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Bad Schwartau Ärger über Abholzung im Kammerwald
Lokales Bad Schwartau Ärger über Abholzung im Kammerwald
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16:46 12.02.2019
Vertreter der Grünen, hier: Jan Karthäuser und Gabriele Jungk, ärgern sich über den Holzeinschlag, den die Landesforsten im Kammerwald auf Scharbeutzer und Timmendorfer Gebiet vorgenommen haben. Quelle: Sabine Latzel
Scharbeutz/Timmendorfer Strand

Der Winter ist die klassische Zeit für den Holzeinschlag – doch Ausmaß und Art der Ernte, die in den vergangenen Monaten im Kammerwald stattgefunden haben, sorgen jetzt für Ärger. Gemeindeübergreifend beklagen Grünen-Politiker aus Scharbeutz und aus Timmendorfer Strand eine aus ihrer Sicht zu rigorose Abholzung und die Zerstörung des Bodens. Ein Vertreter der Landesforsten Schleswig-Holstein spricht hingegen von „moderaten Mengen“. Die Debatte wird am Mittwoch im Scharbeutzer Umweltausschuss fortgesetzt.

Kritik: Der Wald sei ausgedünnt worden

„Die Bürger haben ein Anrecht auf einen intakten Wald“, sagt Gabriele Jungk, Vorsitzende der Scharbeutzer Grünen – und intakt ist der Kammerwald, der sich auf insgesamt 124 Hektar auf Timmendorfer und Scharbeutzer Gebiet erstreckt, in ihren Augen nicht mehr. „Durch den Holzeinschlag in diesem Winter ist der Wald stark ausgedünnt worden“, meint sie und weist auf einige eher zarte Stämme. „Das ist ein Altersklassenwald – und kein Dauerwald mehr.“

Am beliebtesten seien 120 bis 160 Jahre alte Buchen, erklärt Jörg Kunert, Grünen-Vorstandssprecher aus Scharbeutz, und zählt die Ringe eines gefällten Baumes nach. „Außerdem sind auch Habitat-Bäume gefällt worden“, moniert er – also Bäume, die als Lebensraum für Tiere dienten und beispielsweise eine Spechthöhle aufwiesen. „Gerade der Mittelspecht hat keine Möglichkeit mehr, in diesem dünnen Stangenwald zu nisten“, ergänzt Gabriele Jungk. „Das wird bis zu 100 Jahre dauern, bis sich der Kammerwald von diesem Einschlag erholt hat“, lautet Kunerts pessimistische Schätzung.

Landesforsten widersprechen Bodenzerstörung

Darüber hinaus hätten schwere Maschinen den Boden zerstört, sagen die Grünen und weisen auf tiefe Pfützen und Spurrillen hin, die sich in den Wald hineinziehen. „Die erlaubte Furchentiefe liegt bei zehn Zentimetern, aber hier sind es teilweise bis zu 50 Zentimeter“, sagt Gabriele Jungk verärgert. Volker Weiß, Sachgebietsleiter Naturschutz bei den Landesforsten, hält dagegen: „Es gibt ein festes Rückegassen-Netz, der Bodenschutz ist beachtet worden.“ Natürlich sei zu sehen, wo die Maschinen gefahren sind, „doch es wird darauf geachtet, dass die dadurch entstehende Bodenverdichtung nur auf bestimmten Flächen stattfindet“.

Massive Ausdünnung, viel zu tiefe Furchen: Über den Zustand des Kammerwaldes nach der Holzernte dieses Winters ärgern sich die Grünen aus Scharbeutz und Timmendorfer Strand.

Die Kritik der Grünen, die auch bereits mit der Landtagsabgeordneten Marlies Fritzen den Kammerwald erkundet haben, sei den Landesforsten bekannt, sagt Weiß. In diesem Winter seien 70 Hektar des Waldes durchforstet und pro Hektar 46 Kubikmeter Holz geerntet worden. „Man rechnet, dass pro Jahr und Hektar etwa zehn Kubikmeter wieder nachwachsen“, erklärt Weiß. Demnach hätte sich die betroffene Fläche im Kammerwald nach fünf Jahren regeneriert. „Zudem sind Habitatbäume bestimmt worden, die uralt werden sollen.“ Dem Konzept des Landes entsprechend seien noch dazu zehn Prozent dieses Waldes Naturwald – heißt: 12,4 Hektar werden nicht wirtschaftlich genutzt.

Konzept für die Zukunft gefordert

„Wirtschaftliche Nutzung“: Das ist auch das passende Stichwort für die Grünen. „Es darf nicht um Gewinnmaximierung gehen“, sagt Gabriele Jungk. Die Faktoren Schutz, Erholung und Nutzung des Waldes müssten vielmehr gleichrangig nebeneinander stehen, „doch diese Gleichrangigkeit wird missachtet“. Ein weiterer Aspekt sei der Klimaschutz, „der Wald hat schließlich eine entscheidende Funktion als CO2-Speicher“. Außerdem, meint Jan Karthäuser von den Grünen in Timmendorfer Strand, „wäre doch beim Wald eine schwarze Null auch okay“. Der Holzeinschlag sei nun einmal vorgenommen worden – wichtig sei es jetzt aber, gemeinsam mit den Landesforsten ein Konzept für die Zukunft zu entwickeln.

„Es soll nicht gegeneinander gehen“, sagt auch Gabriele Jungk. Parteien, Verwaltungen und Tourismus-Organisationen in Scharbeutz und Timmendorf sollten in Zusammenarbeit mit den Landesforsten ein Konzept zur naturnahen Waldnutzung aufstellen, „mit minimalem Einsatz von schweren Geräten und einer angemessenen Holzentnahme“. Das Konzept des Landes sei abgeschlossen, gibt Volker Weiß von den Landesforsten zu bedenken, „dort ist kein Spielraum mehr“. Zumindest in den kommenden Jahren werde im Kammerwald jedoch nicht weiter abgeholzt. Weitere Erkenntnisse soll ein Sachstandsbericht bringen, der am Mittwochabend im Umweltausschuss auf der Tagesordnung steht.

Baumfällungen auf der Tagesordnung

Die Sitzung des Umweltausschusses der Gemeinde Scharbeutz beginnt am Mittwoch, 13. Februar, um 18 Uhr in Raum 206 im Bürgerhaus (Haus A). Auf der Tagesordnung stehen die Baumfällungen im Kammerwald mit einem Sachstandsbericht eines Vertreters der Landesforsten. Außerdem geht es unter anderem um das Umfeld des Cap-Arcona-Friedhofes, die Fortschreibung des Lärmaktionsplanes und die Parkanlage des Augustushofes.

Sabine Latzel

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