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Bad Schwartau Sammeln für den guten Zweck: PET-Deckel gegen Polio
Lokales Bad Schwartau Sammeln für den guten Zweck: PET-Deckel gegen Polio
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20:27 08.04.2016
Neben der Pfandabgabe bei Rewe hängt die Sammelbox von Malte Möller. Immer mehr Deckel werden dort abgegeben. Quelle: Fotos: Kim Meyer

PET-Deckel sind das Objekt der Begierde von Malte Möller aus Bad Schwartau. Aber der 20-Jährige hat keine Sammelleidenschaft für die Verschlüsse, er möchte möglichst viele zusammentragen, um den Verein „Deckel drauf“ zu unterstützen. Dafür hat er mittlerweile zwei Sammelboxen in der Stadt aufgestellt. Der Verein recycelt die PET-Deckel und finanziert damit weltweit Impfungen gegen Polio, auch Kinderlähmung genannt. Bundesweit machen inzwischen Schulen, Kitas, Vereine und Privatpersonen bei der Aktion mit.

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Malte Möller hat die Aktion, bei der mittlerweile bundesweit viele Menschen mitmachen, nach Bad Schwartau geholt — Zwei Sammelboxen gibt es in der Stadt schon.

„Ich war in Glinde in der St. Johanniskirche und wollte Müll wegwerfen, da habe ich den Behälter mit den Deckeln gesehen“, sagt Malte Möller, der sich auch in der Kirche sozial engagiert. „Mir hat dann jemand erklärt, dass das kein Müll ist, sondern dass die Deckel für den guten Zweck gesammelt werden.“ Das muss es in Bad Schwartau auch geben, beschließt er. In mehr als 50 Läden habe er angefragt, ob er einen Sammelbehälter aufstellen darf. „Es gab nur Absagen“, sagt Möller. „Nur Rewe in der Lübecker Straße und die Christuskirche haben mitgemacht.“

Während in der Kirche noch ein Karton steht, ist Möller für den Rewe Markt kreativ geworden. Bei einem alten Briefkasten hat er die Front durch eine Plastikscheibe ersetzt. „Sonst sehen die Leute ja gar nicht, was drin ist.“ Der bearbeitete Kasten hängt jetzt samt Info-Zettel über die Aktion neben der Pfandabgabe. Stundenweise stellt sich auch der engagierte junge Mann dorthin, informiert die Kunden und hilft beim Abschrauben.

„Ich empfehle, die Deckel Zuhause abzumachen und separat zu sammeln — das ist einfacher“, sagt Möller. „Dann muss man damit nicht im Markt anfangen.“

Abgegeben werden können Deckel aller erdenklichen Packungen — von Cola-Flaschen über Milch bis zu Zahnpasta-Tuben. Wichtig ist nur, dass sie aus hochwertigem Kunststoff, das heißt aus Polyethylen oder Polypropylen bestehen. Fremdstoffe, wie Pappe, sollten vor der Abgabe entfernt werden. „Die Deckel sind ein Überbleibsel“, sagt Möller. „Die sind für niemanden was wert und irrelevant, um Pfand zurückzubekommen.“

„22 Millionen Deckel lassen sich in Deutschland sammeln“, sagt Dennis Kissel, Chef der Abfallwirtschaft Südholstein. Kissel und seine Freunde vom hiesigen Rotary-Club sind Initiatoren des Vereins.

Ein Kilo der Plastik reiche beim aktuellen Marktpreis aus, um eine Impfdosis im Wert von etwa 30 Cent zu finanzieren, sagt Kissel.

„Ich habe seit Ende Januar mehr als 2500 Deckel gesammelt“, erzählt Malte Möller. Diese bringt er zum Wertstoffhof in Lübeck. „Unsere Wertstoffhöfe dienen quasi als Zwischenlager“, erklärt Cornelia Tews, Sprecherin der Lübecker Entsorgungsbetriebe. „Der Rotary Club Burgtor in Lübeck nimmt auch an der Aktion teil, da haben wir uns angeschlossen.“ Sobald eine größere Menge zusammengekommen ist, organisiere Dennis Kissel die Abholung. Auch beim Zweckverband Ostholstein ist man auf die Aktion aufmerksam geworden. „Wir prüfen, wie wir uns am besten aktiv beteiligen können“, sagt Sprecherin Nicole Buschermöhle. „Das ist eine gute Sache.“

Das findet auch Peer Wollmer. An der Pfandabgabe bei Rewe lässt er sich von Malte Möller das Prinzip erklären. „Es ist gut, dass alles hundertprozentig ins Projekt fließt“, so der 43-Jährige. „Diese Sammelstellen müssten in jedem Markt sein.“ Auch Michelle Witte lässt sich überzeugen, die Deckel abzuschrauben. „Das ist ja kein Aufwand“, sagt die 23-Jährige und fragt: „Auch diese Sportverschlüsse an der Wasserflasche?“ „Auch die“, antwortet Möller.

„Immer mehr Menschen machen mit“, sagt Stefan Westphal, stellvertretender Marktleiter bei Rewe in der Lübecker Straße. Eine extra Tüte zum Sammeln hätten sie vor allem am Wochenende schon hinstellen müssen. „Am Anfang habe ich mich gesträubt, einen großen Kasten hinzuhängen — ich wusste ja nicht, ob das ein Erfolg oder eine Lachnummer wird“, sagt Malte Möller, der auch 300 Info-Flyer hat drucken lassen. Laufe die Aktion weiterhin so gut, werde er etwas größeres besorgen — und das alles von seinem Taschengeld.

Rund um den Verein

2014 wurde der Verein „Deckel drauf“ gegründet. Die Erlöse aus dem Deckelverkauf kommen dem Rotary Projekt „End Polio Now“ zugute. Es verfolgt das weltweite Vorhaben, dass kein Kind mehr an Polio erkranken soll. Diese Infektionskrankheit, die auch als Kinderlähmung bezeichnet wird, wird durch Polioviren hervorgerufen und führt von Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod.

• Weitere Infos zur Aktion gibt es unter deckel-gegen-polio.de.

Von Kim Meyer

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