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Bad Schwartau Samtleben gegen Fischer
Lokales Bad Schwartau Samtleben gegen Fischer
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20:53 26.01.2018
Julia Samtleben (37) ist die Kandidatin, die von der SPD ins Rennen um das höchste Amt im Rathaus geschickt wird. Quelle: Dankert
Stockelsdorf

Warum Fischer und Samtleben ihren Hut in den Ring werfen, haben beide in ihrem Eingangsstatement erklärt. „Als Bürgermeister ist man sehr konkret dran an den Themen“, erläuterte Fischer, gebürtiger Lübecker, Jurist, verheiratet, Vater eines achtjährigen Sohnes, tätig in Hamburg und wohnhaft in Bargteheide. „Ich will die Themen von A bis Z bearbeiten“, ergänzte Fischer, „ich möchte Verantwortung übernehmen und Stockelsdorf voranbringen.“

Julia Samtleben machte in ihrem Statement klar, dass sie „einen offenen Politikstil und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ pflegen wolle und dass „das Bürgermeisteramt keine Parteipolitik verträgt“.

Die Juristin, in Jamaika als Kind von deutschen Entwicklungshelfern geboren, auf dem Land in der Nähe von Pinneberg aufgewachsen, verheiratet, Mutter zweier Kinder (7 und 4) und tätig in Hamburg, „will die Zukunft von Stockelsdorf gestalten“. Oben auf der Agenda stehen bei ihr die „Kita-Betreuung, neuer und bezahlbarer Wohnraum, auch ein ausreichendes Angebot an altersgerechten und barrierefreien Wohnungen und Barrierefreiheit im Gemeindekern“.

Schon lange vor Beginn waren die 100 Stühle im Saal besetzt. Für die meisten Neugierigen blieb nur noch ein Stehplatz. Bürgervorsteher Harald Werner, der diese Veranstaltung in souveräner und neutraler Weise leitete, konnte die Besucher, die nur noch im Vorraum Platz fanden, aber beruhigen: „Auch dort sind die Lautsprecher an, so dass jeder alles verstehen kann.“

Zunächst gab Werner die „Spielregeln“ des Abends bekannt. Per Los wurde entschieden, wer anfangen darf mit seiner persönlichen 15-minütigen Vorstellung und der anschließenden Frage-Antwort-Runde im direkten Dialog mit den Bürgern. Das Los-Glück an diesem Abend hatte Christian Fischer, er durfte zuerst ans Pult. Und „weil wir beiden die gleiche Chance geben wollen“, erklärte Harald Werner, musste Fischers Mitbewerberin Julia Samtleben sich in einen Raum im ersten Stock zurückziehen – ohne jeglichen Kontakt zum großen Saal. Später wurden die Rollen getauscht. Samtleben rein, Fischer raus.

Und auch für die Bürger legte Werner gleich zu Beginn ein paar Spielregeln fest: „Kurze und präzise Fragen, aber keine Selbstdarstellung. Und sollte ich merken, dass eine Frage unterirdisch ist, dann grätsche ich rein.“

Und tatsächlich – Werner musste reingrätschen als Johannes Kremer sich als Kopf der Bürgerinitiative Herrengarten und sein Anliegen langatmig vorstellte und von Julia Samtleben etwas wissen wollte, was die Stockelsdorfer Politik schon vor zwei Jahren per Beschluss eingetütet hat: Wie die eventuell künftige Bürgermeisterin von Stockelsdorf zur Verschönerung des Herrengartens steht, wollte Kremer wissen. Samtlebens einleuchtende Antwort: „Die Verschönerung des Herrengartens ist eine politische Entscheidung, und die Umsetzung läuft bereits.“

Offenbar gibt es keinen Wahlkampfauftritt ohne das Thema Wohnort. Fischer unterstrich einmal mehr seine Verwurzelung in Stockelsdorf und sagte, „dass Bargteheide genau auf der Tangente zwischen Hamburg und Stockelsdorf liegt.“ Während Christian Fischer seine „sehr enge Verbindung zu Stockelsdorf“ aufgrund von Familie, Verwandtschaft und Bekanntschaft betonte und versicherte, dass ein Umzug nach Stockelsdorf für ihn selbstverständlich sei, argumentierte Julia Samtleben, dass es ein Vorteil sei, wenn jemand von außen komme. „Mit einem unverstellten Blick und ohne vorhandenes Beziehungsgeflecht kann man – wenn nötig – alte Strukturen aufbrechen“, sagte Samtleben. Und auch Julia Samtleben, die von ihrem Mann zu dieser Veranstaltung begleitet wurde, erklärte, dass sie mit ihrer gesamten Familie aus dem 2000-Seelen-Ort Prisdorf bei Pinneberg nach Stockelsdorf umziehen werde. „Mein Mann und ich haben heute unsere Bewerbung abgegeben für ein Grundstück im neuen Baugebiet am Bahndamm – und ich hoffe, wir haben Glück bei der Auslosung.“ Dafür gab es kräftigen Applaus.

Und auch an anderen Stellen gab es Applaus bei jedem der beiden Kandidaten. Allerdings weiß keiner vom anderen, wer mehr davon bekommen hat.

Bis zum Wahlsonntag haben Julia Samtleben und Christian Fischer noch etliche öffentliche Auftritte im Rahmen des Wahlkampfs vor sich.

 Von Doreen Dankert

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