändert), Urlauberin aus Nordrhein-Westfalen, vor dem Eutiner Amtsgericht. Kein Wunder an einem Sonnabendvormittag im Juli zur besten Ferienzeit, da kann es eng werden in Küstennähe. Sie habe ihren Wagen, einen neuen Mercedes-Van, deshalb hinter einer Reihe bereits ungünstig am Rande stehender Fahrzeuge abgestellt, erklärt die Dame aus dem Westen der Republik, wohl halb auf dem Fußweg, leider, aber es sollte doch schnell gehen.

Nicht schnell genug jedoch für Erwin H. (Name geändert), einen 78-jährigen Rentner aus Ostholstein, der zu diesem Zeitpunkt einen Einkaufstrolley – einen sogenannten Hackenporsche – in Richtung Einkaufszentrum zog und sich durch das Auto von Ute B. deutlich eingeschränkt sah. „Der ganze Gehweg war zugeparkt“, schildert der betagte Angeklagte seine Eindrücke lebhaft vor Gericht, „und dann kam mir auch noch eine Frau mit einem Kinderwagen entgegen.“ Er habe deshalb an die Scheibe des Mercedes geklopft und sich anschließend eng gegen das Fahrzeug gestellt, um die genannte Fußgängerin mit dem Kinderwagen vorbeizulassen. „Kann sein, dass ich dabei gegen das Auto gekommen bin“, räumte Erwin H. ein, „aber bestimmt nicht mit Absicht.“

Das beschreibt Ute B. völlig anders. Der Angeklagte habe mit beiden Fäusten gegen die Scheibe an der Beifahrerseite gehämmert und dabei geschimpft: „Das ist kein Parkplatz, so eine Frechheit!“ Sie habe sich bedroht gefühlt, ihr Hund habe sich sogar hinter einem Sitz verkrochen. Dann habe Erwin H. seinen Hackenporsche mehrfach gegen ihren Mercedes „geballert“, was die Zeugin vor Gericht vorführte, indem sie mit einer Ausgabe des Strafgesetzbuches gegen die Verkleidung des Richtertisches schlug. Danach sei der 78-Jährige davonmarschiert. Ute B. nahm offenbar die Verfolgung auf, während ein Zeuge die Polizei alarmierte, der es schließlich gelang, den zornigen Rentner auf dem Wochenmarkt zu stellen.

An dem Mercedes ist ein Schaden von mehr als 1900 Euro entstanden. Exakt 77,5 Prozent dieser Summe habe sein Mandant als Wiedergutmachung angeboten, berichtet der Anwalt von Erwin H., der außerdem infrage stellt, dass sich Ute B. von einem älteren Mann – „ohne Bart, ohne Halstätowierung“ – bedroht fühlte und die „volle Absicht“ des 78-Jährigen bestreitet. Genau diese bestätigt aber jener Zeuge, der nach dem Wutausbruch die Polizei rief: „Der ist nicht nur so gegen den Wagen gekommen, der hat voll dagegen gehauen.“

Dass Erwin H. dann noch einen Polizisten, der ebenfalls als Zeuge aussagt, verbal recht heftig angeht, mag sein Übriges tun: Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ist nicht bereit, eine Einstellung des Verfahrens in Erwägung zu ziehen. „Es ist schade, dass sich der Angeklagte nicht in der Lage sah, sein Verhalten zu reflektieren“, kleidet Richterin Anke Erlenstädt den Auftritt des Rentners vorsichtig in Worte. Erwin H. wird wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt. Hinzu addieren sich die Kosten des Verfahrens, die bei drei zum Teil weit angereisten Zeugen und einem Gutachten beträchtlich sein dürften, was zeigt, dass einen der Ärger über Falschparker manchmal sehr teuer zu stehen kommen kann.

 Von Sabine Latzel

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