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Bad Schwartau Rückblick 2012: Das war los in Bad Schwartau
Lokales Bad Schwartau Rückblick 2012: Das war los in Bad Schwartau
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00:00 29.12.2012
Beim Festakt in der Krummlandhalle singen 200 geladene Gäste das Schleswig-Holstein-Lied. Quelle: Mertz

Kunterbuntes Jubiläumsjahr

Ein Jahr lang feiert Bad Schwartau mit vielen Veranstaltungen die Verleihung der Stadtrechte vor 100 Jahren.

Selten lässt sich am Ende eines Jahres ein einziges Thema festmachen, das eine Stadt und ihre Einwohner wirklich dominiert hat. In Bad Schwartau ist das im zu Ende gehenden Jahr 2012 ganz anders. Bad Schwartau hat ein Jahr lang ein großes Jubiläum gefeiert: die Verleihung der Stadtrechte vor 100 Jahren.

Und weil eine ganze Stadt ein ganzes Jahr lang gefeiert hat, sich Vereine und Verbände, Firmen und Privatleute beteiligt und engagiert haben, ist es ziemlich schwierig, einen einzigen Höhepunkt auszumachen. Ganz weit vorne liegt jedoch sicher das große Festwochenende im Juni/Juli. Zum Auftakt am Freitagabend spielen Ballroom Buskers Klänge der 1930er und 40er Jahre, Hunderte Bad Schwartau swingen mit, als sich der Regen endlich verzogen hat. Auch am Sonnabend lassen sich die Einwohner nicht lange bitten – und singen beim Singalong lautstark „Mein kleiner grüner Kaktus“ und andere Hits vergangener Jahrzehnte, bevor abends die bekannte Band Max and Friends für Stimmung sorgt. Am Sonntag dann der große Festakt: 200 geladene Gäste, darunter Dr. Arend Oetker, Aufsichtsratsvorsitzender der Schwartauer Werke, Landrat Reinhard Sager, Staatssekretär Bernd Küpperbusch und Landesarchivdirektor Prof. Rainer Hering, gratulieren der Stadt in der Krummlandhalle. „Es war ein wunderschöner Geburtstag mit vielen tollen Geschenken“, zieht Bürgermeister Gerd Schuberth abschließend eine positive Bilanz.

Groß und Klein kommen auch Anfang September bei der Frühstückstafel quer durch die Fußgängerzone auf ihre Kosten. Mehr als 1000 frühstückshungrige Bad Schwartauer sitzen an langen Bänken unter den Platanen – ganz so wie es sich die Organisatoren der Stadt, der Schwartauer Werke, dem Schwartauer Frischmenü und der Aktivgruppe für Handel und Gewerbe (AHG) gewünscht haben. Anschließend shoppen die Frühstücksgäste bei einem von vier verkaufsoffenen Sonntagen in der Stadt.

Nur zwei Wochen später verwandelt sich die Ludwig-Jahn-Straße in eine Spielemeile. Beim 100- und-Ein-Generationenspiel sausen die Seifenkisten den Asphalt entlang, an Ständen werden weitere Attraktionen geboten. Und weil die Premiere anlässlich des Stadtjubiläums so erfolgreich ist, denken die Veranstalter schon jetzt über eine Wiederholung nach.

Definitiv keine Wiederholung wird es vom Gelöbnis auf dem Markt geben: 50 Rekruten der 5. Kompanie des Aufklärungsbataillons 6 Holstein leisten in Bad Schwartau das letzte Gelöbnis des Heeres in Schleswig-Holstein.

Den Bad Schwartauern erhalten bleiben dafür andere Dinge: Der Verein Kommunales Kino hat zusammen mit Filmemacher C. Cay Wesnigk und Helmuth Kirsten einen Film über 100 Jahre Bad Schwartau gefertigt – fünf ausverkaufte Vorstellungen im Movie Star sprechen für sich. Die Autoren Jens Christiansen und Uwe Bremse haben die Stadtgeschichte in dem Buch „Bad Schwartau, meine Stadt“ verewigt. Und auch eine Gedenkmünze wurde anlässlich des runden Geburtstags aufgelegt. Die Sonderprägung ist in Gold und in Silber erhältlich.

Zwei Brandstifter in der Wehr

Junge Feuerwehrmänner legten Brände und schockten somit ihre Kameraden.

Alles in allem können Bad Schwartauer Feuerwehren und Polizei auf ein recht ruhiges Jahr zurückblicken. Viele gravierende Einsätze gab es glücklicherweise nicht. Doch einige Ereignisse sind den Einsatzkräften und den Bad Schwartauern in Erinnerung geblieben.

Im Oktober brennen innerhalb einer Nacht ein Lkw-Anhänger im Gewerbegebiet Langenfelde-Nord und der Bahnhof Schwartau-Waldhalle. Stundenlang sind etwa 60 Feuerwehrleute der Bad Schwartauer Wehren und der Freiwilligen Feuerwehren Mori und Stockelsdorf im Einsatz. Tage später dann eine erschütternde Erkenntnis: Zwei Feuerwehrmänner (20 und 23) der Freiwilligen Feuerwehr Rensefeld haben diese beiden Brände und zwei weitere – einen im Kirschblütenweg und einen in der Beethovenstraße – gelegt. Der Hauptfeuerwehrmann und der Oberfeuerwehrmann haben die Taten gestanden. Ihnen drohen empfindliche Strafen.

Ebenfalls im Oktober hält eine großflächige Suchaktion die Bad Schwartauer in Atem. Mehr als zwölf Stunden lang suchen zahlreichen Helfer von Polizei, Feuerwehr und Hundestaffeln mit zeitweise bis zu 40 Hunden eine 75-Jährige, die des Nachts aus dem Dana Pflegeheim Wiesengrund verschwunden ist. Die Suche muss zunächst ergebnislos abgebrochen werden, doch weitere zwölf Stunden später die frohe Kunde: Die an Demenz erkrankte Frau ist wieder da. Mitarbeiter der Bahn haben sie in Lübeck-Dänischburg gefunden, es geht ihr den Umständen entsprechend gut.

Schon im Mai bekämpfen etwa 120 Feuerwehrleute den wohl größten Brand des Jahres in Bad Schwartau: Auf dem Balkon einer Wohnung am Markt ist ein Feuer ausgebrochen. Wegen der starken Rauchentwicklung müssen 20 Wohnungen in umliegenden Gebäuden sowie das Movie Star am Eutiner Ring evakuiert werden. Eine Feuerwehrfrau muss später wegen einer Rauchgasvergiftung sogar ins Krankenhaus, auch zwei Mitarbeiter eines Supermarktes müssen ärztlich behandelt werden. Glücklicherweise ist jedoch niemand ernsthaft zu Schaden gekommen. Der Sachschaden ist jedoch beträchtlich: Wohnungen im Haus Markt 19 sind unbewohnbar, die Schadenssumme beläuft sich auf rund 100 000 Euro.

Die Stadt klagt gegen das Ikea-Großprojekt

Viele Einwohner stehen dem Projekt positiv gegenüber, Händler fürchten das Einkaufscenter.

In Lübeck-Dänischburg will Ikea bauen. Die Schweden planen auf dem ehemaligen Villeroy & Boch Areal aber nicht nur ein Möbelhaus. Auch ein Shopping-Center mit mehr Verkaufsfläche (22 000 Quadratmeter) als in der gesamten Bad Schwartauer Innenstadt soll in nur fünf Kilometern Entfernung entstehen. Dieses zusätzliche Einkaufszentrum hat nicht nur das Verhältnis der Bad Schwartauer zum großen Nachbarn Lübeck abgekühlt, sondern auch die Gemüter in der Solbadstadt erhitzt. Grund: Politik und Verwaltung haben sich entschieden, den Klageweg zu beschreiten, um die geplante Dimension des Shopping-Centers zu verhindern. Bürgermeister Gerd Schuberth: „Wir wollen auch Ikea, aber das geplante Einkaufszentrum ist eine echte Gefahr für die Bad Schwartauer Innenstadt.“

Im November machen die hiesigen Politiker ernst. Sie geben grünes Licht für eine Klage, die unlängst eingereicht wurde. Eine mutige Entscheidung, denn der schwedische Möbelkonzern hat im Vorwege einiges versucht, um die Stimmung in Bad Schwartau positiver zu gestalten. Forsa wird mit einer Umfrage beauftragt. Das Ergebnis unter 500 Befragten zu dem Ikea-Projekt mit Shopping-Center im benachbarten Dänischburg fällt dabei eindeutig aus. 84 Prozent der Befragten beurteilen das Vorhaben als „eher gut“, und gerade einmal 15 Prozent sprechen sich für eine Klage der Stadt aus.

Ikea versucht zudem, die Geschäftswelt in Bad Schwartau zu beruhigen, kündigt bei gemeinsamen Workshops Unterstützung in Sachen Marketing an. Bei einem Straßenfest in der Bad Schwartauer City tritt das blau-gelbe Unternehmen sogar als Sponsor auf.

Doch die Strategie der Schweden geht nicht auf. Der Widerstand aus Bad Schwartau ist noch längst nicht gebrochen. Zwar wird ab Januar in Dänischburg gebaut und der Eröffnungstermin des Ikea-Einrichtungshauses soll im Dezember 2013 oder im Januar 2014 sein. Die Eröffnung des Einkaufszentrums ist für das Frühjahr 2014 geplant. Doch das letzte Wort in dieser Angelegenheit haben nun die Gerichte, so dass auch im nächsten Jahr in Bad Schwartau hitzig über dieses 120-Millionen-Euro-Projekt diskutiert wird.

Neues Logo für Bad Schwartau

Ein Drei-Generationen-Ort möchte Bad Schwartau werden. Dieses Profil hat die Stadt zusammen mit der Beraterfirma Cima erarbeitet und arbeitet nun an der Umsetzung. Erster Schritt: ein neues Stadtlogo. Blaue Schrift auf weißem Grund, dazu ein stilisierter Fluss mit herzförmigem Verlauf sollen für Herzlichkeit und Naturverbundenheit stehen.

Naturverbunden mit viel Grün soll auch die neue Bad Schwartauer Mitte, die umgestaltete Markttwiete daherkommen. Doch dafür müssen erst einmal die 54 Platanen weichen, das hat der Ausschuss für Bauwesen und Stadtplanung im November beschlossen. Nicht überall stößt das Vorhaben auf Begeisterung, mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die – unterstützt von der SPD – für den Erhalt der Bäume kämpft.

Zwei weitere Neuerungen in der Innenstadt sind bereits realisiert: Die Lübecker Nachrichten sind von der Lübecker Straße in den Handelshof gezogen, und am Europaplatz gibt es das neue Haus der Schönheit mit einer Schuback-Filiale und dem Friseursalon Head Couture.

Neues Werk für mehr Konfitüren

Standortsicherung und Wachstum: Dafür steht das neue Konfitürenwerk II der Schwartauer Werke. Mitte September wurde die 20 Millionen Euro teure Produktionsstätte in Anwesenheit des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Arend Oetker und Ministerpräsident Torsten Albig eröffnet. Da das neue Werk zum Teil auf Lübecker Grund steht, bekommt auch die Hansestadt künftig einen Teil der Gewerbesteuer ab. In dem neuen Werk können jährlich bis zu 25 000 Tonnen Konfitüre, Kaffee- und Fruchtsirup sowie Dessertsaucen produziert werden, zudem kann hier, am Petroleumhafen, rund um die Uhr be- und entladen werden, ohne auf Nachbarn Rücksicht nehmen zu müssen. Den Neubau hat Eberhard Schulz auf den Weg gebracht und umgesetzt. Der technische Geschäftsführer der Schwartauer Werke verabschiedete sich dann nach erfolgreicher Arbeit zum Jahresende in den Ruhestand.

Lindemann folgt Freiling im Bauamt

Von der Elbe an die Schwartau: Im Mai übernimmt Maik Lindemann das Bauamt in Bad Schwartau. Der 39-Jährige tritt die Nachfolge von Friedhelm Freiling an, der nach 29 Jahren in Altersteilzeit gegangen ist.

Auf den Posten im Bauamt haben sich insgesamt 19 Frauen und Männer beworben. Lindemann, der in Wolfsburg geboren und aufgewachsen ist, arbeitete zuletzt als stellvertretender Referatsleiter im Stadtplanungsamt für die Bezirke Harburg und Bergedorf. „Maik Lindemann war unser Wunschkandidat“, berichtet Bürgermeister Schuberth. Sein Profil passe genau und werde sehr hilfreich bei der Umgestaltung der Innenstadt sein. Lindemann ist nämlich Stadtplaner und hat seine Diplomarbeit zum Thema Einzelhandelsentwicklung geschrieben.

LN

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